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Sonntagspresse

Was machen Röstis Beamte im Wellnesshotel und warum gibt es Steuergeld für Podcasts, die niemand hört?

Wellnesshotel statt Büro: Kaderleute des Bundesamts für Strassen sorgen mit einem Seminar für Stirnrunzeln. Ebenso die Kosten der Bundesverwaltung für Podcasts, die kaum Anklang finden. Und auch der Lohn, den Post-Chef Roberto Cirillo auch nach seinem Angang noch kassiert, kommt nicht gut an.

Verstiessen Kaderleute des Bundesamts für Strassen (Astra) gegen das Reglement? Dem SonntagsBlick liegen laut eigenen Angaben interne Dokumente vor, die die heiklen Trips von Albert Röstis Beamten belegen.

Da dürfte der Chef keine Freude dran haben: Beamte von Albert Rösti rechneten ihren Aufenthalt im Wellnesshotel über Spesen ab.
Bild: Georgios Kefalas / KEYSTONE

Die Chefin der internen Revision des Astra und ihre Stellvertreterin sollen Ende August 2024 für ein Onlineseminar drei Nächte in einem 4-Sterne-Hotel in Leukerbad VS verbracht haben. Die Kosten von 1190 Franken rechneten sie über Spesen ab. Eine Woche später dasselbe. Diesmal in Thun. Kosten: 275 Franken pro Person für je eine Nacht. Dabei hätte das Ganze laut dem SonntagsBlick auch problemlos im Büro oder sogar im Homeoffice durchgeführt werden können.

Der Rückzug «förderte und stärkte» aber die Zusammenarbeit, sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Doch Hotelübernachtungen in Thun verstossen laut SonntagsBlick gegen das Reglement des Astra. Dieses schreibt bei Dienstreisen in der Schweiz vor: «Für auswärtiges Übernachten mit Frühstück werden die tatsächlichen Auslagen im Rahmen einer Mittelklasseunterkunft vergütet.» Der Höchstbetrag liege bei maximal 250 Franken pro Übernachtung.

Bundesverwaltung: Steuergeld für Podcasts, die niemand hört

Podcasts erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit – doch nicht alle finden Anklang.
Bild: Symbolbild: Eveline Bachmann

Rund eine Million Franken hat die Bundesverwaltung in den letzten Jahren für die Produktion von Podcasts ausgegeben. Gehört würden diese aber kaum, wie die NZZ am Sonntag berichtet. Einzelne Episoden wurden insgesamt nur zwanzigmal angehört. Besonders teuer war mit rund 300'000 Franken ein Audioformat des Aussendepartements das nur 300 Hörer pro Folge erreicht.

In einigen der Formate interviewen Pressesprecher ihre eigenen Amtschefs, in anderen stellen Bundesangestellte ihre Behörden äusserst positiv dar. Die Ausgaben für diesen PR-Trend, mit dem blasse Informationen spannender gemacht werden sollen, stiegen in den letzten Jahren auf über 110 Millionen Franken. Auf Kosten der Steuerzahler.

Schweizer Firmen setzen weiterhin auf «woke» Inklusion

Die US-Regierung von Donald Trump hat die Bundesbehörden angewiesen, alle Büros und Stellen für Diversität und Inklusion zu schliessen.
Bild: Keystone

Donald Trumps Politik stampft in den USA DEI-Programme ein. Firmen wie McDonald’s, Ford und Meta streichen ihre Ziele für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion. Mark Zuckerberg plant, bei Meta den Fokus mehr auf «männliche Energie» zu legen. Obwohl der politische Druck wächst, bleiben Schweizer Unternehmen der Inklusion treu – denn sie bietet Vorteile betreffend Bindung von Talenten und Zufriedenheit der Mitarbeitenden.

Schweizer Firmen könnten es sich nicht leisten, auf diese Initiativen zu verzichten, besonders angesichts des Fachkräftemangels, berichtet die SonntagsZeitung. Fachleute betonen die wirtschaftliche Bedeutung der Inklusion. Zudem wird erwartet, dass Firmen in Zukunft noch mehr Inklusionsmassnahmen umsetzen werden, um neue Talente anzuziehen.

Kritik an Markus Ritters Kandidatur als Bundesrat

Markus Ritters Bewerbung als Bundesrat kommt nicht bei allen gut an.
Bild: Niklas Thalmann

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, will Bundesrat werden. Mit ihm wären dann die bauernnahen Vertreter in der Mehrheit. Verträgt der Bundesrat das? «Es braucht nicht noch einen Landwirtschaftslobbyisten mehr im Bundesrat», kritisiert SP-Nationalrat Hasan Candan. Auch GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy findet: «Ein weiterer Mann dieser bereits sehr gut vertretenen Branche widerspricht für mich dem Konkordanzgedanken.» Männer und Bauern wären so in der Landesregierung «krass» übervertreten.

Anders sieht das der SVP-Präsident und Landwirt Marcel Dettling. Er fände es kein Problem, wenn die Bauern die Macht im Bundesrat übernähmen: «Im Gegensatz zu den Juristen arbeiten die Bauern tagtäglich hart auf dem Feld und sorgen für das Essen auf unseren Tellern.» Auch SVP-Bundesrat und Landwirtschaftsminister Guy Parmelin hat kein Problem mit einem weiteren Bauern im Gremium: «Wenn das Parlament regelmässig Personen mit einem landwirtschaftlichen Hintergrund in die Regierung wählt, spricht das doch für diese Ausbildung», so der Bundesrat im Interview mit der «NZZ am Sonntag» .

Post-Chef Roberto Cirillo kassiert 300'000 Franken fürs Nichtstun

Nach seinem Abgang hat Roberto Cirillo zwar keine CEO-Verantwortungen mehr, bekommt aber immer noch den vollen CEO-Lohn.
Bild: Peter Schneider / KEYSTONE

Wie vergangene Woche bekannt wurde, gibt Roberto Cirillo den CEO-Posten bei der Schweizerischen Post nach sechs Jahren ab. Sein Arbeitsvertrag läuft allerdings noch bis Ende Juli und bis dahin erhält er seinen vollen Lohn. Das zeigen Recherchen von SonntagsBlick. Bei einem Jahreslohn von rund 1 Million Franken (inklusive Pensionskassenbeiträge) macht das monatlich rund 83'000 Franken. Bis Ende Juli sind das mehr als 300'000 Franken. Fürs Nichtstun. Die Post will die Beträge nicht kommentieren, bestätigt aber den Sachverhalt. Verwaltungsratspräsident Christian Levrat steht ebenfalls hinter dem Vorgehen. (zen)