Hohes Venn

Feuerwalze im Naturschutzgebiet: Waldbrand in Belgien bedroht deutsche Grenzstadt

Innerhalb von 48 Stunden breitete sich ein Feuer im Naturschutzgebiet «Hohes Venn» zum grössten Waldbrand in Belgien seit über 100 Jahren aus. Die Feuerwehrleute kämpfen im Hochmoor unter erschwerten Bedingungen.
Feuersbrunst im Anmarsch: Blick von Monschau auf die belgische Seite, wo das Hohe Venn in Flammen steht.
Bild: Thomas Banneyer/DPA

Rot glüht der Himmel oberhalb Monschau. Beissender Rauch hängt in der Luft. Nur 300 Meter fehlen noch, bis das Feuer die ersten Häuser der zur deutschen Kleinstadt zählenden Weiler Ruizhof und Gesberg erreicht. 30 Bewohner müssen kurzfristig evakuiert werden. Das war am Sonntagabend.

Bild: jga

Am Montagmorgen hatte sich die Situation zumindest teilweise entspannt. Zu verdanken war es dem lang ersehnten Regen, der in den frühen Morgenstunden einsetzte. Viel war es nicht, nur rund 4 Millimeter pro Quadratmeter. Aber genug, um die aus dem nahen Belgien herankommende Feuerwalze abzubremsen. Die rund 600 Einsatzkräfte, die seit vier Tagen unermüdlich gegen die Flammen kämpfen, erhalten eine Verschnaufpause.

Grösste Herausforderung für die Feuerwehrleute: Das unwegsame Gelände.
Bild: Valentin Bianchi/AP

Fläche von 4000 Fussballfeldern verbrannt

Seit Freitagnachmittag tobt der Waldbrand in den Hautes Fagnes (zu Deutsch: Hohes Venn). Das Naturschutzgebiet liegt im äussersten Osten Belgiens direkt an der Grenze zu Deutschland auf einem Plateau zwischen der Stadt Eupen, dem bekannten Kurort Spa und dem deutschen Monschau (französisch Montjoie). Es besteht zu weiten Teilen aus Torfmoor und Tannenwäldern und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Innerhalb von nur 48 Stunden breitete sich der Brand über 3000 Hektaren aus. Das entspricht einer Fläche von rund 4000 Fussballfeldern. Nur beim grossen Brand 1911, wo gegen 3900 Hektaren im Hohen Venn verbrannten, war es noch schlimmer. Damals dauerte das Feuer aber keine drei Tage, sondern zwei Monate.

Waldbrände sind in Belgien eigentlich selten. Normalerweise ist das Land eher für sein regnerisches Klima bekannt. Der Dürresommer 2026 hat aber auch hier für eine grosse Trockenheit gesorgt. Von Anfang Juli bis Mitte August fielen im Hohen Venn nur 18 Millimeter Niederschlag. Das sind weniger als zehn Prozent der üblichen 200 Millimeter Regenmenge für diese Zeit.

Im Torfboden können Glutnester Tage wenn nicht Wochen überdauern.
Bild: Valentin Bianchi

Im Torf können Glutnester wochenlang überdauern

Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. Das Hohe Venn ist nur teilweise und oft mit Naturstrassen erschlossen. Manche Bereiche im Moor können nur aus der Luft erreicht werden. Dazu kamen vor allem am Sonntag wechselnde Winde, welche das Feuer unberechenbar machten.

Speziell sind die Gegebenheiten in der Torflandschaft: Zuerst breitet sich das Feuer über die Gräser und Gestrüppe mit grosser Geschwindigkeit aus. Dann frisst es sich in den ausgetrockneten Torf, wo es Tage, wenn nicht wochenlang, in Glutnestern überdauern kann.

Um den Brand in den Griff zu bekommen, hat die Regierung in Brüssel den europäischen Krisenmechanismus aktiviert. Schweden, Deutschland, Norwegen und die Niederlande sandten Löschflugzeuge und Helikopter, unter anderem zwei Hubschrauber vom Typ Chinook, die mit ihren Wassersäcken pro Ladung je 6000 Liter abwerfen können. Etliche Bauern aus der Umgebung fuhren mit ihren zu Löschwagen umfunktionierten Güllewagen herbei.

Bauern eilen zu Hilfe: Alles wird mobilisiert, was spritzen kann.
Bild: Valentin Bianchi

Weshalb das Feuer ausgebrochen ist, ist Gegenstand der Ermittlungen. Laut Innenminister Quintin steht eine menschliche Ursache wie «in neun von zehn Waldbränden» im Vordergrund. Das gilt auch für den Waldbrand im nahe gelegenen Hürtgenwald auf deutscher Seite, der laut dem nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul von «irgendeinem Idioten»  durch achtloses Verhalten ebenfalls Ende der vergangenen Woche ausgelöst wurde. Nach einem tagelangen Grosseinsatz ist das Feuer dort mittlerweile unter Kontrolle.

Auch im Schwarzwald brennt es

Im belgischen Hohen Venn kann das noch nicht behauptet werden. Man hofft unter anderem auf die angekündigten Niederschläge für Dienstagmorgen. Insgesamt werden bis Ende der Woche rund 25 Millimeter pro Quadratmeter erwartet.

Flammen lodern seit Sonntagabend auch im Schwarzwald. Bei Schramberg im Landkreis Rottweil steht ein rund zehn Hektar grosses Waldstück in Flammen. Es liegt an einem steilen Hang und kann von der Feuerwehr wegen des unwegsamen Geländes nur schwer bekämpft werden. Zwar hat der Regen auch hier Erleichterung gebracht. Aber gelöscht ist der Brand nicht. Von Schramberg sind es rund 65 Kilometer Luftlinie zur Schweizer Grenze.

Ein Chinook Helikopter der niederländischen Armee im Löscheinsatz in Belgien.
Bild: Valentin Bianchi

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema: