USA

«Katie, hast du das wirklich nötig?»: Trump entlässt seine Sprecherin nach einer Woche bereits wieder

Der amerikanische Präsident verliert das Vertrauen in Katie Zacharia – obwohl er die TV-Kommentatorin doch in Eigenregie zu seinem Sprachrohr ernannte.

Das ist ein neuer Rekord. Fünf Tage nach ihrem Amtsantritt ist Katie Zacharia, die Sprecherin des Weissen Hauses, ihren prestigeträchtigen Job schon wieder los. Die 41-Jährige stolperte über missverständliche Angaben, die sie über ihren Lebenslauf gemacht hatte – und mehrere holprige Medienauftritte. Dabei verlor sie anscheinend das Vertrauen des Präsidenten.

Donald Trump soll am Freitag, kurz bevor die Nachricht von ihrer Demontage bekannt wurde, noch mit Zacharia gesprochen haben. Dabei sagte er: «Katie, hast du das wirklich nötig? Ich glaube nicht, dass du das brauchst.»

Der Präsident hatte erst am vorigen Freitag bekanntgegeben, dass er die TV-Kommentatorin zu seiner neuen Sprecherin ernannt habe. Trump war auf Zacharia aufmerksam geworden, weil sie regelmässig auf seinen Lieblingssendern auftrat und ihn dabei mit Lob überhäufte. Angeblich stimmte sie ihre Auftritte mit dem Tagesprogramm des Präsidenten ab, um sicherzustellen, dass er sie mitverfolgen konnte.

Trump überrumpelte auch seine engsten Berater

Mit dieser Personalie überrumpelte Trump auch seine engsten Berater. So informierte er Stabschefin Susie Wiles nicht darüber, dass er Zacharia zur Nachfolgerin der zurückgetretenen Karoline Leavitt ernennen wolle. Die Kommunikationsverantwortlichen im Weissen Haus hatten deshalb auch keine Zeit, die TV-Kommentatorin auf ihren neuen Job vorzubereiten.

Das rächte sich spätestens am Dienstag, als die neue Sprecherin erstmals öffentlich auftrat. Ihre erste Pressekonferenz im Weissen Haus dauerte nur gerade 14 Minuten, und Zacharia wirkte nervös und verhaspelte sich oft.

Hinzu kamen Fragen zu ihrem Lebenslauf. Die Absolventin der Pepperdine Caruso School of Law in Kalifornien hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als Anwältin präsentiert – obwohl sie in keinem der 50 US-Bundesstaaten die Zulassung besass, als Fürsprecherin zu arbeiten. 2011, nach Abschluss ihres Studiums, habe Zacharia in Kalifornien die Anwaltsprüfung ablegen wollen, sei aber durchgefallen, berichtete am Mittwoch das «Wall Street Journal».

Endgültig aufs Abstellgleis manöverierte sich Zacharia aber erst, als sie den Entscheid fällte, dem republikanischen Hofsender Fox News Channel zwei Interviews zu geben. Zuerst trat sie am Donnerstagabend bei Sean Hannity auf, einem Freund des Präsidenten. Dann folgte am Freitagmorgen ein Gastspiel bei «Fox & Friends», dem Favoriten Trumps im Frühstücksfernsehen.

Und in beiden Sendungen wurde sie überraschend aggressiv in die Zange genommen. So fragte Hannity sie: «Warum haben Sie nicht ganz einfach zugegeben, dass Sie niemals als Anwältin tätig gewesen sind?» Und auf «Fox & Friends» fragte sie ein Moderator: «Glauben Sie, dass Sie immer noch das Vertrauen des Präsidenten geniessen?»

Diese Interviews waren wohl auch ein Test für Zacharia. Trump, für seinen Fernsehkonsum bekannt, wollte herausfinden, wie gut sich seine Sprecherin schlägt, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht. Und als er mit eigenen Augen sah, wie sie sich selbst von verbündeten Medienschaffenden in die Enge treiben liess, da verlor er schon wieder das Interesse an ihr.

Öffentlich sagte Trump dazu am Freitag bloss, dass er wohl freiwillig zurücktreten würde, wenn er Zacharia wäre. «Ehrlich gesagt, wenn ich du wäre, dann würde ich es mir noch einmal überlegen», soll der Präsident seiner Sprecherin gesagt haben. Deutlicher kann es Trump wohl nicht formulieren, wenn er jemand loswerden will.

«Ich empfinde keine Freude am Leiden anderer Menschen»

Mit ihrem Kurz-Gastspiel von fünf Tagen schlug Zacharia auch den Rekord von Anthony Scaramucci. In Trumps erster Amtszeit hatte der Financier elf Tage lang als Kommunikationschef im Weissen Haus gewirkt. Dann musste er zurücktreten. Seither gilt der Name «Ein Scaramucci» in Washington als Masseinheit für ein überraschend kurzes Gastspiel eines Funktionärs oder Politikers.

So richtig erfreut zeigte sich der Namensgeber allerdings am Freitag nicht, dass diese (fiktive) Masseinheit nun in «Ein Zacharia» umgetauft werden könnte. Auf dem Onlinedienst X schrieb er: «Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Aber ich empfinde keine Freude am Leiden anderer Menschen.»

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