Nach der Postauto-Katastrophe von Kerzers FR ist ein Teil der Belegschaft verunsichert. «Wohl keine Schutzmassnahme der Welt hätte den Vorfall von Kerzers verhindern können», sagt Postauto-CEO Stefan Regli im SonntagsBlick-Interview. «Wir werden jetzt zusätzliche Schulungen anbieten, da teilweise Unsicherheit herrscht. Es ist wichtig, dass sich das Fahrpersonal in seiner täglichen Arbeit sicher fühlt. Wir wollen sie dabei unterstützen.»
Zudem soll es am Montag eine Schweigeminute geben, in der die Postautos stillstehen können. «Wir werden am Montag um 14 Uhr schweizweit innehalten und an die Opfer und Verletzten denken. Unsere Fahrerinnen und Fahrer können freiwillig eine Schweigeminute einlegen und das Dreiklanghorn aktivieren. Nicht alle Postautos haben das, alternativ können sie auch hupen. Uns ist wichtig, ein Zeichen der Solidarität zu setzen.»
Auf die Frage, warum der Staatsbetrieb die Angehörigen nicht finanziell entschädige, sagt der Postauto-CEO: «Wir sind noch mitten in der Phase der Betroffenheit und der Anteilnahme. Die Frage nach einem finanziellen Beitrag werden wir prüfen. Klar ist: Wir sind für die Angehörigen und Verletzten da.»
Zudem warnt er vor einer Verrohung der Gesellschaft. «Vor allem unser Kontrollpersonal ist von Beleidigungen und Gewalt betroffen, aber auch unsere Busfahrer. Die gemeldeten verbalen oder körperlichen Übergriffe sind seit den Corona-Jahren deutlich angestiegen. Ein Teil des Anstiegs ist auf unser Sensibilisierungsprogramm zurückzuführen. Unser Personal soll alle Ereignisse melden. Im letzten Jahr haben wir schweizweit 65 Übergriffe registriert.»
Massenkündigungen in Zürich: 200 Mieter verlieren ihr Zuhause
Schock für Mieterinnen und Mieter in Zürich-Witikon: Laut SonntagsBlick werden im Quartier gleich zwei Siedlungen abgerissen und durch Neubauten ersetzt – mindestens 200 Menschen verlieren ihr Zuhause. Betroffen von den Leerkündigungen sind eine Siedlung an der Carl-Spitteler-Strasse, wo es 59 Wohnungen, ein Malergeschäft und eine Kita trifft, und eine an der Buchholzstrasse. Erstere gehört einem Immobilienfonds der UBS.
Noch sind die Kündigungen formal nicht erfolgt. In einem Schreiben vom 16. Januar teilt die Verwaltung den Bewohnerinnen und Bewohnern aber bereits mit: «Die Gebäude haben das Ende ihres Lebenszyklus erreicht.» Voraussichtlich im Spätsommer 2027 müssen alle Mieter ausgezogen sein. Noch schneller geht es an der Buchholzstrasse. Dort müssen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnungen per Ende März verlassen.
Hinter der Totalsanierung an der Buchholzstrasse steht die Zuger Fundamenta Group Investment Foundation. Eine Sprecherin der Immobilienfirma betont: «Die Kündigungen erfolgten mit einer ausserordentlich langen Vorlaufzeit von November 2025 bis Ende März 2027.» Die Gebäude aus dem Jahr 1967 würden nicht mehr den heutigen sicherheitstechnischen und energetischen Ansprüchen entsprechen. Mehrere Betroffene haben die Kündigungen angefochten.
UNO befiehlt der Schweiz, ein Urteil des Bundesgerichts zu stoppen
Die UNO hat die Schweiz angewiesen, ein Urteil des Bundesgerichts vorläufig nicht umzusetzen. Im Urteil geht es um ein behindertes Mädchen. Die Eltern wollten, dass ihre Tochter in die Regelschule kann. Während des Verfahrens durfte sie provisorisch in die Regelschule. Doch die Bundesrichter entschieden nach dreijährigem Gang durch alle Instanzen, dass sie in eine Behindertenschule muss. Die Eltern gaben nicht auf. Sie verklagten die Schweiz, unterstützt von der Behindertenorganisation Inclusion Handicap, bei der UNO.
Ein Zwischenerfolg: Der UNO-Ausschuss für Kinderrechte befiehlt, das Bundesgerichtsurteil bis zum Ende des Verfahrens auszusetzen. Das Mädchen soll so lange in der Regelschule bleiben. Für die Beteiligten ist laut SonntagsZeitung klar, dass das Bundesgerichtsurteil damit ausgehebelt wird, denn solche UNO-Verfahren dauern rund dreieinhalb Jahre. Wie verbindlich der UNO-Befehl ist, ist umstritten. Das Eidgenössische Justizdepartement ist der Meinung, dass solche UNO-Anordnungen umgesetzt werden müssen.
Doch die Aargauer Behörden betreiben Befehlsverweigerung. Sie teilen auf Anfrage der SonntagsZeitung mit, das Kind werde im Sommer in die Sonderschule versetzt. Ein weiterer Verbleib an der Regelschule sei nicht im Sinne des Kindeswohls und deshalb nicht tragbar. Das Mädchen sitzt im Rollstuhl. Es sei im Unterricht «kognitiv überfordert». Die Behindertenorganisation strebt mit der UNO-Klage im Aargau ein weltweites Präjudiz an: Sonderschulen sollen generell für illegal erklärt werden.
Warum steigt der Benzinpreis so schnell, fällt aber nur langsam?
Am Samstag vor einer Woche begann der Krieg gegen den Iran. Der Ölpreis schnellte hoch. Das bekamen Autofahrer ab Montag zu spüren an den Tankstellen. Der Preis für Benzin zog kräftig an. Warum kostet Sprit so schnell mehr, aber nur so langsam wieder weniger? Ramon Werner, Chef des grössten Schweizer Tankstellennetzes, erklärt es in der SonntagsZeitung so: Bei Erhöhungen verlieren die Tankstellen Kunden. Sie müssen schnell handeln, um die Verluste gering zu halten. Bei sinkenden Preisen hingegen würden sie profitieren – was sie so lange wie möglich nutzen wollten.
Samih Sawiris beteiligt sich an Defizitgarantie für Schweizer Olympia-Kandidatur
Der ägyptische Investor Samih Sawiris will einen Teil der Defizitgarantie für eine Schweizer Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2038 übernehmen, wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen. «Gegenüber den Initianten der Olympischen Winterspiele in der Schweiz habe ich zugesagt, mich an einem allfälligen Defizit zu beteiligen», bestätigt Sawiris auf Anfrage.
Wie gross sein Beitrag sein wird, ist noch offen. Für die Kandidatur verlangt das Internationale Olympische Komitee eine Defizitgarantie von 200 Millionen Franken. Ohne diese Garantie gibt es keine Schweizer Kandidatur. Weil der Bund mögliche Verluste nicht übernehmen will, sollen gemäss Projektteam Private und Unternehmen einspringen.
Leere Büros wegen Home-Office: Finanzkontrolle kritisiert den Bund Der Bund fördert das mobile Arbeiten. Home-Office und Co. werden unter Verwaltungsangestellten immer beliebter, doch das hat Auswirkungen auf die Auslastung der Tausende Immobilien des Bundes. In einem internen Verwaltungspapier, über welches die «NZZ am Sonntag» berichtet, heisst es: «Aufgrund von flexiblem und hybridem Arbeiten sind heute viele Arbeitsplätze in den Bürogebäuden nur teilweise besetzt.»
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert eine unkoordinierte Entwicklung innerhalb der Bundesverwaltung, wie die stellvertretende Direktorin der EFK, Brigitte Christ, in der «NZZ am Sonntag» sagt. Zwar unterstütze das Bundesamt für Bauten und Logistik die Verwaltung, doch letztlich entscheide jedes Amt selbst, wie viel Bürofläche es beanspruche. «Der tatsächliche Bedarf an Büroflächen muss regelmässig überprüft werden», fordert Christ.
Eine parlamentarische Untersuchung soll klären, ob die Verwaltung die Folgen des Home-Office-Booms für ihre Infrastruktur im Griff hat. Wohin das Ganze führen kann, zeigt sich beim Bundesamt für Informatik in Zollikofen bei Bern, wo eine neue Mensa wegen mangelnder Nachfrage nur noch drei Tage die Woche – von Dienstag bis Donnerstag – geöffnet hat, wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt.