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Gehälter

Bundesrat erhöht Einsteigerlöhne für Beamte - GLP-Chef Grossen ist sauer

Der Bundesrat «optimiert» das Lohnsystem der Bundesverwaltung: Neu erhalten Bundesbeamte einen höheren Anfangslohn. Damit würden KMU noch stärker konkurrenziert, ärgert sich GLP-Präsident Jürg Grossen.
Jedes Jahr etwas mehr Geld: Der Bundesrat will die automatischen Lohnerhöhungen für Bundesbeamte kürzen.
Bild: SNB

Wer einen Job in der Bundesverwaltung hat, dem liefert der Blick auf die Lohnabrechnung jedes Jahr neuen Grund zur Freude: Eine Gehaltserhöhung ist für die 44'000 Bundesbeamten die Regel. Der Lohn steigt so lange, bis das Maximum der jeweiligen Lohnklasse erreicht ist. Dabei hängt die Höhe der jährlichen Gehaltssprünge von der Leistung ab. Die Frage ist also nicht, ob man je den Höchstbetrag erhält – sondern: wie schnell.

Die Praxis sorgte in der Vergangenheit für Kritik. Nun ging der Bundesrat über die Bücher – und hat am Freitag eine Reform des Lohnsystems präsentiert. Das Ziel: die Annäherung an die Privatwirtschaft.

Flachere Lohnkurve – aber höherer Anfangslohn

Doch wirklich weit geht die «Optimierung», wie sie der Bund selbst nennt, nicht. Auch künftig sollen die Beamten jedes Jahr mehr Lohn erhalten. Die Lohnkurve ist allerdings flacher: Die Lohnschritte sind kleiner und führen nicht mehr automatisch zum höchstmöglichen Lohn. Stattdessen wird ein Zielgehalt angepeilt, das 10 Prozent unter dem Maximum liegt. Nur bei «konstant sehr guten Leistungen» soll man noch das Maximum erreichen.

Im Gegenzug ist der Anfangslohn künftig etwas höher. Dadurch erhofft sich der Bund, als Arbeitgeber noch attraktiver zu werden.

«KMU werden noch stärker konkurrenziert»

Doch muss er das überhaupt? GLP-Präsident Jürg Grossen kritisiert den Reformversuch des Bundesrats scharf. «Das einzig Positive am Entscheid ist, dass man überhaupt etwas zu ändern versucht hat», sagt er. Doch das sei misslungen.

Denn: «Mit der Anhebung der Anfangslöhne werden KMU neu noch stärker konkurrenziert.» Schon heute seien die Löhne des Bundespersonals viel höher als in den meisten Branchen der Privatwirtschaft, sagt Grossen. Der durchschnittliche Bruttolohn liegt in der Bundesverwaltung bei 131'000 Franken. Studien kamen zum Schluss, dass die Differenz zur Privatwirtschaft bei tiefen Löhnen am höchsten ist.

Jürg Grossen legt Wert darauf, zu betonen, dass ihm eine starke, leistungsfähige Verwaltung mit attraktiven Arbeitsplätzen wichtig sei. «Doch beim Lohn stimmen die Verhältnisse nicht mehr», findet er. «In Zeiten, in denen der Bund seinen Gürtel enger schnallen muss, sendet der Bundesrat hier ein völlig falsches Signal aus.»

Parlament macht Druck

Der Berner Nationalrat hat vergangenes Jahr im Parlament einen Vorstoss eingereicht, in dem er «marktgerechtere» Löhne für die Bundesangestellten fordert. «Da die Löhne der Staatsangestellten aus Steuermitteln finanziert werden, ist es aus Gründen der Fairness und Angemessenheit geboten, dass die Löhne der Bundesverwaltung nicht stärker steigen als jene in der Privatwirtschaft», argumentiert er.

Die Forderung stösst im Parlament auf viel Zuspruch. 39 Nationalrätinnen und Nationalräte von GLP, Mitte, FDP und SVP haben den Vorstoss mitunterzeichnet. Kommende Woche wird der Nationalrat darüber abstimmen.

Was heisst «marktgerecht»?

Der Bundesrat empfiehlt den Vorstoss Grossens zur Annahme. Allerdings versteht er unter marktgerechteren Löhnen offensichtlich etwas ganz anderes als der GLP-Präsident: Aus seiner Sicht hat er mit der jetzigen Anpassung des Systems seine Pflicht getan.

Grossen hingegen ist der Überzeugung, dass die vom Bundesrat nun beschlossene «Optimierung» seinem Anliegen nur noch mehr Auftrieb gibt.

Die vom Bundesrat beschlossenen Änderungen werden sich 2027 erstmals in den Lohnabrechnungen des Personals niederschlagen. Laut Bund müssen die Angestellten keine grossen Lohneinbussen befürchten. Über die ganze Karriere gesehen soll die Lohnsumme etwa gleich bleiben. Weil die Lohnkurven neu aber weniger steil sind und nicht alle bleiben, bis sie ihr Lohnmaximum erreichen, rechnet der Bund langfristig mit etwas weniger hohen Lohnkosten.