USA

«Die Chancen standen noch nie so gut»: Gewinnen die US-Demokraten auch im Senat?

Bei den Zwischenwahlen im November gehen Beobachter von einem Triumph der bisherigen Oppositionspartei aus. Der Schuldige für diese drohende Niederlage ist bereits ausgemacht.

Die Lage für die Republikaner ist düster. Weniger als fünf Wochen vor den nächsten Kongresswahlen in den USA prognostizieren Umfrageinstitute und Analysten eine Schlappe für die Partei von Donald Trump. Uneinig sind sich die Experten bloss noch in der Frage, ob die Republikaner nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat die bisherige Mehrheit verlieren wird. Und ob die «blaue Welle», also der vorhergesagte Erdrutschsieg der Demokraten, historische Ausmasse annehmen könnte.

Der Reihe nach: Im Repräsentantenhaus, der grossen Kammer des Kongresses, stehen am 3. November sämtliche 435 Sitze zur Wahl. Die Umfragewerte für die Demokraten sind aktuell «sehr solide», wie es der altgediente Wahlanalyst Nate Silver kürzlich formulierte. Landesweit hat die Oppositionspartei demnach einen Vorsprung von 9 bis 10 Prozentpunkten auf die Republikaner.

Trump hat seine Wahlversprechen nicht erfüllt

Nun handelt es sich bei der Wahl fürs Repräsentantenhaus nicht um eine nationale Ausmarchung. Gewählt wird vielmehr in 435 Wahlkreisen, die von Demokraten und Republikanern zugeschnitten wurden, damit ihre Kandidaten auch dann weitermachen können, wenn die Wähler ihnen einen Nasenstüber versetzen.

Aber selbst in konservativen Landesteilen stöhnen die Amerikanerinnen und Amerikaner über hohe Lebensmittelpreise und steigende Treibstoffpreise. Ehemalige Unterstützer von Trump sind wütend über ihn, weil er seine zentralen wirtschaftspolitischen Wahlversprechen nicht erfüllt und in Nahost einen neuen, unpopulären Krieg vom Zaun gebrochen hat. Die Zustimmungswerte für den Präsidenten sind unter die 40-Prozent-Marke gefallen. Und viele Trump-Wähler werden am 3. November zu Hause bleiben — auch wenn der Präsident mit aller Macht versucht, sie an die Urne zu locken.

Konkret: Gemäss der Modellrechnung von Nate Silver auf seiner Plattform «Silver Bulletin» werden die Demokraten ab dem kommenden Jahr 238 der 435 Sitze im Repräsentantenhaus stellen. Die Republikaner fallen auf 197 Sitze zurück, was einem Minus von 23 Sitzen im Vergleich zur letzten Wahl im Jahr 2024 gleichkommt. Andere Prognosemodelle fallen zurückhaltender aus. Aber der Trend deutet auf eine Machtübernahme der Demokraten hin.

Kann ein Demokrat auch in Iowa gewinnen?

Offener scheint das Rennen im Senat zu sein, der kleinen Kammer des Kongresses. Hier stehen 35 der 100 Sitze zur Wahl, wobei die Republikaner 22 Mandate verteidigen müssen — die meisten davon in Staaten, in denen Trump 2024 die Präsidentschaftswahl mit einem grossen Vorsprung gewann.

Auch hier deutet sich ein Sieg der bisherigen Minderheitspartei an. «Die Chancen der Demokraten, den Senat zu erobern, standen noch nie so gut», sagt der Wahlforscher Lakshya Jain («The Argument»). Er begründet dies nicht nur mit der Unbeliebtheit des Präsidenten. Vielmehr seien die Wähler der Demokraten motivierter, bei den Zwischenwahlen ihre Stimme abzugeben — selbst wenn sie nicht begeistert über das Bild sind, das die Partei abgibt.

Jain prognostiziert deshalb, dass die Demokraten im Senat künftig 52 der 100 Sitze stellen werden, ein Plus von 5 Mandaten. Auch Nate Silver geht von einem klaren Erfolg der Minderheitspartei aus. Nicht nur würden sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten den Besitzstand der Demokraten verteidigen, Silver rechnet derzeit damit, dass es sechs Oppositionskandidaten gelingen wird, einen bisher von Republikanern gehaltenen Senatssitz zu gewinnen: Mary Peltola in Alaska, Josh Turek in Iowa, Troy Jackson in Maine, Roy Cooper in North Carolina, Sherrod Brown in Ohio und James Talarico in Texas.

Ein solcher Wahlausgang käme einer Sensation gleich. Und erfahrene Politbeobachter setzen grosse Fragezeichen hinter diese Vorhersage. So gewann in Iowa letztmals im Jahr 2008 ein Demokrat eine Senatswahl. Aber es stimmt eben auch, dass die Republikaner hohe Geldsummen in Staaten investieren, in denen sie normalerweise nicht grossflächig Wahlwerbung schalten müssen. Ken Paxton, der Kandidat der Republikaner in Texas, sagte jüngst an einer Spendengala: Die Umfragewerte für seine Partei seien «nicht gut». Und dafür sei Trump verantwortlich.

Politiker, die sich auf der Erfolgsspur befinden, klingen anders.