Nahost

Trotz Wahldebakel: Trump rüstet für die nächste Eskalation

JD Vance macht den Irankrieg und die Beziehungen zu Israel für die Niederlage der Republikaner mitverantwortlich. Doch statt eines Kurswechsels zeichnet sich ein neuer Angriff ab.

Nach der krachenden Niederlage der Republikaner bei den Midterms machte Vizepräsident JD Vance neben der Inflation vor allem zwei Themen für die Wahlschlappe verantwortlich: den Irankrieg und die Beziehungen der USA zu Israel.

Nun ist diese Haltung zu Israel und zum Iran-Krieg nichts Neues: Erst im September erklärte Vance, Amerika dürfte «nicht zulassen, dass unsere Nahostpolitik dem Staat Israel untergeordnet wird.» Im Sommer, als gerade wieder einmal Verhandlungen mit der Islamischen Republik Iran liefen, warf er Israels Regierung mehrfach vor, Bemühungen um ein Kriegsende zu untergraben sowie die öffentliche Meinung zu manipulieren, «um den Krieg auf unbestimmte Zeit fortzusetzen».

Die hohen Lebenshaltungskosten waren tatsächlich ein Grund für viele Wählerinnen und Wähler, diesmal den Demokraten ihre Stimme zu geben. Dass Preise in den USA gestiegen sind liegt auch am Irankrieg. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent steht derzeit bei etwa 97 Dollar, lag im Verlauf des aktuellen Konflikts mit dem Iran aber auch schon bei über 120 Dollar. Vor Beginn des Kriegs Ende Februar 2026 lag der Preis bei etwa 70 Dollar. Das macht sich bemerkbar an den Tankstellen, beim Heizen und letztlich – etwa durch höhere Transportkosten – bei fast allen Gütern.

Der Irankrieg selbst war bei der US-Bevölkerung nie beliebt. In einer Umfrage des Pew Research Center Ende März lehnten 6 von 10 Befragten Trumps Umgang mit dem Iran-Konflikt ab; viele hielten die Entscheidung für Militärgewalt für falsch. Im Oktober erklärten über 50 Prozent der Befragten, sie hätten keine Zuversicht, dass die Trump-Regierung ihre Ziele im Konflikt mit dem Iran erreichen werde.

Keines der ausgegebenen Ziele wurde erreicht

Die von Trump im März für den Krieg erklärten vier Ziele: Das Raketenprogramm des Regimes und dessen Marine zu vernichten, den Iran daran hindern, jemals in den Besitz von Atomwaffen zu kommen, und Unterstützung und Aufrüstung seitens des Iran für verschiedene Milizen in der Region zu beenden.

Keines dieser vier Ziele konnte wirklich erreicht werden. Zwar wurden die vorhandenen Raketen Irans dezimiert und Abschusstellen zerstört. Der Iran produziert jedoch weiter Raketen. Auch die Marine existiert weiterhin, allein im Oktober wurden über 30 Schiffe bei der Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus attackiert.

Die grossen Nuklearforschungseinrichtungen des Iran wurden bereits 2025 massiv beschädigt; es verblieb aber angereichertes Uran im Land. Ausserdem führt das Regime, wie die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, an der mutmasslichen Nuklearanlage Pickaxe Mountain Arbeiten durch.

Die Hisbollah im Libanon, Huthis im Jemen, Hamas in den palästinensischen Gebieten und der Milizen-Verbund PMF im Irak sind zwar unterschiedlich stark dezimiert, aber – vor allem im Fall der Huthis – weiterhin befähigt, die Region in Atem zu halten.

Der Angriff auf den Iran hatte stattdessen zur Folge, dass das Regime die Strasse von Hormus blockierte – mit Drohungen gegen Reedereien, aber auch mit tätlichen Angriffen. Und damit die Preise für den Export von Energie aus den Öl- und Gasreichen Ländern am Persischen Golf massiv in die Höhe trieb und zeitweise sogar fast unmöglich machte.

Trump selbst hat die Äusserungen von Vance zumindest teilweise bestätigt: Es stimme, die Preise seien temporär hochgegangen. Er sagte dann aber: «Wenn ich es noch einmal tun müsste, würde ich es wieder tun, denn langfristig gesehen ist das die einzige Lösung. Man darf nicht zulassen, dass der Iran eine Atomwaffe besitzt».

Neues Kriegsgerät unterwegs in die Region

Dass der Iran-Krieg mit den Äusserungen von JD Vance nun zu einem Ende findet, ist unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Das US-Militär transportiert weiter Gerät und Truppen in die Region. Ende November sollen ein Flugzeugträger und eine amphibische Gruppe, die etwa zum Anlanden auf iranischen Inseln genutzt werden könnte, in der Region ankommen. Eines von nur zwei speziellen Aufklärungsflugzeugen des US-Militärs, ein USAF RC-135U Combat Sent, wurde gerade nach Grossbritannien und damit möglicherweise in Einsatznähe verlegt. Das Aufgebot des US-Militärs in der Region erinnert an das kurz vor Beginn des Krieges im Winter.

Und Israel? In der Analyse von JD Vance bekam das Land ordentlich sein Fett weg. Doch allein etwa die grosse Zahl der in Israel abgestellten Betankungsflugzugzeuge des US-Militärs zeigt: Spätestens im Kriegsfall brauchen die USA Jerusalems Kooperation.

Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Analyst Aimen Dean schrieb nach den Midterm-Wahlen: «Ein verletzter Trump ist ein gefährlicher Trump». Ähnliche Analysen gab es auch in Israel, bezüglich des Wahlverlierers dort, Noch-Premier Benjamin Netanyahu. Die Weichen für eine erneute Eskalation scheinen gestellt – und JD Vance' Kritik wird daran wohl kaum etwas ändern.

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