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Wintersport

«Traumhafte Tage»: Skigebiete erleben Ansturm – eine Stunde warten auf ein Cüpli?

Der Jahreswechsel bescherte Schweizer Skigebieten rekordverdächtige Gästezahlen. Dank Traumwetter strömten Tausende auf die Pisten – und brachten bisweilen auch die Gastronomie an den Anschlag.
In Arosa gab es einen Besucherrekord: Dank hoher Kapazität wurde bei diesem Lift aber nur rund 10 Minuten angestanden.
Bild: Patrik Müller (Tschuggen, 31. Dezember 2024)

Das schöne Wetter um den Jahreswechsel sorgte für lange Schlangen in den Skigebieten. Da es auch genug Schnee hatte, durften sich Wintersportler über perfekte Bedingungen freuen. In Arosa Lenzerheide waren am 30. Dezember gut 28’000 Personen im Skigebiet, ein absoluter Tagesrekord, wie die Bergbahnen auf Anfrage von CH Media mitteilen. Auch an den anderen Tagen gab es jeweils über 20'000 Ersteintritte.

Das Wetter hat vielerorts für ein ausserordentlich hohes Gästeaufkommen gesorgt. In Laax wurde bis am 24. Dezember noch ein leichter Rückgang bei den Ersteintritten registriert, dies lag laut Martina Calonder, Mediensprecherin, am vielen Neuschnee und starken Wind. «Ab dem 25. Dezember galten schliesslich perfekte Wintersportbedingungen mit anhaltendem Sonnenschein, was für gute Laune bei unseren Gästen sorgte.»

Das Wetterhoch zeigt sich in Laax auch in den Besucherzahlen ab dem 25. Dezember bis und mit 1. Januar 2025: «Hier liegen wir 6,5 Prozent über dem Vorjahr. Der Spitzentag war der 30. Dezember mit 17’845 Ersteintritten», so Calonder. Rekordeintrittszahlen seien aber nicht erreicht worden.

Auch in Davos und Klosters kann man auf ein erfolgreiches Festtagsgeschäft zurückblicken. Sowohl die Ersteintritte ins Skigebiet wie auch die Logiernächte in den Mountain Hotels und Resorts lagen laut Medienstelle über den Werten der bereits erfolgreichen Vorjahresperiode. Dies dank perfektem Ski- und Terrassenwetter. Auffallend sei zudem die erhöhte Anzahl ausländischer Touristen, insbesondere aus dem englischsprachigen Raum, gewesen. Genaue Zahlen liegen allerdings noch nicht vor.

Hervorragende Pistenverhältnisse in der Ostschweiz

Auch im Pizol konnte man laut CEO Reto Staub von der guten Konstellation aus viel Schnee, der optimalen Beschneiung im Voraus und dem sonnigen Wetter der vergangenen Tage profitieren. «Wir konnten aus dem Vollen schöpfen und sämtliche Angebote an die Besucherinnen und Besucher bringen», sagt Staub auf Anfrage.

Mit den letzten Tagen des Dezembers habe der Vorjahresdezember übertroffen werden können, da sie seit dem 26. Dezember «Top-Tage» hatte. An Spitzentagen verzeichnet das Skigebiet Pizol mehr als 6'500 Gäste – dies war laut Staub am Donnerstag, 30. Dezember, der Fall. Da sei es auch teilweise zu kurzen Wartezeiten an den Liften gekommen. Alles in allem hätten sich die Besuchenden jedoch gut verteilt.

Mit rund 65 Pistenkilometern ist Flumserberg das grösste Skigebiet in der Ostschweiz. Katja Wildhaber, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt auf Anfrage, dass die Wetterverhältnisse seit dem 25. Dezember sehr gut waren. «Wir hatten tagtäglich strahlend blauen Himmel. Die Pistenverhältnisse waren hervorragend.» Das habe ihnen ermöglicht, den Besucherinnen und Besuchern viele Möglichkeiten zu bieten: Von den Skipisten über die Langlaufloipen und Winterwanderwege konnten sie das gesamte Angebot nutzen. Daher hätten sich die Gäste gut verteilt.

Von den Besucherzahlen her war das Gebiet gut ausgelastet. Laut Wildhaber hatte das Skigebiet Flumserberg rund 11'000 Gäste pro Tag: «Es waren traumhafte Tage.» Gemäss erstem Feedback waren auch die Gäste zufrieden.

«Im Mittelland gab es ein Bedürfnis nach Sonne»

Auch im Gebiet Engelberg-Titlis gibt es Grund zur Freude. Auf Anfrage von CH Media sagte Marketingleiter Urs Egli: «Wir haben ja bereits seit Oktober offen, und schon der November war gut. Und nun haben wir perfekte Schnee- und Pistenbedingungen, auch im Tal Engelberg. Die Schönwetterperiode über die Festtage führte bei uns zu sehr guten Frequenzen mit einzelnen Rekordwerten. Dazu hat sicher auch der Hochnebel beigetragen, im Mittelland gab es ein Bedürfnis nach Sonne.» Genaue Zahlen zum Besucheraufkommen nennen die Titlis Bergbahnen als börsenkotiertes Unternehmen nicht.

Rekorde in Hoch-Ybrig

Wie SRF am Donnerstag schreibt, sind auch im Schwyzer Skigebiet Hoch-Ybrig von neuen Rekorden die Rede. Laut Wendelin Keller, Chef der Bergbahnenbetreiber, waren jeden Tag etwa 5500 Personen im Skigebiet: «Ein sensationeller Start in die Saison.»

In Andermatt-Sedrun-Disentis darf man ebenfalls zufrieden sein. Dort verzeichnet man Eintritte über dem Vorjahresdurchschnitt. Auch die Hotels seien gut gefüllt, wird Marketingleiter Pascal Schär zitiert.

Bis zu 6000 Besuchende täglich in Sörenberg

Auf Anfrage von CH Media zeigte sich auch Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg AG, hocherfreut über die aktuelle Situation. «Wir haben gute Schnee- und Pistenverhältnisse, es ist fantastisch», sagt er auf Anfrage. Täglich seien derzeit zwischen 5000 und 6000 Besuchende im Skigebiet Sörenberg LU, das seien sehr gute Werte. «Und es gab praktisch keine Wartezeiten, alles hat sich gut verteilt.» Auch mit der neuen Luftseilbahn zum Brienzer Rothorn ist Schnider sehr zufrieden, der Betrieb verlaufe störungsfrei, und er freue sich auch, dass die Abfahrt ins Tal bislang immer offen war. Trotz allem mahnt der Verwaltungsratspräsident aber auch: «Die Saison ist noch lang, es warten noch rund hundert Tage auf uns. Aber der gute Start ist natürlich Gold wert und motiviert uns. Der Wintersport hat Zukunft.»

Die guten Bedingungen kommen auch den Skigebieten Grindelwald-Wengen, Grindelwald-First und Mürren-Schilthorn zugute. Laut den Betreibern seien viele Gäste am 28., 29. und 30. Dezember dem Nebel im Flachland auf die Schlitten- und Wanderwege entflohen. In Mürren konnten die Gäste von der neuen Gondelbahn profitieren, die just auf die Hochsaison hin eröffnet wurde. Nach drei Jahren Bauzeit ging Mitte Dezember die steilste Pendelbahn der Welt in Betrieb. Die Steigung beträgt knapp 160 Prozent.

Dichtestress auf der Bergterrasse

In der Westschweiz läuft es ebenfalls sehr gut. Pascal Bourquin, der Direktor der Bergbahnen von Grimentz-Zinal VS , spricht gegenüber SRF sogar vom «besten Dezember», den sie je hatten. In Verbier waren täglich über 20'000 Skifahrerinnen und Skifahrer auf den Pisten.

Und auch im Walliser Anzère wurde der Besucherrekord von 5723 Tageseintritten übertroffen – zweimal sogar. Die Besucherzahlen über die Feiertage seien «die besten aller Zeiten» gewesen, sagt der Präsident der Seilbahnen, Sébastien Travelletti.

Der Andrang führte nicht nur auf den Pisten, sondern auch in den Restaurants teilweise zu Dichtestress. Das Finanzportal «Inside Paradeplatz» titelte: « Arosa am Limit: 1 Stunde warten aufs Cüpli in Tschuggenhütte.» Das muss allerdings eher ein Einzelfall gewesen sein, wie Reaktionen anderer Gäste in der Kommentarspalte zeigen. Auch ein Reporter unserer Zeitung stellte vor Ort fest: Die Gastronomie war erstaunlich gut für den Ansturm gerüstet.