notifications
Gastbeitrag

Sparen, investieren, transformieren: Was die SRG wirklich tut

Die SRG spart – und investiert gleichzeitig in ihre Zukunft. Trotz Sparauftrag bleibt sie ihrem öffentlichen Auftrag verpflichtet und richtet sich mit einem Transformationsprozess neu aus.
Der Hauptsitz der Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft in Bern.
Bild: Anthony Anex / Keystone (20. 9. 2024)

Die SRG ist da für die Menschen in der ganzen Schweiz. Sie bietet in vier Sprachen Inhalte, Geschichten, Informationen an. Wir sind dem Publikum verpflichtet. Wir gehören allen, alle finanzieren uns mit. Darum ist es wichtig, dass wir transparent sind. Wir planen vorausschauend und gehen sorgfältig mit unseren Mitteln aus der Medienabgabe um. Das gehört zum Selbstverständnis der SRG und ist mir persönlich einzentrales Anliegen.

Letzte Woche fand sich in dieser Zeitung eine andere Darstellung. Die SRG könne nicht sparen, sie baue nur aus, sie male öffentlich unnötig schwarz.

Das kann ich nicht so stehen lassen, denn dieses Bild stimmt nicht. Gerne möchte ich das aus Sicht der SRG darlegen.

Die SRG ist unabhängig und nicht gewinnorientiert. Wir erfüllen einen öffentlichen Auftrag: mit unseren Inhalten und mit qualitativhochwertigem Journalismus möglichst viele Menschen zu erreichen, damit diese sich eine Meinung bilden, sich gegenseitig verständigen und verstehen können.

Unser Ziel war und ist es, diesen Auftrag so gut und so effizient wie möglich zu erfüllen – und zwar mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Diese haben sich in den letzten zehn Jahren verändert. So ist der Betriebsaufwand gesunken; um rund 100 Millionen Franken im Vergleich zu 2018.

Es wurde in allen Bereichen gespart, ob nun bei den Verwaltungs- und Strukturkosten, der Distribution oder beim operativen Betrieb. Wie diese Entwicklung betrachtet wird, ist auch eine Frage der Perspektive. Das Corona-Jahr 2020 war zum Beispiel alles andere als typisch und eignet sich darum nicht als Referenz.

Ich habe auch eine andere Perspektive auf die Kritik, die SRG baue bei den Stellen ständig aus. Wie der Geschäftsbericht 2024 zeigen wird, ist die Anzahl Stellen im Vergleich zum Vorjahr praktisch gleich geblieben. Und grundsätzlich gehört es zu einer weitsichtigen Unternehmensführung, zu sparen, zu transformieren und dort, wo es nötig ist, zu investieren – und das bedeutet auch, entsprechend Stellen ab- und aufzubauen. Man darf dabei nicht vergessen, dass die SRG einen Auftrag des Bundes hat, trotz Einsparungen möglichst viele Menschen zu erreichen. Ganz besonders jetzt, wenn sich die Mediennutzung rasch verändert. Und so investieren wir auch dort, wo nötig – zum Beispiel ganz aktuell in eine neue digitale Plattform, die unserem Publikum Video- und Audioinhalte in allen Landessprachen aus einer Hand anbieten wird.

Und was kommt jetzt auf die SRG zu? Sie hat einen klaren Sparauftrag. Bis 2029 muss sie rund 270 Millionen Franken einsparen. Diese Berechnungen basieren auf Entwicklungen und Faktoren, die wir erwarten und sorgfältig eingeschätzt haben, aber nur begrenzt beeinflussen können: die vom Bundesratbeschlossene Senkung des SRG-­Abgabeanteils, rückläufige Werbe­einnahmen und steigende Kosten aufgrund der allgemeinen Teuerung.

Die Sparbemühungen haben bereits begonnen, denn der teilweisewegfallende Teuerungsausgleich greift schon dieses Jahr. Diese Einsparungen merkt man. Sie lösen Reaktionen, auch Kritik aus. Dafür habe ich Verständnis. Wenn immer möglich versuchen wir Einschnitte im Programm zu vermeiden. Doch beim aktuellen Sparvolumen sind diese unumgänglich.

Gleichzeitig ändert sich laufend die Art und Weise, wie die Menschen Medien nutzen. Darauf müssen wir reagieren. Ich habe deshalb im Auftrag des Verwaltungsrats den unternehmensweiten Transformationsprozess «Enavant SRG SSR» angestossen. Ein Prozess, der weit mehr ist als ein Sparprogramm, denn Sparen ist kein Selbstzweck.

«Enavant», das bedeutet «vorwärts» auf Rätoromanisch. Es steht sinnbildlich dafür, dass sich die SRG bewegt, sich bewegen muss – und sich bewusst verändern will. Denn wir wollen ein starkes, vielfältiges und relevantes Programm für alle Menschen in der Schweiz bieten und verlässlich sein. Heute und in Zukunft.

Susanne Wille ist Generaldirektorin SRG SSR.