Am Mittwoch gibt es für den US-Präsidenten Donald Trump ein Zwischenzeugnis: Am 3. November entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten über die Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und Senat. In beiden Kammern des Kongresses sind die Republikaner aktuell in der Mehrzahl, was Trump einen grossen Handlungsspielraum ermöglicht.
US-Demokraten hoffen nun auf den Umsturz – auch solche, die in der Schweiz leben: «Wir sind zuversichtlich», sagt etwa Elizabeth Voss vom Vorstand der US-Demokraten in der Schweiz. «Noch Anfang dieses Jahres hielten wir die Ausgangslage im Senat für zu ungünstig für die Demokraten, um eine Rückeroberung dieser Kammer im 2026 überhaupt in Betracht zu ziehen.»
In den vergangenen Wochen hätten sie aber auch hierzulande eine recht breit angelegte Mobilisierungskampagne durchgeführt, «darunter bezahlte Werbung in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Basel und Genf sowie Plakate und Werbetafeln in Zürich, ergänzt durch SMS- und Telefonaktionen sowie Postkarten an die Wähler», sagt Voss. Das schlage sich in den Zahlen zur Wählerregistrierung nieder.
Wie aber schätzen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik die Folgen der Midterm-Wahlen für die Schweiz ein?
Rahul Sahgal, CEO schweizerisch-amerikanischen Handelskammer
«Die Midterms haben Auswirkungen auf die Schweiz. Die Mehrheiten beeinflussen Steuer-, Ausgaben- und Regulierungspolitik – und damit die Rahmenbedingungen für Schweizer Unternehmen mit US-Geschäft. Verteidigen die Republikaner wider Erwarten beide Kammern, wird sich Präsident Trump bestärkt fühlen, seine Wirtschaftsagenda voranzutreiben.
Wahrscheinlicher ist, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit erringen. Bei einem geteilten Kongress wird die Gesetzgebung schwieriger und es ist mit mehr politischen Blockaden oder gar einem Government Shutdown zu rechnen, mit erschwerten Kontakten zu den US-Behörden. Gewinnen die Demokraten beide Kammern, ist mit einer starken politischen Kontrolle und Untersuchungen zu rechnen. Je grösser die politischen Konflikte und die Instabilität, desto eher das Risiko, einer Flucht in den Franken, zum Nachteil der Schweizer Exportwirtschaft. Bei Zöllen bliebe die Regierung vorerst ohnehin handlungsfähig.»
Thomas Borer, Ex-Diplomat
«Ich erwarte eine Blockade: Die Republikaner dürften das Repräsentantenhaus verlieren, aber die Mehrheit im Senat behalten. In der Vergangenheit haben die Börsen auf dieses Szenario positiv reagiert, weil keine Seite rasche Massnahmen umsetzen kann. Für den Präsidenten bedeutet dies, dass er sich noch stärker über Sicherheits- und Aussenpolitik zu profilieren versucht.
So war es schon bei Clinton oder Obama. Dass Donald Trump dann plötzlich zu einer Freihandelspolitik zurückkehrt, ist sicher eine Illusion: Vielmehr haben auch linke Demokraten Gefallen an seinen Zöllen gefunden. Als Trumps Sohn in Zürich war, habe ich mich auch dazu mit ihm unterhalten: Mein Eindruck hat sich da verfestigt.»
Franz Grüter, SVP-Nationalrat
«Ich war erst kürzlich wieder in den USA und habe dort deutlich gespürt, dass die Republikanische Partei stark an Rückhalt verloren hat. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Republikaner nach den Midterms ihre Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus verlieren werden. Für Präsident Trump wird das Regieren damit schwieriger, manche Vorhaben dürften im Kongress ins Stocken geraten.
An der grundsätzlichen Ausrichtung der amerikanischen Politik wird sich aber kaum etwas ändern. Protektionistische Tendenzen gibt es in beiden Parteien, und die Handelspolitik liegt weitgehend in der Hand des Präsidenten. Für die Schweiz und die Schweizer Wirtschaft erwarte ich deshalb keine grundsätzlichen Veränderungen. Die USA bleiben einer unserer wichtigsten Handelspartner und der bedeutendste Standort für Schweizer Direktinvestitionen. Entscheidend ist, dass die Schweiz ihre Interessen in Washington weiterhin selbstbewusst, pragmatisch und auf direktem Weg vertritt.»
Greta Gysin, Fraktionspräsidentin der Grünen
«Ich hoffe auf eine Stärkung der Demokraten und damit auf ein Gegengewicht zur Politik von Donald Trump. Denn es steht weit mehr auf dem Spiel als die amerikanische Innenpolitik: Trump stellt demokratische Institutionen infrage, schwächt die internationale Zusammenarbeit und torpediert den globalen Klimaschutz.
Für ein kleines, exportorientiertes Land wie die Schweiz ist eine regelbasierte internationale Ordnung zentral. Wir sind auf verlässliche Partnerschaften, internationale Institutionen und einen funktionierenden Multilateralismus angewiesen, nicht auf eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt und Handelsbeziehungen zum politischen Druckmittel werden.
Ein demokratischer Wahlerfolg würde Trumps Kurs nicht unmittelbar ändern, könnte ihm aber Grenzen setzen. Die Schweiz muss sich unabhängig vom Wahlausgang konsequent für Demokratie, Klimaschutz und Multilateralismus einsetzen.»
Monika Rühl, Direktorin Economiesuisse
«Wir rechnen nicht damit, dass der US-Wahlgang einen wesentlichen Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft haben wird, dass sich also wesentliche Veränderungen ergeben werden. Die Aussen- und Aussenwirtschaftspolitik ist in den Händen von Präsident Donald Trump. Die zentrale Herausforderung für die Schweizer Unternehmen bleibt die Unsicherheit im internationalen Handel und der Zollpolitik.
Die Schweizer Unternehmen brauchen möglichst verlässliche Rahmenbedingungen im wichtigen US-Markt. Die gemeinsame Absichtserklärung der USA und der Schweiz vom November 2025 bildet dabei weiterhin eine gute Basis.»






