Schon fast zwei Jahre vor der ersten Strafanzeige gab es Verdachtsmeldungen gegen den mutmasslichen Serientäter, der laut Anklage fünfzehn Kinder in Kitas in Winterthur und Bern sexuell missbraucht haben soll. Trotzdem wurden die Taten nicht verhindert. Das zeigen Recherchen der «NZZ am Sonntag».

Bereits im Oktober 2020 wandte sich eine Mutter mit einem Hinweis an die Winterthurer Kita: Ihre dreijährige Tochter hatte zu Hause erzählt, der Betreuer ziehe sich Handschuhe an und gehe damit in den Schlafsaal, wo er Kinder «streichle». Später meldete laut der Zeitung auch ein Lehrling der Kita grenzüberschreitendes Verhalten: Er hatte den heutigen Angeklagten dabei überrascht, wie sich dieser in ungewöhnlicher Weise über ein schlafendes Kind beugte und es streichelte. Dennoch konnte der Täter in Winterthur sieben Kinder missbrauchen. Die Dachorganisation der Kita schreibt auf Anfrage zu den früheren Verdachtsmeldungen, es handle sich um «völlig neue Sachverhalte, die den heutigen Verantwortlichen komplett neu» seien. Man wolle diesen nachgehen. «Nach heutigem Wissensstand haben wir jederzeit angemessen auf allfällige Meldungen reagiert», so die Organisation.
Als es dann im Sommer 2022 zu einer Strafanzeige kam, konnte der mutmassliche Täter trotz den Ermittlungen in eine Berner Kita wechseln. Auch dort missbrauchte er mehrere Kinder. In Winterthur hatte er laut der «NZZ am Sonntag» nach der Strafanzeige ein Zwischenzeugnis erhalten, in dem steht, «das Thema ‹Nähe und Distanz›» sei «als Entwicklungsziel festgelegt» worden, «worin auch Fortschritte ersichtlich waren». Die Ermittlungen gegen ihn wurden zunächst eingestellt, erwischt wurde er später nur durch Zufall beim Konsum von Kinderpornografie im Internet.
Grüne fordern Gratishalbtax für alle
Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter will mit einem neuen Vorstoss das Halbtax für alle gratis machen – eine Idee, die sie vor zwei Jahren erfolglos im Parlament eingebracht hatte. Aktuell kostet ein Halbtax 190 Franken und für junge Menschen bis und mit 24 Jahren für 120 Franken. Ginge es nach Schlatter, sollten diese Kosten wegfallen, um das Bahnfahren günstiger zu machen. Schlatter zu «SonntagsBlick»: «Statt über Atomenergie zu reden und das Bahnfahren teurer zu machen, sollte Bundesrat Rösti für die Energiewende arbeiten – und das Bahnfahren günstiger machen. Dazu gehört ein Gratishalbtax für alle.»

Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone doppelt nach: «Wegen Röstis Anti-Klima-Kurs spürt die Bevölkerung Preissteigerungen stärker. Wir müssen uns so schnell wie möglich von der Abhängigkeit von Öl und Gas befreien, und die Bevölkerung muss unterstützt werden. Ein guter Weg ist die Senkung des ÖV-Ticketpreises.» Der Bundesrat hatte 2023 das Gratishalbtax aus Kostengründen abgelehnt: Dadurch würden rund 700 Millionen Franken pro Jahr im ÖV fehlen. Allerdings haben die SBB allein letztes Jahr 500 Millionen Franken Gewinn gemacht. Finanziellen Spielraum gäbe es also durchaus
Psychiater wehren sich für Therapie mit Stromschlägen
Es klingt brutal, aber Fachleute sind sich einig: Die sogenannte Elektrokonvulsionstherapie (EKT) sei bei psychischen Störungen wie schweren Depressionen oder manischen Episoden sehr erfolgreich – und sicher. Bei der EKT werden kurze Stromimpulse durch den Kopf der Patienten geschickt. Dadurch wird das Gehirn alarmiert, das darauf Hunderte Wachstumsprozesse in Gang setzt.
Die WHO allerdings hält wenig von dieser Methode. Die Organisation warnt vor Hirnschäden und Gedächtnisstörungen. Sie möchte EKT für Kinder ganz verbieten. Und Erwachsene sollen nur dann behandelt werden dürfen, wenn eine schriftliche Einwilligung vorliegt. Fehle diese, sei EKT als Folter zu betrachten. Das empört die Fachwelt. Die WHO-Forderung sei «massiv überzeichnet», sagt etwa Annette Brühl, Chefärztin an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, gegenüber der «SonntagsZeitung».
Lehrerverband legt Positionspapier zum Kopftuch vor
Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) wird wohl noch im April ein Positionspapier zu Kleidervorschriften an Schulen vorlegen. Der Frage, ob Schülerinnen und Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen, wird darin viel Platz eingeräumt. Erstere hätten das Recht, ein Kopftuch zu tragen, hält das Positionspapier klipp und klar fest. Anders sieht es bei den Lehrerinnen aus. Für Lehrpersonen gelte «die konfessionelle Neutralitätspflicht» an öffentlichen Schulen besonders stark, heisst es im Entwurf des Positionspapiers, welcher der «NZZ am Sonntag» vorliegt. Und weiter: «In der Schulpraxis bedeutet das, dass Lehrpersonen auf sichtbare religiöse Symbole verzichten müssen, um keinen Eindruck einer staatlichen Parteinahme für eine Religion zu erwecken.»

Ob das Positionspapier aber in dieser Form tatsächlich verabschiedet wird, ist noch nicht entschieden. «Mir ist klar, dass dies für den Verband eine durchaus schwierige Diskussion ist», sagt die LCH-Präsidentin Dagmar Rösler gegenüber der «NZZ am Sonntag». Man bewege sich zwischen dem Bundesgerichtsurteil und der Haltung jener, die finden, qualitativ hochstehender Unterricht sei wichtiger als die Frage, ob jemand ein Kopftuch trage oder nicht. Diese Diskussion aber nicht zu führen, hätte für den Verband letztlich bedeutet, dass er sich in dieser Frage gar nicht mehr äussern könnte. «Das wäre meiner Meinung nach nicht der richtige Weg», sagt Rösler.
Umfassende Studie: Solar viel teurer als Wind und neue AKW
Die Axpo lanciert mit einer breit abgestützten Studie eine Kontroverse: Gemäss den Berechnungen der Verfasser ist Fotovoltaik auf Dächern «bei weitem teuerste» Technologie zur Stromerzeugung. Selbst 2050 werde Solarstrom noch teurer sein als Strom von einem neuen AKW. Solaranlagen brauchen gemäss der Studie doppelt so hohe Subventionen wie Atomstrom und drei mal so viel wie Windturbinen.

An der Studie haben die ETH, das Paul-Scherrer-Institut sowie Verbände wie der WWF und Energiepolitiker mitgearbeitet. Brisant: Die Studie wertet auch die Regel, wonach Solaranlagenbetreiber weniger Netznutzungskosten zahlen müssen, als implizite Subvention. Sie widerspreche dem Verursacherprinzip und benachteilige Haushalte ohne Solaranlage. Das sind insbesondere Mieter. Jürg Grossen, Chef des Verbandes Swisssolar, kritisiert in der «SonntagsZeitung», die Studie verwende «fragwürdige Methoden» und wirft dem Konzern Schönrechnerei vor. (has/jbl)
