Parmelin-Nachfolge

Aeschi bald Bundesrat? Weshalb der SVP-Scharfmacher bessere Chancen hat, als viele meinen

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi will Bundesrat werden. Dass er von seiner eigenen Partei nominiert wird, steht so gut wie fest. Doch kann er eine Mehrheit holen? Die anderen Parteien machen sich dabei auch taktische Überlegungen.

Aus siebeneinhalb Kandidaten für den freiwerdenden SVP-Sitz im Bundesrat werden acht. Gut zwei Wochen nach Ablauf der offiziellen Meldefrist hat sich nun auch SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi entschieden – und zwar für eine Bundesratskandidatur.

Zuvor hatte Aeschi offengelassen, ob er wirklich ins Rennen steigt. Ein ungewöhnliches Manöver. «Es gab im vorliegenden Fall keine Dringlichkeit, mich vorher festzulegen», sagt er im Interview mit «Schweiz heute».

Aeschis Name auf dem Ticket ist fix

So vieles bei der SVP noch offen ist – eines steht damit fest: Thomas Aeschi wird einer der Namen auf dem Ticket sein, das die Partei zuhanden der Bundesversammlung vorschlagen wird. Die Fraktion wird ihren Chef nicht der Schmach aussetzen, ihn nicht zu nominieren.

Die grosse Frage ist, wer der zweite Name sein wird – oder möglicherweise auch ein dritter, wobei ein Dreierticket als äusserst unwahrscheinlich gilt. Noch vor Kurzem hätten viele im Bundeshaus die These unterstützt, dass mit Aeschi auf dem Ticket die Wahlchance der anderen Person darauf steigt. Denn Aeschi gilt als Scharfmacher, andere Parlamentarier beschreiben ihn als impulsiv bis cholerisch. Exemplarisch dafür steht der Vorfall vergangenen September an einer Podiumsdiskussion an der Kanti Reussbühl, über den «Schweiz heute» berichtet hat. Aeschi war davongelaufen, weil er fand, zu wenig Redezeit zu erhalten.

Davon abgesehen sässen mit Aeschi und Martin Pfister (Mitte) zwei Zuger in der Regierung. Die beiden sind sogar im selben Dorf aufgewachsen.

Man traut ihm das Amt zu

Das spricht gegen Aeschi. Doch es gibt eben auch einiges, das für ihn spricht. Der Unternehmensberater, 47, der unter anderem in Harvard studiert hat, gilt als äusserst fleissig, ja gar detailversessen. Ihm wird attestiert, dass er fast jedes Geschäft kennt, das im Parlament auf den Tisch kommt. Von links bis rechts ist man sich einig, dass er grundsätzlich fähig wäre für das Amt als Bundesrat. «Die Leute trauen ihm zu, dass er die Verwaltung führen kann und nicht die Verwaltung ihn», meint jemand.

Das ist nicht bei allen Kandidierenden so. Valable Chancen, neben Aeschi auf dem SVP-Ticket zu landen, hat der einstige Parteipräsident Marco Chiesa. Ausserhalb der Partei wird eine Kandidatur des Tessiners allerdings äusserst kritisch beurteilt. Auch er gilt als äusserst impulsiv und im Gegensatz zu Aeschi fällt er im Parlament nicht mit besonders viel Fleiss auf – im Gegenteil, sagen seine politischen Gegner.

Was ihn für andere Parteien attraktiv macht

Bei einem Ticket Aeschi/Chiesa könnte also Aeschi als Gewinner hervorgehen. Auch gegen die Nationalräte Michael Graber aus dem Wallis, den Solothurner Rémy Wyssmann und die Genferin Céline Amaudruz dürfte er sich durchsetzen. Offener ist das Rennen, sollte die SVP einen der kandidierenden Regierungsräte nominieren: den Berner Pierre Alain Schnegg, den Walliser Franz Ruppen oder Jean-Pierre Gallati aus dem Aargau. Bei ihnen wäre entscheidend, wie sie sich im Hearing bei den anderen Fraktionen metzgen.

Ein Faktor wird für die anderen Parteien auch sein, welcher SVP-Bundesrat ihnen am meisten nützt. Eine Überlegung, die man sich derzeit im Parlament macht: Würde Aeschi gewählt, müsste die SVP einen neuen Fraktionschef suchen. Es dürfte keinen zweiten geben, der mit solch harter Hand die eigenen Leute führt. Auch das ist ein Argument, das einen Bundesrat Aeschi für manch eine und einen etwas attraktiver macht.

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