Kritik

Schweizer Weltraum-Star Zurbuchen wechselt von der ETH zu Jeff Bezos

Der frühere Nasa-Forschungschef Thomas Zurbuchen verlässt die ETH Zürich und wechselt zu Jeff Bezos' Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Dort gehe vieles deutlich schneller, sagt der Berner.

Thomas Zurbuchen hat in seiner Karriere bereits die Forschung der Nasa unter drei US-Präsidenten geleitet. Danach wechselte der Astrophysiker an die ETH Zürich und baute dort während drei Jahren den Weltraumbereich mit auf. Nun folgt der nächste Wechsel: Zurbuchen arbeitet neu als Spitzenmanager für Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

Der «SonntagsZeitung» erklärt Zurbuchen, warum es ihn in die Privatwirtschaft zieht. Obwohl er erst seit vier Wochen bei Blue Origin sei, habe sein Team bereits ein halbes Dutzend Projekte angestossen oder beeinflusst. Er sagt: «Einen Prozess, der bei der Nasa mehrere Monate dauert, schaffen wir oft in einer Woche.» Man sei teilweise zehnmal schneller.

Ein Grund dafür sei die grössere Flexibilität. Statt Budgets vor dem US-Kongress rechtfertigen zu müssen, müsse Zurbuchen bei grossen Projekten Bezos und dessen Team überzeugen. Ideen würden dabei auf sechs Seiten präsentiert – ohne Powerpoint-Präsentationen und langen Small Talk.

Zurbuchen sieht das enorme Tempo der privaten Raumfahrt allerdings nicht nur positiv. Monopole und die Konzentration technologischer Macht in den Händen einzelner Unternehmer seien gefährlich. Weitreichende Entscheidungen etwa über Krieg und Frieden gehörten weiterhin in demokratisch kontrollierte Institutionen.

Auch die Schweiz kritisiert er im Gespräch mit der «SonntagsZeitung». Geschwindigkeit sei inzwischen selbst ein Sicherheitsfaktor. Besonders bei der Beschaffung neuer Technologien hinke der Staat teilweise so stark hinterher, dass diese bei ihrer Ankunft bereits veraltet seien. «Das grösste Risiko für die Schweiz ist die Lethargie.» (mke)