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Medien

Wenn der Postmann zweimal klingelt: Zum 1. August gibts Kritik am Service-Public-Abbau statt patriotische Worthülsen

Service-public-Unternehmen sollten sich nicht ausschliesslich an wirtschaftlichen Massstäben orientieren.
Die Post: Der Abbau schmerzt.
Bild: Bruno Kissling

Vor genau 25 Jahren hielt ich in Dietlikon meine erste 1.-August-Rede. Da ich mich nicht auf patriotische Worthülsen beschränken wollte, empfahl mir mein Vater, über den geplanten Poststellenabbau zu sprechen, der gerade aktuell war. Ich folgte dem väterlichen Rat und setzte mich engagiert für deren Beibehaltung ein: als Bekenntnis zum berühmten Service public. Das Thema war ein voller Erfolg.

Am diesjährigen 1. August sprach ich in der Nachbargemeinde Dübendorf. Und wieder kritisierte ich den geplanten Poststellenabbau, der – trotz aller Weltkonflikte – immer noch ein Thema ist. Gerade in Randgebieten stösst dieser – wie diese Zeitung zuerst berichtete – auf grossen Unwillen. Auch in Dübendorf erhielt ich Zustimmung.

Mangelhafte staatliche Leistungen lädieren das Selbstbewusstsein

Höchstwahrscheinlich sind sich die Post-Verantwortlichen gar nicht bewusst, welche Gefühle die gelben Briefkästen und Schalter trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz landesweit immer noch auslösen. Dass mangelhafte staatliche Leistungen das Selbstbewusstsein eines Volkes lädieren, beweisen die chronischen Zugverspätungen in Deutschland.

Gerade Service-public-Unternehmen sollten sich nicht ausschliesslich an wirtschaftlichen Massstäben orientieren, darum sind sie solche. Dies zeigte sich schon bei der Absetzung des Gesellschaftsmagazins «G&G», wogegen auch solche protestierten, die die Sendung gar nicht schauten. Sowohl für Post als auch für Leutschenbach gilt also die alte Filmweisheit: Lieber der Postmann klingelt zweimal, als kein Mal.