
Wie entwickeln sich die Strompreise im kommenden Jahr?
Über die ganze Schweiz betrachtet, lässt sich sagen: Die durchschnittlichen Strompreise in der Grundversorgung sinken leicht. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bezahlt 2027 im Median 26,5 Rappen pro Kilowattstunde. Das sind 1,2 Rappen beziehungsweise rund vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die jährliche Stromrechnung fällt damit im Median um 53 Franken auf 1194 Franken. Die Tarife haben sich auf einem recht hohen Niveau stabilisiert. An der Pressekonferenz vom Dienstag wird deutlich: Rund 75 Prozent der Bevölkerung profitieren von Preisnachlässen, bei einem Viertel wird die Stromrechnung leicht teurer.
Was ist der Grund dafür?
Der wichtigste Grund sind tiefere Energiekosten. Viele Stromversorger konnten besonders teure Beschaffungsverträge aus der Zeit der Energiekrise rund um den Ausbruch des Ukrainekriegs auslaufen lassen und Strom wieder günstiger einkaufen. Die sinkenden Energiepreise überwiegen dabei die leicht steigenden Netz- und Messkosten.
Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Sinken die Kosten in allen Bereichen?
Nein. Während der Energietarif sinkt, steigt der Netztarif von 10,73 Rappen pro Kilowattstunde auf 10,94 Rappen. Auch das Messen wird etwas teurer, was pro Haushalt etwa 4 Franken im Jahr ausmacht. Der Netzzuschlag bleibt gleich, die Kosten der Stromreserve sinken jedoch.
Profitieren alle Haushalte gleich stark?
Nein. Die Elektrizitätskommission Elcom veröffentlicht Medianwerte. Tatsächlich unterscheiden sich die Tarife je nach Netzbetreiber zum Teil erheblich. Ausschlaggebend sind vor allem Unterschiede bei der Strombeschaffung: Manche, unter anderem grosse Versorger produzieren viel Strom selbst, andere kaufen ihn langfristig oder kurzfristig am Markt ein. Je nach Strategie können die Preise unterschiedlich ausfallen. Die Schere ist allerdings nicht mehr so weit auseinander wie 2023, als einzelne Gemeinden einen Preiszuschlag von über 200 Prozent verkünden mussten.
Wie hoch der Strompreis beim Anbieter in Ihrer Gemeinde ist und ob er steigt oder sinkt, zeigt die folgende interaktive Karte:
Wie sieht es mit den KMU aus?
Das Bild gleicht sich: Die Energiepreise sinken, Netz- und Messkosten zeigen eine leichte Tendenz nach oben.
Die USA haben den Iran angegriffen, das zog Verwerfungen an den Energiemärkten nach sich. Warum ist davon wenig zu spüren?
Der Grund liegt in der Verzögerung. Seit März 2026 sind die Grosshandelspreise wegen des Iran-Kriegs tatsächlich wieder deutlich gestiegen. Für die Tarife 2027 spielt das jedoch kaum eine Rolle. Viele Versorger beschaffen ihren Strom gestaffelt über mehrere Jahre. Deshalb wirken sich aktuelle Preissprünge oft erst später auf die Endkunden aus und könnten sich eher in den Tarifen der kommenden Jahre niederschlagen.
Und was ist mit den Übertragungsgebühren?
Die Kosten für das Stromnetz nehmen zwar weiter zu, mehrere Faktoren bremsen den Anstieg jedoch: Die Kosten für die Stromreserve sinken deutlich, auch die Tarife der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid fallen tiefer aus. Diese ist zuständig für das oberste Übertragungsnetz, die Autobahn des Stroms. Zudem wurde die zulässige Kapitalverzinsung für Netzbetreiber gesenkt. Dadurch fällt der Anstieg der Netztarife geringer aus, als er sonst wäre.
Auffällig sind die Unterschiede bei den Messkosten. Was ist der Grund für diese?
Die Messkosten werden seit vergangenem Jahr separat ausgewiesen und gaben schon damals Anlass zur Kritik. Die Unterschiede sind erheblich. Je nach Netzbetreiber bezahlen Haushalte zwischen 0 und 180 Franken pro Jahr für Messdienstleistungen. Im Median steigen die Kosten 2027 auf 78.48 Franken. Die Elcom beobachte diese Entwicklung deshalb besonders genau, schreibt sie in einer Mitteilung.
Gibt es noch weitere Problemfelder?
Ja. Eine Überprüfung zeigt zwar, dass die meisten Netzbetreiber die gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich einhalten. Verbesserungsbedarf gibt es aber bei der Kommunikation von Tarifänderungen. Die Begründungen für Preiserhöhungen seien häufig unklar oder für Kundinnen und Kunden nicht nachvollziehbar. Zudem stellte die Elcom bei einzelnen Netzbetreibern Mängel bei der Qualität der Messdaten fest und verlangt Verbesserungen.


