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Kommentar

Sprachenstrategie ist ein Irrweg

Trotz früher Fremdsprachenförderung verstehen sich Jugendliche in der Schweiz kaum über Sprachgrenzen hinweg. Die Sprachenstrategie ist gescheitert – doch die Politik zögert mit klaren Konsequenzen.
Die Hälfte der Lernenden fällt in Französisch durch.
Bild: Getty

Am Ende der Volksschule verstehen Deutschschweizer Jugendliche kaum Französisch und Westschweizer Jugendliche wenig Deutsch. Das zeigen die Resultate der Überprüfung der Grundkompetenzen, die Forscher im Auftrag der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren erhoben haben. Überraschend ist das nicht. Oder wer kennt schon 15-Jährige, die in den Ferien in der anderen Sprachregion virtuos nach dem Weg fragen, im Restaurant elegant ein Menü bestellen? Eben.

Die Befunde sind umso deprimierender, als sich die Konferenz der Erziehungsdirektoren von der 2004 beschlossenen Sprachenstrategie viel erhoffte. Dank zwei Fremdsprachen ab Primarstufe sollten die Schülerinnen und Schüler in der Schweiz ein höheres Niveau erreichen. Zahlreiche Studien belegten aber in der Folge, dass Schüler, die erst ab der Oberstufe Französisch und Englisch lernen, den angeblichen Rückstand auf die Frühstarter rasch aufholen.

Anstatt sich ein Herz zu fassen, beide oder wenigstens eine Fremdsprache aus der Primarschule zu verbannen, will die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren die Sprachenstrategie bloss auf den Prüfstand stellen. Das ist mutlos. Es braucht keine weiteren Analysen. Die EDK ist auf dem Irrweg. Die Bildungspolitiker würden besser Sprachaustauschprogramme fördern. Dafür ist es auf der Oberstufe nicht zu spät.