Bis m Juli dieses Jahres war Hugues Abriel Vizerektor für Forschung und Innovation an der Uni Bern. Der Professor für Biochemie und Molekulare Medizin kam in dieser Funktion weit in der Welt herum, er besuchte auch afrikanische Hochschulen, etwa in Dakar oder Kinshasa. Eine der Fragen, die ihn umtrieben: Wie kann die wissenschaftliche Zusammenarbeit von Schweizer Hochschulen mit Universitäten in Afrika verbessert werden?
Abriel hat einen sehr konkreten Vorschlag: «Helfen Sie uns, Visa zu bekommen, Visa für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler!» Der Professor nennt das Beispiel eines Doktoranden aus der Stadt Uvira in der Demokratischen Republik Kongo, den er unterstützt. Dieser müsse kreuz und quer durch Afrika reisen, um ein Visum für die Schweiz zu erhalten. Und das, obwohl der junge Forscher anerkannte Stipendien gewonnen habe mit seinen Arbeiten. Das sollte «viel einfacher» gehen als heute.
Es bestehen schon enge Kontakte
Professor Abriel platzierte seine Forderung undiplomatisch klar – vor mehreren Dutzend Diplomatinnen und Diplomaten aus der Schweiz und Afrika sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft. Sie alle drängten sich am Montag in den Bänken eines Hörsaals an der Uni Bern, um die Möglichkeiten der Wissenschaftsdiplomatie auszuloten, um die Forschungskooperationen zwischen der Schweiz und Afrika zu vertiefen.
Eingeladen hatten die Uni Bern, die Uni Basel und das Aussendepartement (EDA). Die in Afrika stationierten Schweizer Botschafterinnen und Botschafter waren nahezu alle vor Ort, sie halten sich derzeit für die Botschafterkonferenz in Bern auf. Auch ihre in Bern stationierten afrikanischen Kolleginnen und Kollegen waren gut vertreten.
Mit der «Initiative Afrique» pflegt die Uni Bern Kooperationen in mehreren afrikanischen Staaten Kooperationen. Die Uni Basel tut das mit dem «Leading House Africa» am Tropeninstitut. Das EDA hat sich derweil mit der Afrika-Strategie unter anderem das Ziel gesetzt, «optimale Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Kooperationen» zu schaffen.
Léo Trembley, der Schweizer Botschafter in Kinshasa, betonte in der Diskussion, es gehe darum, zu zeigen, «wie Schweizer Innovation unseren afrikanischen Partnern und ihrer Bevölkerung zugutekommen kann». Umgekehrt liege es auch im Interesse afrikanischer Länder, «die intellektuellen und wissenschaftlichen Fähigkeiten ihrer jungen und wachsenden Bevölkerung sichtbar zu machen.»
«Wir wollen zusammen gestalten»
Wissenschaftsdiplomatie ist demnach keine Entwicklungshilfe. Sie strebt vielmehr gleichberechtigte Partnerschaften an, um das «Wissen als unser wichtigstes gemeinsames Gut», wie mehrmals betont wurde, unter allen Beteiligten auszutauschen und zu teilen.
Am deutlichsten brachte das Kenias Botschafterin in Bern, Fouzia Abass, zum Ausdruck. «Was wir fordern, ist nicht länger: Was kann die Schweiz Afrika bringen oder was kann Afrika der Schweiz bringen?», sagte sie. «Was wir fragen, ist: Wie können wir zusammenarbeiten, um gemeinsam gestalten zu können?»
Eine einfache, aber konkrete Antwort: Afrikanischen Forschenden mit unkomplizierten Visa den Austausch mit der Schweiz erleichtern.


