
Am Donnerstag kam es am Bahnhof Winterthur zu einem Messerangriff. Ein schweizerisch-türkischer Doppelbürger stach wahllos auf Passanten ein – drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer.
Beim mutmasslichen Täter, der kurz darauf gefasst wurde, handelt es sich um einen 31-Jährigen mit Verbindungen zur Winterthurer Islamisten-Szene. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) sprach von einem «Terrorakt». Damit ist der Vater des Verdächtigen nicht einverstanden. Sein Sohn sei kein Terrorist, sagt er gegenüber dem Blick.
Der Vater bestätigt, dass der Verdächtige die An'Nur-Moschee besucht habe und dort, wie seine zwei anderen Söhne, radikalisiert worden sei. Dies, obwohl er die Kinder schon früh vor deren Inhalten gewarnt habe. «Ich fand die Predigten etwas schwierig», sagt er dem «Blick». Denn diese würden nicht mit seinen Vorstellungen des Islams übereinstimmen. «Muslim sein heisst, ein guter Mensch zu sein», sagt der Vater.

Weiter führt er aber aus, dass der Verdächtige viele andere Probleme habe. So habe er es in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu seinen Brüdern nicht geschafft, wieder auf die Beine zu kommen. Er habe keine Freunde und keine Partnerin, er lebe ein zurückgezogenes Leben. «Das kann nicht gut kommen. Das ist nicht gut für die Psyche», sagt er.
Schon früher «wirre Äusserungen» getätigt
Die psychischen Probleme des mutmasslichen Täters gehen laut dem Vater schon länger zurück. Schon seit Jahren habe er «wirre Äusserungen» getätigt und sich «auffällig» verhalten. Die Familie habe deshalb regelmässig versucht, psychologische Hilfe zu bekommen. Schliesslich sei der Sohn in die Türkei gezogen. Doch auch dort habe sich seine Lage nicht verbessert. Er habe sich dort viel gestritten, sagt der Vater, der momentan selbst in der Türkei ist.
Erst im vergangenen Sommer kehrte der mutmassliche Täter von Winterthur in die Schweiz zurück. Aus eigener Sicherheit, sagt der Vater dem «Blick». In den letzten Tagen habe sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Schliesslich habe dieser die Polizei von sich aus gerufen und sei in eine Klinik gebracht worden. «Ich habe mich gefreut», so der Vater. So habe er gehofft, dass seinem Sohn geholfen werden könne.
Der Aufenthalt in der Klinik sei aber nicht von Dauer gewesen. Am Dienstag habe der Verdächtige diese erstmals verlassen. Er habe Angst vor den Behandlungen gehabt, so sein Vater. In der Folge habe er probiert, diesem ins Gewissen zu reden. «Ich meinte: Nimm deine Tabletten, iss gut, mach Sport. Sieh es wie einen Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel an – für deine eigene Gesundheit!», so der Vater.
Kurz darauf wurde der Mann wieder von der Polizei aufgespürt und zurück in die Klinik gebracht. Am Mittwoch, am Tag vor der Tat in Winterthur, verliess er diese aber bereits wieder. Ein Arzt habe ihm dies erlaubt, so der Vater. «Diesen Entscheid kann ich nicht nachvollziehen», sagt er.
Wie es schliesslich zur Tat kam, wisse er nicht, so der Vater. Er habe durch Medien sowie Bekannte der Familie davon erfahren. Den Opfern bekundet er sein Beileid. «Ich hoffe, alle werden gesund», sagt er. Dies gelte sowohl für die Verletzten im Spital als auch für seinen Sohn. (watson.ch/dab)


