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Feldpost (Teil 11)

Weil der «hässige Wachtmeister» unseren Mutz-Streich nicht so lustig fand, droht uns jetzt Ungemach

Eliah Brunner, 19, schloss eben die Kantonsschule ab, nun hat für ihn in der Durchdiener-Rekrutenschule ein neuer Lebensabschnitt begonnen. In unserer Serie «Feldpost» schreibt er über seine Erlebnisse. In der elften Woche geschah etwas, das nicht alle witzig fanden.

Diese Woche war voller Action: Zum einen war ich für zwei Tage Küchenlogistiker und habe gemerkt, was unsere Kameraden jeden Tag leisten. Aufgrund von Kursen und Jokertagen waren wir diese Woche unterbesetzt, weshalb ich das Essen fürs Feld herausgab und Lieferungen entgegennahm.

Zum anderen kam ich mir vor, als wäre ich wieder in der Primarschule. Als meine Freunde und ich damals «Seich» machten, mussten wir vor die Tür oder nachsitzen. Im Militär ist es ähnlich, nur wird der Ausgang gestrichen oder man muss mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Wenn Sie sich jetzt fragen, was der Brunner wieder angestellt hat: Ich kann das erklären!

Bei uns in der Küche gibt es eine jahrelange Tradition. Wenn ein Mutz im Speisesaal oder an der Fassstrasse liegen bleibt, wird er eingefroren. Der Besitzer der Militärmütze kann jederzeit bei uns vorbeikommen und ihn zurückverlangen  – wir stehlen nichts, wir bewahren auf. Wir finden das recht witzig, schliesslich ist die Küche keine Fundgrube. Der Rekrut, dem wir den Eisblock diese Woche gaben, fand das weniger amüsant.

Zufällig anwesend war ein Wachtmeister, mit dem wir schon mehr als einmal Probleme hatten. Wir nennen ihn den «hässigen Wachtmeister». Er ist ausgeflippt und wollte den Namen des Täters. Er ist Romand, deshalb haben wir ihn leider nicht verstanden. Ein Bilingue aus der Fassmannschaft hat für uns übersetzt, und so gaben wir dem Wachtmeister eine Liste mit den Namen des gesamten Küchenteams. Während des Frühstücks kam dann ein Oberleutnant, der stellvertretende Kadi. Wir erklärten ihm, was passiert ist. Er fand’s ebenfalls nicht lustig und meinte, vielleicht kommen Konsequenzen auf uns zu.

Später haben wir erfahren, dass unsere Vorgesetzten eine Disziplinarstrafe in Betracht ziehen. Dazu gehören Geldbussen und kurze Haftstrafen. Falls Sie nächste Woche nichts von mir hören, wissen Sie, warum.