
Im vergangenen Herbst empfing König Charles III. Donald Trump auf Windsor Castle zum Staatsdinner. In den TV-Bildern war zu sehen, wie der US-Präsident – ebenso wie einige andere Gäste an der langen Tafel – während der Rede des Monarchen mit schweren Augen kämpfte. Wer sich damals dachte: «Davon würde ich gerne eine Stunde am Stück sehen», kommt nun auf seine Kosten.
Am Montagabend hat das Weisse Haus «Trump TV» lanciert. Auf Youtube läuft seither rund um die Uhr ein Programm mit «Top Videos», «wichtigen Anmerkungen» und «Highlights, die man gesehen haben muss», so die Beschreibung.
Der Online-Sender wurde während des Streits zwischen mehreren amerikanischen Medien und der Trump-Regierung ins Leben gerufen. Der Präsident verbannte Vertreter der Sender CNN, MS Now und «Politico» aus dem Weissen Haus.
Bisher hat der Protest-Sender wenig Anklang gefunden. Bei seinem Start hat der Sender gerade mal ein paar Tausend Zuschauerinnen und Zuschauer. Mitte der Woche sind es noch rund 500 Personen.
Wir haben den Sender über mehrere Stunden laufen lassen. Ein Überblick:
Eines muss man eingestehen: Der Sender hält, was der Name verspricht. Unter dem Motto «Donald Trump, Donald Trump und nochmals Donald Trump» werden teils Übertragungen von Gesetzesunterzeichnungen und Wahlkampfauftritten in voller Länge, sowie Pressekonferenzen und Werbespots der Regierung gezeigt.
Seitenhieb gegen Joe Biden
Fast so viel Sendezeit wie Trump selbst erhalten auf «Trump TV» Menschen, die ihn loben. Republikanische Politiker nennen ihn regelmässig den «besten Präsidenten der Geschichte». Die Mutter einer jungen Frau, die von einem kriminellen Migranten umgebracht wurde, fällt Trump weinend in die Arme und bedankt sich für strengere Migrationsgesetze. Ein Kind bedankt sich im Oval Office für ein neues Landwirtschaftsgesetz.
Influencer und Boxer Jake Paul erklärt bei einem Wahlkampfevent, Trump habe ihm beigebracht, zu kämpfen und keine Angst zu haben. Der Präsident zeigt sich geschmeichelt. «Er hat meine vollste Unterstützung», ruft er Paul hinterher und stellt ihm gleich ein politisches Amt in Aussicht. Erst kürzlich hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth die Brüder Jake und Logan Paul eingeladen, vor US-Truppen zu sprechen.
Wurde er noch nicht genug gelobt, bittet der Präsident auch gerne weitere Anwesende, ebenfalls etwas Nettes zu sagen. Die Lobhudelei unterbricht er gelegentlich mit einem Witz. So fordert er beim Vollmilch-Event im Oval Office die damals noch nicht verbannten Journalistinnen und Journalisten auf, einen Schluck Milch aus der Flasche auf seinem Schreibtisch zu probieren. «Sie steht erst seit etwa fünf Tagen dort», sagt er und ergänzt grinsend: «Ihr könnt sie alle aus derselben Flasche auf ex austrinken.»
Zwischendurch streut der Sender kurze Clips ein: patriotisch inszenierte Werbefilme, Trumps «Lektionen fürs Leben» oder seine Osterrede, in der er fast ganz dem Skript folgt. Anders als bei Wahlkampfveranstaltungen. Diese werden jeweils in voller Länge ausgestrahlt. Trump schweift dabei regelmässig vom Teleprompter ab. «Ist es nicht schön, einen Präsidenten zu haben, der keinen Teleprompter braucht?», sagt er. Der Seitenhieb gegen seinen demokratischen Vorgänger Joe Biden wird mit müdem Gelächter quittiert. Zu diesem Zeitpunkt spricht Trump bereits seit über einer Stunde.
Vergleiche mit Nordkorea
Fast schon wie ein Actionfilm wirkt danach ein Auftritt von JD Vance. Der Vizepräsident stellt eine Initiative gegen Betrug vor, beantwortet Fragen der Reporter auch, wenn sie nicht zum Thema passen, knapp, ohne Ausschweifungen und fast ohne Beleidigungen der Presse. Die Videos haben im Übrigen keine Zeitstempel, sodass man das genaue Datum jeweils erraten muss, wenn man das Intro verpasst hat.
Die Medien, die Trump aus dem Weissen Haus verbannt hat, streiten diese Woche vor Gericht mit der Regierung. Sollten sie Recht bekommen, könnten ihre Reporter schon bald wieder Zugang zum Präsidenten erhalten. Wie ungewohnt still seine Auftritte ohne die grossen Medien sind, bekam der Kamera-Fan Trump diese Woche selbst zu spüren: Bei einer Einweihungsfeier war seine Ansprache stellenweise kaum zu verstehen, weil kein grosses Medium ein Mikrofon hinhielt.
Die Lücke, die CNN und Co. hinterlassen haben, kann «Trump TV» wohl nicht füllen. Kritiker vergleichen das Programm unterdessen mit dem Staatsfernsehen autoritärer Regime. Der demokratische Kommentator Dean Withers spottete: «Es ist offiziell: Wir leben in Nordkorea.» Und selbst Trumps ehemalige Pressesprecherin sagte: «Wissen Sie, wer so etwas auch macht? Russland, China und der Iran – um nur einige zu nennen.» Beim YouTube‑Stream wurde die Kommentarfunktion von Anfang an deaktiviert.

