Mit nur 21 Gramm wiegt der Westliche Schlafbeutler (Cercartetus concinnus) kaum mehr als eine Maus. Als drei Mitarbeitende der Australian Wildlife Conservancy (AWC) im Karakamia Wildlife Sanctuary ihre Bodenfallen kontrollierten, erwarteten sie eher Skinke, Geckos oder möglicherweise einen Frosch. Doch plötzlich blickten aus einem Eimer zwei schwarze Knopfaugen zurück: ein Tier, das man hier seit über 25 Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Die Wiederentdeckung des seltenen Beuteltiers, das der «National Geographic» einst das «süsseste Tier Australiens» nannte, ist die erste nachgewiesene Sichtung in dem etwa eine Autostunde östlich von Perth gelegenen Schutzgebiet seit 1999. Auch wenn der Westliche Schlafbeutler nicht als ausgestorben gilt, machen ihm Fressfeinde und der Verlust seines Lebensraums stark zu schaffen.
Seine Rückkehr in das älteste Schutzgebiet der AWC zeigt eindrucksvoll, dass hartnäckige Naturschutzarbeit über die Jahre hinweg wirklich Ergebnisse bringt. Die erfreuliche Entdeckung fällt zudem mit dem 35-jährigen Bestehen des Schutzgebiets zusammen.
«Wir waren so begeistert! Ein Schlafbeutler war absolut nicht das, womit wir gerechnet hatten», sagte die Ökologin Bryony Palmer. Und der Schlafbeutler war keineswegs die einzige Überraschung. Bei der Erhebung gelang es dem Team, insgesamt 195 Nachweise von 17 Wildtierarten zu dokumentieren – eine Rekordzahl. «Es war eine wunderbare Art, das 35-jährige Jubiläum des Schutzgebiets und der AWC zu feiern», meinte Palmer.
Eine Arche für bedrohte Arten
Heute finden sich in dem Schutzgebiet 18 Säugetierarten, dazu kommen 30 Reptilien-, zehn Amphibien- und 123 Vogelarten. Was anfangs als ein kleineres Projekt angedacht war, ist inzwischen zu einem bedeutenden Naturschutzprojekt geworden, das mittlerweile über 6,5 Millionen Hektar verwaltet. Als Nächstes haben sich die Verantwortlichen vorgenommen, ihre Schutzflächen bis 2035 auf fünf Prozent der australischen Landfläche auszudehnen.
Die Rückkehr des Schlafbeutlers ist eine von mehreren positiven Nachrichten aus dem Naturschutz. Schon im Oktober sorgten junge Numbats im östlichen Bundesstaat New South Wales für Schlagzeilen – darunter die ersten Vierlinge, seit man die stark bedrohte Art vor fünf Jahren wieder anzusiedeln begann. Auch hier half ein eingezäuntes Schutzgebiet ohne Raubtiere beim Neustart.
Trotzdem sind solche Erfolgsgeschichten eher die Ausnahme. Seit die Europäer Australien besiedelten, sind dort 40 heimische Säugetierarten verschwunden – mehr als auf jedem anderen Kontinent. Hinzu kommen weitere Bedrohungen wie der Klimawandel oder die Vogelgrippe H5N1. Sie ist mittlerweile in allen australischen Bundesstaaten angekommen. Etwa 400 heimische Arten sind nach einem aktuellen Regierungsbericht durch sie gefährdet, darunter Pinguine, Pelzrobben, der Tasmanische Teufel und über 300 Vogelarten. Vor diesem Hintergrund wirkt die Wiederentdeckung eines 21 Gramm schweren Beuteltiers deutlich bedeutsamer, als seine Grösse vermuten lässt.

