Die goldenen Autozeiten sind noch nicht zurück. Vor Corona wurden in der Schweiz jedes Jahr mehr als 300’000 Autos verkauft. 2024 waren es noch 240’000. Somit war das vergangene auch für den grössten Schweizer Auto-Importeur, die Amag, ein schwieriges, wie deren Chef Helmut Ruhl an der Jahresbilanzkonferenz am Freitag in Zürich sagt. «Der Schweizer Automarkt ist nun schon das fünfte Jahr in Folge unter dem Durchschnitt vorheriger Jahre.»
Gründe für den seit Jahren schwächelnden Verkauf gibt es mehrere. Vor Corona habe sich der Markt in einer Niedrigzinsphase befunden. Danach stiegen die Zinsen, das Auto-Leasing wurde teuer. Ebenfalls verteuerten sich die Rohstoffe und damit auch die Autos, schliesslich kam noch die Inflation dazu. «Und die Autonachfrage richtet sich auch nach dem Preis», sagt Ruhl.
Eine schnelle Veränderung erwartet die Amag nicht, prognostiziert werden 250’000 Neuwagenverkäufe für 2025, der Branchenverband Auto-Schweiz ist sogar noch etwas pessimistischer und erwartet nur 240’000.
Trotz des schwierigen Umfelds spricht Ruhl von einem ordentlichen Jahr. Immerhin sei der Marktanteil der Amag mit 30 Prozent aller Autoverkäufe weiterhin hoch. Das gelang mit einem Umsatz von 4,9 Milliarden Franken mit den Amag-Marken Volkswagen, Audi, Skoda Seat/Cupra und VW Nutzfahrzeuge. Mit dem Skoda Octavia ist in den Top Ten der meistverkauften Fahrzeuge ein Amag-Auto auf dem zweiten Platz noch vor dem VW Tiguan, aber hinter dem Tesla Y gelandet.
Erstmals weniger Elektroautos verkauft als im Vorjahr
Bei den Top Ten der verkauften Elektroautos sind vier Fahrzeuge von der Amag. Sie hat letztes Jahr 12’348 Stromer verkauft. Aber der E-Markt stockt generell, erstmals seit 2016 haben sich Fahrzeuge mit vollelektrischem Antrieb schlechter verkauft als im Vorjahr. Auch die Plug-in-Hybride, die sowohl von einem Elektro- als auch von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, sind um 10 Prozent weniger verkauft worden. Die Leute behalten ihr Auto länger, damit steigt die Alterung des Autoparks. «Vor Corona waren die Schweizer Autos durchschnittlich neun Jahre alt, jetzt geht es gegen elf», sagt Ruhl. Das sei keine gute Nachricht fürs Klima.
Die Gründe für den harzigen E-Auto-Verkauf sieht der Amag-Chef zum einen in der Verunsicherung der Kunden. Die Rahmenbedingungen seien nicht gut genug für Elektromobilität, für die 60 Prozent Mieter und Stockwerkeigentümer in der Schweiz gebe es noch keine praktikablen Lademöglichkeiten. Dann habe die gestoppte Befreiung von der Automobilsteuer für Elektrofahrzeuge nicht geholfen, und das öffentliche Laden sei noch zu teuer.
Der Preis für E-Autos hält Käufer auch ab, da sieht Ruhl die Preise aber sinken. Trotz der Schwierigkeiten werde sich die Amag nicht vom «Elektro-Weg» abbringen lassen, der eine Entkarbonisierung des Betriebs bis 2040 vorsieht. Erreicht werden soll das auch mit verschiedenen Investitionen in die Elektrisierung. Auf den Amag-Häusern wird laufend Photovoltaik dazu gebaut, der Importeur baut eine Ladeinfrastruktur auf, in der einheitlich mit 28 Rappen pro kWh an 13’000 Ladestationen günstig geladen werden kann.
Mit Helion gehört eine Firma dazu, die Solarstrom produziert, und mit der Beteiligung an Synhelion wird Klimaneutralität auch bei Verbrenner-Fahrzeugen entstehen. Das ETH-Spin-off wird ab 2027 in Spanien Solartreibstoff produzieren. Die Amag hat vergangene Woche einen Abnahmevertrag dafür unterzeichnet. Denn 2040 werden in der Schweiz immer noch zwei Millionen Verbrenner unterwegs sein. Werden diese mit Solarbenzin getankt, würde das die CO 2 -Emissionen der Schweiz um 10 Prozent senken.
