Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider geht von einer hohen Dunkelziffer bei Vergewaltigungen mit Betäubungsmitteln wie K.-o-Tropfen aus. «Die Französin Gisèle Pelicot hat das Schweigen gebrochen und uns die Abgründe der Menschheit gezeigt. Das ist kein Einzelfall, weitere Fälle werden ans Licht kommen», sagt Baume-Schneider im «SonntagsBlick»-Interview. «Die Gesellschaft ist nun besser sensibilisiert und betroffene Frauen sehen: Das, was mir passiert, erleben auch andere. Ich habe das Recht, Stopp zu sagen, zu gehen oder um Hilfe zu bitten.»

Aktuell sind zwei Männer im Aargau in Untersuchungshaft, die Frauen betäubt und vergewaltigt haben sollen. «Wir brauchen mehr Prävention durch Aufklärung, und es braucht Strafbehörden, die die Taten konsequent verfolgen», sagt Baume-Schneider. «Betroffene sollen nicht zögern, Hilfe zu holen und sofort ein Spital aufzusuchen. Es braucht auch Weiterbildungen: zum Beispiel von medizinischen Fachpersonen oder der Polizei, damit sie Opfer erkennen und gut begleiten können. Die Prävention sexualisierter Gewalt ist einer der Schwerpunkte der neuen nationalen Strategie gegen Gewalt.»
Jeder zweite Bundesrat wurde bespitzelt – und fichiert
1990 brannten vor dem Bundeshaus Autos, als die Fichenaffäre die Schweiz erschütterte: Hunderttausende unbescholtene Bürgerinnen und Bürger wurden teils über Jahrzehnte staatlich überwacht. Nun zeigt die Recherche der «SonntagsZeitung»: Selbst vor der Regierung machte der Staat nicht halt. Insgesamt 39 Bundesräte wurden fichiert. Von den Magistraten, die im Zeitraum der Fichierung (1930 bis 1989) volljährig waren, ist das fast jeder zweite.
Erstmals veröffentlicht die SonntagsZeitung jetzt die Fichen von so bekannten Regierungsmitgliedern wie Elisabeth Kopp, Hans-Rudolf Merz oder Christoph Blocher. Elisabeth Kopps Staatsschutzakten dokumentieren Investitionen in ein fragwürdiges Krebsprojekt. In Christoph Blochers Fichendossiers geht es um Spionageverdacht bei Rüstungsunternehmen. Moritz Leuenberger gibt ebenfalls erstmals Einblick in seine Fiche: Polizeibeamte hätten bewusst gelogen, sagt der frühere PUK-Präsident im Interview mit der «SonntagsZeitung».
Schluss mit Schoggi-Werbung für Kinder
Viele Kinder und Jugendliche in der Schweiz sind übergewichtig. Nun will der Bund die an Kinder gerichtete Werbung für Chips, Schoggi und Energy-Drinks stark reduzieren. In den vergangenen Monaten hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gemeinsam mit der Lebensmittelbranche eine Vereinbarung zur Selbstregulierung erarbeitet, die der «NZZ am Sonntag» vorliegt. Darin verpflichten sich die unterzeichnenden Firmen, Werbung für zu süsse, salzige und fettige Produkte, die sich an Kinder unter 13 Jahren richtet, einzuschränken.

Konkret sollen etwa Werbung an Primarschulen und Werbeplakate im Umkreis von 50 Metern um diese verboten werden. Auch vor Kindersendungen im Fernsehen und auf Websites, deren Zielpublikum zu mindestens 30 Prozent aus unter 13-Jährigen besteht, soll keine Junk-Food-Werbung mehr präsentiert werden. Ob die Selbstregulierung in Kraft tritt, hängt nun davon ab, ob genügend Firmen mitmachen. Bis jetzt sieht es danach aus: Die grossen Detailhändler Coop, Migros, Aldi und Lidl, aber auch Nestlé, Coca-Cola, Emmi und Rivella schreiben auf Anfrage, dass sie die Vereinbarung unterzeichnen wollen.
Es gibt auch ablehnende Stimmen, etwa Chocosuisse und Danone. Das Ziel des Bundes ist es, dass die Vereinbarung bis Ende dieses Jahres unterzeichnet wird und die neuen Regeln Anfang 2027 in Kraft treten.
Studie: KMU wollen sich für Kinderbetreuung engagieren
Kinderbetreuungspflichten der Angestellten hemmen die Produktivität von Schweizer KMU. Dies geht aus einer repräsentativen Studie des Forschungsinstituts Sotomo hervor, die dem «SonntagsBlick» exklusiv vorliegt. KMU leiden besonders unter den mit Betreuungspflichten verbundenen Personalausfällen und Pensenreduktionen. Angesichts des Fachkräftemangels sind KMU-Führungspersonen zunehmend bereit, sich finanziell und strukturell bei der Kinderbetreuung ihrer Angestellten zu engagieren. Dadurch hoffen sie auf einen Wettbewerbsvorteil im Ringen um Arbeitskräfte und eine höhere Produktivität. Soziologe Marco Giesselmann von der UZH warnt allerdings vor zu grossen Erwartungen.
Ex-Zuhälter: «Keine Frau macht das freiwillig»
Im Rotlicht-Milieu würden die Frauen von ihren Zuhältern «Nutztiere» genannt. Sie seien «eine Ware, die verkauft wird – nicht nur an Männer für Sex, sondern auch an andere Zuhälter». Das sagt Kassra Zargaran, der als Mitglied der Hells Angels selber jahrelang Zuhälter war.

Nach seiner Verhaftung kooperierte er mit den Behörden, unterdessen lebt er im Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort. Er habe in all den Jahren keine Frau gesehen, die sich freiwillig prostituiert habe, sagt Zargaran im Gespräch mit der «SonntagsZeitung». Er kritisiert, dass Prostitution legal ist. Dadurch habe sich das organisierte Verbrechen ungehindert ausbreiten können. (has)