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Kommentar

Von Stans nach Basel: Weshalb man an der Fussball-Euro der Frauen einfach dabei sein muss

Die Euro 25 hat Pioniercharakter. Über 600'000 Tickets wurden verkauft, so viele, wie noch nie. Die Schweizerinnen spielen temporeich vertikal – und das Publikum sorgt für eine fröhlich-elektrisierende Stimmung.
Über 50 Prozent der Zuschauenden sind Frauen. Sie wollen den Erfolg der Euro 2025 herbeisingen.
Bild: Keystone

Am Tag vor dem Eröffnungsspiel, bei der Einweihung der Fanzone in Bern, kommt eine ältere Frau auf mich zu. «Hier muss man einfach dabei sein, nicht wahr», sagt sie. Es ist eine rhetorische Frage, denn es ist klar, was sie meint. Einerseits die Leiden der Frauen in der Vergangenheit: Offiziell durften sie erst ab 1970 Fussball spielen, ein Jahr, bevor sie endlich das Stimmrecht erhielten. Andererseits die Genugtuung der Gegenwart – mit der Frauen-Euro 2025.

Die Leiden der Vergangenheit habe ich als Fussballer des FC Stans mitbekommen. In Stans spielte ab 1980 jenes Frauenteam, das mit dem DFC Alpnach 1975 den fünften Schweizer-Meister-Titel holte. Den Alpnachern war der Frauenfussball nämlich ein Dorn im Auge. Sie mobbten die Frauen weg: Sie stellten in der Dusche das Warmwasser ab. Und als die Frauen gegen eine schwedische Mannschaft spielen wollten, lochten sie das Feld auf, bis es unbespielbar war.

Helen Barmettler, 26-fache Nationalspielerin aus Stans, sagt in einem Video, die Männer seien wohl neidisch gewesen. Barmettler ist eine Pionierin des Frauenfussballs mit Durchsetzungskraft. Sie konnte damals ohne Krafttraining aus 30 Metern ein Tor schiessen, weil sie jeweils 100 Liter Milch eine steile Strasse hochziehen musste. Ich habe sie immer still bewundert.

Pia Sundhage, die Trainerin der Schweizerinnen von heute, ist die zweite Pionierin, die ich still bewundere. Die Schwedin ist eine Trainerin der Weltklasse – mit Ruhe, Klarheit und grossem fachlichen Know-how. Sie ist für mich das Gesicht dieser Euro 2025, die Pioniercharakter hat. Es wurden 600’000 Tickets abgesetzt, so viele wie nie zuvor.

Fröhlich und elektrisierend

Am Eröffnungsspiel in Basel begeisterten die Schweizerinnen gegen Norwegen 45 Minuten lang mit technisch anspruchsvollem vertikalen Tempofussball, führten 1:0, bevor Favorit Norwegen zurückkam und 2:1 siegte. 34’043 Fans, mehr als die Hälfte Frauen, sorgten für eine fröhlich-elektrisierende Stimmung. Die Mitmach-Quote war so hoch wie kaum je bei einem Schweizer Spiel: Jede Zuschauerin wollte den Erfolg der Euro 2025 herbeisingen.

Von Helen Barmettler zu Pia Sundhage, von Stans nach Basel: Die Euro zeigt, dass der Frauenfussball mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Da muss man dabei sein.