Spätzünderin

Wie Australiens «weiblicher Trump» die Politik aufmischt – und beim Volk immer beliebter wird

Eine rassistische Rede im Parlament machte sie bekannt, später sass sie im Gefängnis: Pauline Hanson, Fisch-und-Chips-Ladenbesitzerin aus Queensland, liegt in Umfragen plötzlich vorn.

Canberra, 1996: Pauline Hanson, die ehemalige Betreiberin eines Fisch-und-Chips-Ladens im Bundesstaat Queensland, steht erstmals im australischen Parlament. Wenige Monate zuvor hatte die Liberal Party ihre Kandidatur zurückgezogen, nachdem sie sich rassistisch über Ureinwohner geäussert hatte.

Als unabhängige Kandidatin gewinnt Hanson dennoch den Wahlkreis Oxley. In ihrer Antrittsrede sagt sie: «I believe we are in danger of being swamped by Asians.» Das Land, so ihre Botschaft, verliere seine Identität, weil zu viele Immigranten aus Asien einwanderten.

Es ist der Beginn einer bemerkenswerten politischen Karriere. 1997 gründet Hanson die Partei One Nation. Bei der Wahl in Queensland 1998 erreicht sie 22,7 Prozent und gewinnt elf Sitze – der stärkste Start einer neuen Partei in diesem Bundesstaat seit dem Ersten Weltkrieg.

Der Aufstieg ist ebenso schnell vorbei. Hanson verliert 1998 ihr Mandat. Interne Machtkämpfe zerlegen One Nation – Hanson und ein Mitbegründer der Partei werden wegen Wahlbetrugs verurteilt und müssen ins Gefängnis. 2003 hebt das Berufungsgericht von Queensland das Urteil aber auf. Danach scheitert Hanson mehrfach bei Wahlen. Erst 2016 kehrt sie in den Senat zurück.

Über Jahre scheint One Nation wieder eine typische Protestpartei zu sein: laut, populär in Teilen des erzkonservativen, ländlichen Queensland, aber weit davon entfernt, regieren zu können. Doch die Partei verändert ihre geografische Reichweite. Bei der Parlamentswahl 2025 erhält sie 6,4 Prozent der Stimmen – 1,4 Punkte mehr als 2022 – und gewinnt drei zusätzliche Senatssitze. Mit Hanson und ihrem Vize Malcolm Roberts verfügt sie seither über vier Senatoren.

Der eigentliche Sprung folgt 2026. Bei einer Zwischenwahl in einem Wahlkreis im Bundesstaat New South Wales gewinnt One Nation erstmals einen Sitz im Abgeordnetenhaus. Kandidat David Farley liegt zunächst bei mehr als 40 Prozent der Erststimmen; nach Verteilung der Präferenzen beträgt sein Vorsprung etwa neun Prozentpunkte.

Gegen Multi-Kulti und Klimapolitik

Hansons politische Formel ist seit 1996 erstaunlich konstant: Einwanderung begrenzen, Multikulturalismus zurückdrängen, Remigration von «jenen, die sich nicht anpassen wollen», Klimapolitik bekämpfen, nationale Souveränität betonen. Ihr offener Rassismus – inzwischen primär gegen Muslime gerichtet – und das Leugnen der Klimakrise bleiben ihre wichtigsten Markenzeichen.

Aktuell erlebt One Nation einen Aufschwung, den noch vor Monaten kein politischer Beobachter prognostizieren konnte. Hohe Wohnkosten, Migration, Kriminalität und der Eindruck, dass die etablierten Parteien nur noch «in ihre eigene Tasche arbeiten», sind die wichtigsten Treiber. Im Juli dieses Jahres lag One Nation in einer Umfrage mit 30 Prozent der Erstpräferenzen auf Rang eins, vor der regierenden Laborpartei mit 28 und der konservativen Koalition mit 20 Prozent der Stimmen.

Skandale scheinen Pauline Hanson nur zu helfen, noch mehr Anhänger zu finden. Es ist bekannt, dass die reichste Frau Australiens, Gina Rinehart, die Politikerin mit Rat und Tat unterstützt. So hat die Erbin eines Milliarden-Rohstoffunternehmens ihr unter anderem ein Flugzeug geschenkt.

Im Gegenzug, so Kritiker, setze Hanson auf politischer Ebene die ultrakonservative Ideologie ihrer Gönnerin um, die eng mit US-Präsident Donald Trump befreundet ist. Jüngst schlug Rinehart vor, Australien solle Israel Teile von Queensland abtreten, damit die israelische Armee dort neue Waffen entwickeln könne. One Nation ist solchen Ideen gegenüber nicht generell abgeneigt.

Hanson bleibt die Galionsfigur der Partei. Nicht nur ihre grell orange-rot gefärbten Haare lassen einen Vergleich mit Donald Trump zu. Ihre unbeholfen tönende und von Fehlern durchsetzte Sprache macht sie in den Augen einer wachsenden Zahl von Anhängern zu «einer von uns». Obwohl sie während all ihrer Jahre im Parlament konstant gegen gesetzliche Massnahmen gestimmt hat, die das Wohl der arbeitenden Bevölkerung, von Frauen und Minderheiten verbessert hätten.

Sicher aber ist: Hanson ist längst nicht mehr nur die Stimme einer politischen Randgruppe. One Nation zwingt die grossen Parteien, über Migration, Energie und nationale Identität zu sprechen. Selbst wenn die Umfragewerte schwanken, hat sie damit etwas erreicht, was ihr 1996 kaum jemand zugetraut hätte: Aus der Empörung einer einzelnen Abgeordneten ist ein dauerhaftes politisches Angebot geworden.