Waffenverbot mit Hintertür: Kantone bewilligen Tausende Ausnahmen

Der Amoktäter von Aarau tötete mit einer Kalaschnikow, die seit der Gesetzesrevision 2019 als «verbotene Waffe» gilt. Doch solche halbautomatischen Gewehre mit grossem Magazin werden weiterhin in grosser Zahl legal erworben, wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen. Die kantonalen Polizeien stellen dafür massenhaft Ausnahmebewilligungen aus: Der Thurgau erteilte in den letzten sieben Jahren 5314, Basel-Landschaft 1865, Genf 1265. Der Kanton Wallis bewilligte allein dieses Jahr 386 Gesuche und lehnte nur 2 ab; in Neuenburg kommt auf jeden vierten Waffenerwerbsschein eine Ausnahmebewilligung.
Hochgerechnet sind seit dem Verbot laut «NZZ am Sonntag» Zehntausende dieser Waffen verkauft worden – eine genaue Zahl kennt niemand, weil kein nationales Register existiert und diverse Kantone keine Statistiken führen. Die vielen Ausnahmen sind die direkte Folge des Gesetzes, das Sportschützen und Sammlern den Erwerb weiterhin relativ problemlos ermöglicht. Zudem konnten Personen, die ihre Waffe vor dem neuen Gesetz gekauft hatten, diese ohne weitere Überprüfungen behalten. Davon profitierte auch der Täter von Aarau, der seine Waffe 2005 gekauft hatte.
ETH-Professoren bezweifeln Kosten für neue AKW

Professoren der ETH Zürich bezweifeln nach Angaben der «NZZ am Sonntag» die von den Akademien der Wissenschaften genannten Kosten von bis zu 43 Milliarden Franken für ein neues Atomkraftwerk. Der Zeitung liegt ein Brief von sieben Forschenden der ETH Zürich, der EPFL Lausanne und des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) vor. Die Wissenschaftler werfen darin der Akademien der Wissenschaften Schweiz vor, irreführend gearbeitet zu haben, monieren fehlende Transparenz sowie methodische Schwächen und nicht nachvollziehbare Annahmen. So sei «nicht nachvollziehbar» und «unklar», wie die 43 Milliarden Franken überhaupt berechnet worden seien. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» haben sich der Studienautor Urs Neu sowie der Präsident der SCNAT erklärt. Sie halten an der Zahl von 43 Milliarden Franken fest, räumen aber bei der Berechnung einen peinlichen Lapsus ein. Wegen eines «Tippfehlers» habe sich eine falsche Zahl in die Publikation geschlichen, und so sei die Herleitung der Zahl nicht mehr ganz klar. «Für den Hinweis auf diesen Fehler bedanken wir uns und werden dies korrigieren.»
Missbrauchsfall um Zürcher Arzt weitet sich aus

Anfang Juli dieses Jahres wird in Zürich ein Arzt verhaftet. Er soll jahrelang Patientinnen in seiner Praxis sediert, nackt gefilmt und missbraucht haben. Nun zeigen Recherchen der «NZZ am Sonntag», dass der österreichische Gastroenterologe den Behörden bereits seit sechs Jahren bekannt ist. Eine erste Strafanzeige wurde schon 2020 gegen ihn in Zürich eingereicht: Eine junge Frau warf ihm vor, er habe sie nackt fotografiert und bei einer Darmspiegelung sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen, während sie sediert gewesen sei. Als die Polizei daraufhin im April 2020 seine Praxis durchsucht, stellt sie neben seinem Handy auch eine Spy Cam sicher, mit der man heimlich Videos aufnehmen kann.
Obwohl gegen ihn ermittelt wird, darf der Arzt weiter praktizieren. Aber Recherchen zeigen, dass er sich weiterhin an Patientinnen verging: Die «NZZ am Sonntag» hat mit zwölf Patientinnen und Pharmavertreterinnen in der Schweiz und in Österreich gesprochen. Sie berichten von starken Unterleibsschmerzen nach Darmspiegelungen. Die Polizei spricht von einer «grossen Datenmenge», die sie konfisziert habe, und rät Betroffenen, Fotos von sich mit dem «sichergestellten Material» abzugleichen. In Österreich, wo inzwischen ebenfalls ermittelt wird, sprechen die Behörden von Opferzahlen im zweistelligen Bereich. Die Zahl sei «am Steigen».
Private Firma greift SBB mit Billigzug an

Am Mittwoch kommt es zu einer Premiere: Dann hält der European Sleeper im Bahnhof Aarau. Von dort aus kann man in diesem Nachtzug eines privaten Anbieters laut SonntagsZeitung für umgerechnet 47 Franken nach Brüssel fahren. Zum Vergleich: Dieselbe Strecke kostet bei den SBB rund 220 Franken. Der European Sleeper wird von einer belgisch-niederländischen Genossenschaft betrieben. In der EU dürfen private Anbieter Passagiere befördern, wenn sie Trassen und Bewilligungen haben. Für die Fahrt durch die Schweiz braucht es zusätzlich die Kooperation mit einem inländischen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Ein solches wurde letztes Jahr mit Sitz in Zürich für den European Sleeper gegründet.
Die Schweiz wird grauer

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat exklusiv für die SonntagsZeitung Daten ausgewertet: Welche Lackierungen hatten neu zugelassene Autos auf Schweizer Strassen in den letzten 40 Jahren? Das Ergebnis ist eindeutig: Die Farbigkeit hat in diesem Jahrhundert markant abgenommen. Im Jahr 1985 war bei Neuwagen Rot mit einem Anteil von knapp 23 Prozent die beliebteste Farbe, heute ist dieser Wert auf 3,8 Prozent geschrumpft. Dafür machen Weiss, Schwarz und Grau mittlerweile zusammen fast 80 Prozent aus. Wie weitere Datenanalysen der SonntagsZeitung zeigen, sind diese Nichtfarben auch in anderen Bereichen dominierend – etwa bei der Kleidung und bei Möbeln.
Islamisten kündigen Referendum gegen Kopftuchverbot an

Nachdem der Zürcher Kantonsrat am Montag für ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen stimmte, preschen jetzt radikale Muslime vor. Wie der SonntagsBlick berichtet, gründen Kreise um den Islamischen Zentralrat ein Referendumskomitee und kündigen an, das Verbot vor das Volk bringen zu wollen. Ferah Ulucay, ehemalige Generalsekretärin des fundamentalistischen Islamrats, bestätigt gegenüber SonntagsBlick: «Wir sind daran, ein Komitee gegen dieses islamfeindliche Verbot zu gründen.» Und weiter: «Wir sind offen für alle Parteien und alle Glaubensrichtungen.» Jeder, der sich gegen das Kopftuchverbot engagieren wolle, könne sich dem Komitee anschliessen. Sie bestreite aber nicht, dass der Islamische Zentralrat, dessen Führung wegen Terrorpropaganda vorbestraft ist, «Teil des Komitees» ist und dieses «logistisch und organisatorisch» unterstützt.
Schweiz Tourismus wirbt künftig ohne Roger Federer

Bye bye, Roger. Laut dem CEO von Schweiz Tourismus, Martin Nydegger, findet die neue Herbstkampagne ohne den Tenniscrack statt. «Roger Federer hat fantastische Arbeit geleistet, wir sind ihm extrem dankbar», sagt Nydegger im SonntagsBlick-Interview. Finanzielle Gründe seien dafür nicht ausschlaggebend gewesen: «Das hat nichts mit der Finanzierung zu tun, sondern mit einer Neuausrichtung unserer Kampagnen. In Kürze startet die neue Herbstkampagne», sagt Nydegger. Nach fünf Jahren mit Roger Federer in der Hauptkampagne wolle Schweiz Tourismus dieses Jahr etwas Neues und Überraschendes machen. Das bedeute jedoch nicht, dass sie gar nicht mehr mit Roger Federer arbeiten werden.