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Sonntagspresse

Kündigungen bei der UBS, Kritik an Rösti und Alarm auf Dating-Apps

Entlassungen bei der UBS, harsche Kritik an Bundesrat Rösti und Missbrauchsmeldungen auf Dating-Apps: Das sind die News der Sonntagspresse.
Bild: Andrea Zahler/ Keystone/Anthony Anex/ Keystone/Christian Beutler

Im März kommt es bei der UBS zu einer Entlassungswelle

Gut drei Jahre nach der Übernahme ist die Integration der Credit Suisse in die UBS weitgehend vollzogen. Ende März bekommt laut SonntagsZeitung ein grosser Teil der ehemaligen CS-Angestellten, die man nicht mehr will oder nicht benötigt, Post von der Zentrale: die durch ein Sozialprogramm abgefederte Kündigung. Betroffen sind hauptsächlich IT- und Backoffice-Mitarbeiter. Auch ehemals leitende Angestellte der Credit Suisse kommen an die Kasse.

Individualbesteuerung: Serge Gaillard gegen die eigene Partei

Serge Gaillard, ehemaliger Direktor der eidgenössischen Finanzverwaltung und Sozialdemokrat, zerlegt die Individualbesteuerung, welche die SP und Frauen­organisationen als Gleichstellungsreform feiern. Zwar würden Doppelverdiener wie er selbst nach einer Annahme am 8. März deutlich weniger Steuern zahlen. Doch der Preis sei hoch. Im Interview mit der SonntagsZeitung sagt er, die Reform schaffe neue, teils «krasse Ungerechtigkeiten»: Familien mit gleichem Einkommen würden je nach Arbeitsaufteilung massiv unterschiedlich belastet. Einverdiener-Familien zahlten ein Vielfaches, obwohl ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit identisch sei. Auch das Gleichstellungsargument überzeuge ihn nicht. Ob Frauen mehr arbeiteten, hänge kaum vom Steuertarif ab, sondern von Möglichkeiten der Kinderbetreuung und von Arbeitsbedingungen. Der Effekt auf den Fachkräftemangel sei zudem vernachlässigbar, die Kosten dagegen enorm.

Hunderttausende Missbräuche bei Online-Dates

Nicht alle Nutzerinnen von Dating-Apps machen positive Erfahrungen. Der Transparenzbericht des Tinder-Mutterkonzerns zeigt: In einem Jahr sind in der EU fast eine Million Meldungen wegen Missbrauch und Belästigung sowie 240’000 wegen Fehlverhalten bei Treffen eingegangen. Exakte Zahlen für die Schweiz fehlen zwar, aber in der SonntagsZeitung erzählen Schweizer Frauen von ihren Horror-Dates.

WEF: Bund nimmt Millionen-Vergütung von CEO Børge Brende ins Visier

Das erste WEF ohne Klaus Schwab war ein Erfolg. Doch nun zeigen Recherchen der NZZ am Sonntag, dass die Organisation ins Visier der Schweizer Behörden geraten ist. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) pocht auf eine Verkleinerung des Stiftungsrats, der derzeit fast 30 Mitglieder umfasst. Zudem sieht die Stiftungsaufsicht die Vergütungen des WEF-Managements kritisch. Gemäss den beim US-Steueramt IRS offengelegten Angaben erhielten zuletzt elf von zwanzig Spitzenkräften mehr als 900’000 Dollar.

An der Spitze stand CEO Børge Brende mit über 1,9 Millionen Dollar. Weil das WEF eine gemeinnützige Stiftung ist, sind solche Vergütungen heikel. ESA-Direktor Nils Güggi sagt dazu: «Das Vermögen einer gemeinnützigen Stiftung gehört niemandem. Der Staat hat deshalb die Aufgabe, eine Zweckentfremdung zu verhindern.» Vor diesem Hintergrund bräuchten die Verantwortlichen gute Argumente, um Vergütungen und Gehälter zu rechtfertigen, die deutlich höher seien als jene eines Bundesrates oder anderer internationaler Stiftungen. Zur idealen Grösse eines Stiftungsrats meint Güggi: «Wenn ein Gremium 30 Leute umfasst, ist das nicht förderlich für die Entscheidungsfindung.» Zudem erhöhe sich mit der Grösse die Gefahr, dass sich niemand wirklich verantwortlich fühle.

IT-Debakel beim Seco: Schulung der Arbeitslosenkassen war ungenügend

Tausende Arbeitslose litten zum Jahresbeginn unter Pannen bei den Arbeitslosenkassen: IT-Systeme stürzten teilweise ab, Telefone waren überlastet, Auszahlungen verzögerten sich. Nun zeigen Recherchen der NZZ am Sonntag: Die Ursachen der Probleme liegen nicht bloss beim neuen Auszahlungssystem Asal 2.0, sondern auch beim vorgelagerten, sogenannten Input Management.

Der Präsident des Verbands der öffentlichen Arbeitslosenkassen, Jean-Claude Frésard, kritisiert in der NZZ am Sonntag, die Kassen seien im Umgang mit dem Input Management nicht ausgebildet worden: «Wir wurden weder für das System als Ganzes geschult noch konnten wir es testen.» Die Kassen hätten diesbezüglich mehrmals beim Seco interveniert und gefordert, dass sie das System ebenfalls von Anfang bis zum Ende durchtesten können. Erfolglos.

Bestätigt werden diese Vorwürfe von der Gewerkschaft Unia, die ebenfalls eine Arbeitslosenkasse betreibt. «Gewisse Prozesse wurden nicht genügend geschult, unter anderem auch alles, was mit der Eingangsverarbeitung zu tun hat», sagt Unia-Sprecherin Natalie Imboden. «Dort traten denn auch grosse Probleme auf.» Das Seco schreibt auf Anfrage, man habe die Mitarbeitenden der Kassen zwar «umfassend geschult». Doch gibt es gewisse Mängel zu: «In den ersten Betriebstagen hat sich gezeigt, dass die Schulung im Bereich der Eingangsverarbeitung nicht ausreichend war.» Deswegen habe das Seco Nachschulungen durchgeführt.

Grimseltunnel: Ex-SBB Chef Benedikt Weibel kritisiert Rösti scharf


Bundesrat Albert Rösti hält am Bau des umstrittenen Grimseltunnels fest. Selbst prominente Förderer des öffentlichen Verkehrs sehen die neue Eisenbahnverbindung aber kritisch. «Für diesen Tunnel gibt es keine vernünftige Begründung. Er verbindet nichts», sagt der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel in der NZZ am Sonntag. Er verstehe nicht, warum Bundesrat Rösti an diesem Projekt festhalte. «Was dieser Tunnel verkehrspolitisch soll, ist mir ein absolutes Rätsel», sagt Weibel. Es gebe in dieser Ecke des Alpenbogens «keine grossen Verkehrsströme».

Weibel ist mit seiner Kritik nicht allein. Peter Füglistaler war bis 2024 Direktor des Bundesamtes für Verkehr und gilt als einer der besten Kenner des Schweizer Schienennetzes. Auch er kritisiert den geplanten Tunnel scharf: «Das Projekt hat praktisch null Nutzen und wird immer hoch defizitär bleiben.» Der pensionierte Chefbeamte zweifelt auch am Gutachten des renommierten ETH-Professors Ulrich Weidmann. Dieser Stelle den Nutzen viel zu hoch dar. Füglistalers Fazit fällt hart aus: «Die Aussagen des Weidmann-Berichts zum Grimseltunnel halten einer kritischen Überprüfung nicht stand.» Füglistaler sagt, es gebe massiven politischen Druck, den neuen Tunnel zu bauen.

Dokumente in Microsoft-Cloud: Heikles Datenleck im Aussendepartement

Seit Dezember verfügen sämtliche Arbeitsplätze der Bundesverwaltung über Microsoft 365. Viele der Dokumente des Bundes werden in der Cloud von Microsoft gespeichert. Das Problem dabei: amerikanische Firmen wie Microsoft sind per US-Gesetz verpflichtet, Daten auf ihren Servern den amerikanischen Behörden zugänglich zu machen. Das gilt auch für Unterlagen anderer Staaten, also auch für Dokumente des Bundes. Darum hat der Bund Sicherheitsmassnahmen eingeführt, die verhindern sollen, dass klassifizierte Dokumente mit heiklen Informationen in eben dieser Microsoft-Cloud abgelegt werden.

Ein Bericht der internen Revision des Aussendepartements EDA, welcher der NZZ am Sonntag vorliegt, zeigt, dass diese Schutzmassnahmen Lücken aufweisen und als «intern» eingestufte Dokumente in die Microsoft-Cloud gelangt sind. «Aus technischer Sicht funktioniert die Vorrichtung, die das Hochladen von klassifizierten Dokumenten in die Cloud verhindern soll, derzeit nur teilweise», bestätig das EDA.

Professor Matthias Stürmer von der Berner Fachhochschule warnt: «Solange der Bund auf Microsoft setzt, ist der Datenschutz infrage gestellt.» Es bestehe die Gefahr, dass amerikanische Behörden diese Informationen abschöpfen. Und das berühre den Kern der staatlichen Souveränität. «Was in der Verwaltung diskutiert oder verarbeitet wird, muss vertraulich bleiben», sagt Stürmer.

Das steht in der Abgangsvereinbarung der Babs-Direktorin

Warum musste die Chefin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs) gehen? Das Verteidigungsdepartement (VBS) kommunizierte ihren Abgang Anfang Januar mit einer dürren Mitteilung: «Michaela Schärer verlässt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz.» Die Direktorin und Bundesrat Martin Pfister seien übereingekommen, das Amt neu zu besetzen. Für eine «geordnete Nachfolgeregelung» sei der Austritt auf Ende April 2026 festgelegt worden.

Dem SonntagsBlick liegt nun die Abgangsvereinbarung vor, die das VBS mit Schärer geschlossen hat. Darin erklären die Babs-Chefin und VBS-Chef Martin Pfister die einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses wegen «Wegfalls der gedeihlichen Zusammenarbeit» – das ist Juristensprech für: Das Vertrauen zwischen den beiden ist dermassen gestört, dass eine Weiterbeschäftigung nicht mehr möglich ist. Unterzeichnet wurde das Dokument am 3. Dezember 2025. Gestützt auf die Genehmigung des Bundesrates vereinbarten die Parteien, dass Schärer eine Abgangsentschädigung in der Höhe von 302'000 Franken erhält, was einem Jahreslohn entspricht.

Drohnenkauf der Armee: Herstellerin zahlte Strafen in zweistelliger Millionenhöhe

Die israelische Drohnenherstellerin Elbit hat dem Verteidigungsdepartement (VBS) laut einem Sprecher bisher «Vertragsstrafen im zweistelligen Millionenbereich» bezahlt. Darüber berichtet der SonntagsBlick. Wegen jahrelanger Verzögerungen und nicht tauglicher Funktionen wurden diese Sanktionen fällig. Die sechs israelischen Aufklärungsdrohnen von Elbit für die Schweizer Armee kosten 300 Millionen Franken. Verteidigungsminister Martin Pfister gab im vergangenen September bekannt, wegen der technischen Probleme auf das automatische Ausweichsystem zu verzichten, das Projekt ohne das System für GPS-unabhängige Starts und Landungen fortzusetzen sowie bei Eisbildung und schlechter Sicht nicht mit den Drohnen zu fliegen.

Von einem Abbruch der Beschaffung sah er dennoch ab, denn weiter ohne Drohnen zu operieren – die bisherigen wurden 2019 ausgemustert –, wäre für die Armee problematisch, befand Pfister. Diesen Entscheid stützte Pfister auf anwaltschaftlichen Rat ab. Wie ein Sprecher sagte, prüfte die Zürcher Kanzlei Homburger letztes Jahr, was eine Beendigung des Vertrags aufgrund von Versäumnissen der Herstellerin bedeuten würde. Die Homburger Anwälte hatten wegen der Probleme bereits für Pfisters Vorgängerin Viola Amherd zwei Gutachten – eines 2021, das andere 2023 – zu einer möglichen Vertragsauflösung verfasst.

EDA verschiebt Menschenrechtsdialog mit Teheran

Das Aussendepartement hat den Menschenrechtsdialog mit Iran «verschoben», wie das EDA gegenüber dem SonntagsBlick bestätigt. Eigentlich treffen sich Schweizer Diplomaten und Vertreter des Mullah-Regimes einmal im Jahr zum Menschenrechtsdialog – zuletzt im Februar 2025 in Teheran. Nun hätte die nächste Runde anstehen sollen, doch «aufgrund der aktuellen Situation» wird sie wohl auf Herbst verschoben.

Jahrelang galt der Iran in der Schweizer Aussenpolitik als Sonderfall: Weil Bern als Schutzmacht die Interessen der USA in Teheran vertritt, behandelte der Bundesrat das Regime mit Samthandschuhen. Mehrfach übernahm die Schweiz EU-Sanktionen nur halbherzig oder gar nicht – immer mit dem Argument, die heiklen Gesprächskanäle nicht zu gefährden. Diese Schonzeit ist vorbei. Nach Informationen des SonntagsBlicks hat sich im EDA die Lesart durchgesetzt, dass leise Töne im Iran nicht belohnt werden.

Als Analogie werden die Schutzmachtmandate genannt, die die Schweiz für Moskau in Georgien und für Russland in Tiflis wahrnimmt: «Sanktionen und Gute Dienste schliessen sich nicht aus», heisst es im EDA. Angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste und der Eskalation in Iran schwenkt Bern um. Der Wendepunkt kam bereits im Dezember: Der Bundesrat hat die Iran-Verordnung komplett überarbeitet und übernahm, anders als auch schon, die EU-Massnahmen.

Streit mit Stewardess – Bazl büsst Hundehalter

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verzeichnet deutlich mehr Zwischenfälle mit uneinsichtigen Hunde- und Katzenhaltern. 2024 gingen 80 Meldungen zu Verstössen gegen die Transportpflicht von Tieren ein, 2025 waren es 117 – eine Zunahme um 46 Prozent.

Ein aktueller Strafbescheid, den der SonntagsBlick einsehen konnte, betrifft einen Berliner, der auf einem Swiss-Flug von Zürich nach São Paulo seinen Hund wiederholt aus der Transporttasche nahm und trotz mehrfacher Ermahnung der Crew weiter streichelte; er wird mit einer Busse von 791 Franken belegt.

In einem zweiten Fall kassiert eine Italienerin auf einem Flug von Zürich nach Bologna 400 Franken Busse, weil sie sich standhaft weigerte, ihren Hund in der vorgeschriebenen Transportbox zu lassen. Die Fälle zeigen, wie rasch Tierliebe an Bord mit den Sicherheits- und Hygieneregeln kollidieren kann. Swiss erlaubt kleine Hunde und Katzen bis acht Kilo in der Kabine nur in einer Transporttasche. Freies Herumlaufen oder Kuscheln auf dem Schoss ist ausdrücklich verboten. Für Blinden- und Assistenzhunde gelten Sonderregeln: Sie reisen kostenlos, ohne Box und ohne Gewichtsgrenze in der Kabine, müssen aber so ausgebildet sein, dass sie sich in der Öffentlichkeit ruhig und kontrolliert verhalten.