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Bandenkrieg

Wegen «eskalierender Gewalt»: Berner Reitschule braucht eine Verschnaufpause

Auf Instagram hat die Reitschule bekannt gegeben, dass sie bis und mit 21. Januar geschlossen bleibt. In einer Mitteilung begründet das Team diesen Entscheid mit einer Gewalteskalation infolge «repressiver Asylpolitik» und einer «gescheiterten Drogenpolitik».
Probleme wegen Gewalt in und um die Berner Reitschule gibt es seit eh und je – so auch 2013, als die Stadtregierung vertragliche Sanktionen prüfte.
Bild: Peter Klaunzer / Keystone (20.12.2013)

«Wir sind nicht bereit, weitere Gewalteskalationen zuzulassen oder die Sicherheit von uns und unseren Besuchenden zu gefährden.» So erklärt das Team der Berner Reitschule am Dienstagnachmittag auf seinem Instagram-Account die temporäre Schliessung bis und mit 21. Januar. In den vergangenen Wochen seien gewalttätige Vorfälle um und im umstrittenen Kulturzentrum massiv eskaliert. Offiziell bekannt ist, dass zuletzt am 29. Dezember ein Mann auf der Schützenmatte schwer verletzt worden ist.

Die temporäre Schliessung soll den Betreiberinnen und Betreibern eine Verschnaufpause ermöglichen, in welcher «Ressourcen und Energie gebündelt» sowie «Perspektiven für die kommende Wiederaufnahme des Gastro- und Kulturbetriebs» geschaffen werden sollen.

Zur temporären Schliessung der Reitschule kommt es immer wieder. Den jetzigen Schliessungsgrund der ausgerufenen Gewaltzunahme sieht das Reitschul-Team in den «gesellschaftlichen Widersprüchen der herrschenden Politik». Es nennt eine «repressive Asylpolitik», eine «gescheiterte Drogenpolitik» und den «systematischen Abbau sozialer Infrastruktur» als Grund für eine «unhaltbare Situation». Diese zeige sich konkret in Drogenhandel, Bandenkrieg, Perspektivlosigkeit sowie psychischem und sozialem Elend.

Kantonspolizei steht vor einer Blackbox

Wie sieht die Kantonspolizei Bern die Gewaltsituation auf der Schützenmatte? Auf Anfrage informiert sie, dass sie in letzter Zeit pro Monat rund fünf Gewaltvorfälle im Zusammenhang mit der Reitschule registriert hat. Sie gehe jedoch von einer Dunkelziffer aus, da ihr nicht alle Vorfälle gemeldet würden. Sie schreibt: «Da die Reitschule keinen Austausch mit der Kantonspolizei Bern wünscht, ist es für uns schwierig, die Situation innerhalb der Reitschule zu beurteilen.»

Über die Vorwürfe, welche die politische Situation oder Entscheide betreffen, äussert sich die Polizei prinzipiell nicht. Ein Austausch und eine Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich wären jedoch von ihrer Seite aus wünschenswert. Derzeit deutet aber nichts darauf hin, dass die zweiwöchige Verschnaufpause zu einer Annäherung führen könnte.

Die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit will am Mittwoch zur temporären Schliessung der Reitschule Stellung nehmen.