
Jetzt nimmt Donald Trump die Generika ins Visier. Nachdem der US-Präsident massiv Druck auf die Hersteller von teuren Originalmedikamenten ausgeübt hat, droht er mit Einfuhrzöllen auf die günstigen Nachahmerpräparate.
Wie der US-Präsident auf seinem Dienst Truth Social ankündigte, soll bis im Sommer 2028 eine Übergangsfrist gelten. Diese gibt den Firmen Zeit, um ihre Produktion in die USA zu verlagern. Nach Ablauf der Frist will Trump einen Zollsatz von 100 Prozent auf Generika erheben, der dann auf 200 Prozent ansteigen werde. Auf welche gesetzliche Grundlage er sich dabei beruft, ist offen.
Die Massnahme ziele darauf ab, «um die Produktion von Generika wieder nach Amerika zurückzuverlagern», schreibt Trump. Unternehmen, die sich entschieden, innerhalb der gesetzten Frist keine Produktion aufzubauen, würden bestraft, so der US-Präsident.
Die Ankündigung des Republikaners kommt für die Branche insofern überraschend, als der US-Präsident bisher bewusst darauf verzichtet hatte, Generika mit Zöllen zu belasten. Diese kommen hauptsächlich aus dem Ausland, sind in den USA mengenmässig weit verbreitet und entlasten das Gesundheitssystem. Mit Zöllen würden diese Produkte teurer und kämen möglicherweise nicht mehr ins Land. Im niedrigmargigen Generika-Geschäft ist es zudem schwieriger, Zölle zu absorbieren.
Sandoz-Chef sieht keine Anreize für US-Produktion
Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, wäre der Basler Generikariese Sandoz direkt betroffen. Er erzielt zwar einen Grossteil seines Umsatzes in Europa. Doch immerhin rund ein Viertel entfällt auf Nordamerika, wobei Sandoz in den USA über keine Produktionsstätte verfügt.
Sandoz-Chef Richard Saynor erklärte in der Vergangenheit gegenüber «Schweiz heute», dass Zölle ihn nicht dazu brächten, in den USA zu investieren. «Unsere Margen sind dort bereits derart niedrig, dass wir keine solchen Investitionen stemmen können. Solange der US-Markt preislich unattraktiv bleibt, gibt es für uns keinen Anreiz, in den USA eine Produktion aufzubauen. Es gäbe für die US-Regierung sinnvollere Hebel als Zölle, um das zu ändern.»
Bleibt Sandoz angesichts des wachsenden Drucks bei diesem Standpunkt? Auf Anfrage bleibt der Konzern vage. Man habe Trumps Ankündigung «zur Kenntnis genommen». Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, die möglichen Auswirkungen zu beurteilen. Das betreffe auch die Frage nach dem Aufbau einer Produktion in den USA.
Ein Sandoz-Sprecher betont, man teile das Ziel, die Bezahlbarkeit von Arzneimitteln zu verbessern und den Zugang zu Medikamenten in den Vereinigten Staaten zu erleichtern. «Generika und Biosimilars leisten bereits heute einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten und tragen dazu bei, den Zugang der Patientinnen und Patienten zu notwendigen Behandlungen sicherzustellen.» Man setze den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern darüber fort, wie diese gemeinsamen Ziele am besten erreicht werden könnten, so der Sprecher.
Marktbeobachter zweifeln derweil daran, dass der erratische Trump die Generika wirklich auf die Zoll-Liste setzen wird. ZKB-Analyst Urban Fritsche schreibt, es sei «sehr unwahrscheinlich, dass je Zölle auf Generika eingeführt werden». Er weist darauf hin, dass solche Abgaben zu erheblichen Lieferengpässen bei lebenswichtigen Medikamenten führen könnten, was sich die USA schlicht nicht leisten könnten. «Weiter sind zwei Jahre eine lange Übergangsfrist mit den Zwischenwahlen in den USA dazwischen und viel Verhandlungszeit.»

