Rekordhitze

Dieser Sommer lässt niemanden kalt

Was für den Kultsünneler bestes Badewetter ist, bringt Gemüsebauern, Wildtiere und Gletscher an ihre Grenzen. 20 Schweizerinnen und Schweizer ziehen ihre persönliche Bilanz eines Sommers der Extreme.
Sie geniesst das Sonnenbad, natürlich mit Sonnenschutz.
Bild: Guido Röösli

Dieser Sommer kennt kaum Pausen: Hitze, Trockenheit und Sonne bestimmen seit Wochen den Alltag. Doch was auf dem Thermometer für alle gleich aussieht, wird ganz unterschiedlich erlebt. Für die einen ist es ein Traumsommer, für andere werden die Folgen der Hitze immer deutlicher. Wir haben Menschen aus der ganzen Schweiz gefragt, wie sie diesen aussergewöhnlichen Sommer erleben – und was ihnen davon bleiben wird.

Peter Nyffeler, Kultsünneler aus Oftringen AG

Peter Nyffeler aus Oftringen AG läutete am 8. Mai die Badesaison im Seebad Eich LU ein, da seine Lieblingsbadis noch nicht offen waren.
Bild: Manuela Jans-Koch

«So einen Sommer habe ich noch nie erlebt. Es ist der erste ohne Regen und mit durchgehender Hitze. Früher war es auch schon heiss, aber es hat nach ein paar Tagen doch immer mal wieder geregnet. So ein Sommer wie dieses Jahr ist geil. Ich brauche es heiss und es macht mir auch nichts aus. Sonnenbrand hatte ich nie und ich war jeden Tag am Wasser. An Wochentagen waren wenige Leute an der Aare, aber an den Wochenenden war alles voll, wie in den Badis. Nur noch solche Hitzesommer wären für mich kein Problem. Gegen Ende des Jahres gehe ich ja auch nach Ägypten, wo es dann immer noch heiss ist. Bald soll es hier kühler werden und dann ist der Sommer auch schon wieder vorbei. Es geht schnell.»

Claudia Keel-Graf, Chefin der Brauerei Sonnenbräu in Rebstein SG

Brauerin Claudia Keel-Graf freut sich über mehr Absatz.
Bild: zvg

«Ich habe diesen Hitzesommer sehr positiv erlebt – sonnige und warme Tage sorgen für viele gesellige Momente, bei denen natürlich auch gerne ein kühles Bier genossen wird. Spannend ist aber: Beim Bier gilt nicht automatisch ‹je heisser, desto besser›, denn ab Temperaturen von rund 28 Grad geht der Absatz bereits wieder etwas zurück und der Griff zum alkoholfreien Bier wird häufiger. Das spielt auch uns in die Karten: Mit unseren 24/7 0.0%-Produkten konnten wir den Umsatz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln. Insgesamt dürfen wir auf einen erfreulichen Biersommer zurückblicken.»

Ludwig Hasler, Autor und Philosoph

Ludwig Hasler hofft auf Gewitter.
Bild: Damian Poffet

«Als ich zur Schule ging, ab 1950, gab es Heuferien, nie hitzefrei. Bauern brauchten haufenweise Hilfe: Gras mähen, zetteln, wenden, als Heu einbringen, alles von Hand. War schweisstreibend, die Brämen stachen zu, wir waren trotzdem glücklich, auch weil es beim Bauern Wurst und Speck in rauen Mengen gab. Und erstmals Bier für uns Buben. Wir liebten die Sommer, sie schienen endlos, wir immer draussen, barfuss, stauten Bäche, kriegerten im Schlössli-Wald. Später begann das Adoleszenz-Theater in der Badi, auch heiss. Zum Fürchten waren nur Gewitter, nie die Hitze. Heute – 35 Grad, 35 000 Hitzetote, Flammeninferno, Dürre – lese ich ‹Wenn der Wald brennt› der Philosophin Joelle Zask. Und – dreht die Natur grad durch? Eher wir. Wir haben einen feudalen Lebensstil entwickelt, dummerweise vergassen wir die elementaren Bedingungen, die dafür nötig wären. Das wollen wir nicht kapieren. Wahrscheinlich verbrennt die Hitze auch Hirnzellen. Besser als die gequälten Tiere sind wir auch so dran. Ich ziehe die Fensterläden zu und hoffe auf Gewitter.»

Ramon Zenhäusern, Skiprofi

Skirennfahrer Ramon Zenhäusern musste das Training abbrechen.
Bild: Anthony Anex/Keystone

«Bis Sonntag war ich in Saas Fee im Training. Danach wurde der Betrieb aus Sicherheitsgründen geschlossen. Für mindestens zwei Wochen. Doch wenn es weiter so heiss bleibt, kann ich mir vorstellen, dass die Pause länger dauern wird. Denn der Gletscher ist dermassen in Bewegung. Ich habe jeweils um 6 Uhr mit dem Training begonnen. Bis 10.30 oder 11 Uhr waren die Verhältnisse erstaunlich gut. Aber der Aufwand, um eine Piste zu präparieren, war enorm. Täglich mussten sie neue Spalten im Gletscher füllen. Ausserdem war auch Steinschlag ein Thema. Und es sieht nicht schön aus auf dem Gletscher, eher wie in einer Steppe. Sehr schmutzig, weil sich viel Sahara-Staub auf dem Gletscher angesammelt hat. Da blutet mir schon etwas das Herz. Denn je schmutziger der Gletscher, desto stärker der Rückgang. Weil in Europa ein Schneetraining kaum noch möglich ist, reise ich am Wochenende für einen Monat nach Neuseeland, wo ich auf Winterschnee trainieren kann. Ans andere Ende der Welt zu reisen, um trainieren zu können, irritiert vielleicht gewisse Menschen. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig.»

Albert Rösti, Bundesrat

Bundesrat Albert Rösti ist der Sommer nah gegangen.
Bild: Alex Spichale

«Für mich war es ein sorgenvoller Sommer. Als Umweltminister machte mich vor allem die Dauer dieser Hitze- und Trockenperiode betroffen. Man ist ja nicht in der Lage, unmittelbar das Wetter zu ändern, auch wenn man das gerne würde. Umso wichtiger ist es jetzt, die langfristigen Massnahmen zur Anpassung an die Klimaverhältnisse an die Hand zu nehmen. Mir ist bewusst, dass die Diskussion darüber emotional sehr stark aufgeladen ist und ich auch persönlich zur Zielscheibe wurde – das ist ein Teil des politischen Geschäfts. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass man die aktuelle Lage nicht instrumentalisieren soll. Schliesslich leiden nicht zuletzt die Bauern stark unter der gegenwärtigen Situation.»

Christian Koch, Chef des Sonnencremeherstellers Sherpa Tensing

Christian Koch ist CEO von Steinfels Swiss. Die Coop-Tochter stellt Sonnencreme unter der Marke Sherpa Tensing her.
Bild: Heiner H. Schmitt

«Ich habe den Hitzesommer einerseits wegen des schönen Wetters und den Abenden draussen sehr genossen. Gleichzeitig finde ich die tiefen Wasserstände und die Folgen für die Natur bedenklich, weshalb ich im Alltag bewusst Wasser spare. Sherpa Tensing hat die Produktionsmenge um über 25 Prozent gesteigert. Dank unserer eigenen Entwicklung und Produktion in Winterthur konnten wir schnell auf die gestiegene Nachfrage reagieren und die Kundinnen und Kunden jederzeit zuverlässig versorgen.»

Vik Hämmerli, Gemüsebauer aus Brüttelen im Berner Seeland

Gemüsebauer Vik Hämmerli hat wegen der Trockenheit lange Tage.
Bild: Anne-Camille Vaucher

«Einen solchen Hitzesommer habe ich noch nie erlebt. Extreme Wetterereignisse sind für uns Gemüsebauern nichts Neues, aber dass monatelang so extreme Hitze herrscht und kein Regen fällt, ist aussergewöhnlich. Weil es nicht regnet, müssen wir konstant bewässern. Wir sind meist von 5 Uhr morgens bis um 10 Uhr abends auf den Beinen für die Bewässerung. Die langen Arbeitstage hängen an, natürlich auch bei unseren Erntehelfern. Weil die Hitze am Nachmittag kaum zu ertragen ist, haben sie während des Höhepunkts der Hitzewelle um 5 Uhr morgens angefangen, damit Salat und Blumenkohl am Mittag geerntet waren. Nun hoffen wir auf eine Abkühlung, damit wir uns alle erholen können und bald wieder so frisch und knackig sind wie unser Gemüse.»

Liv Anderegg, Schülerin aus Bern

Die 13-jährige Liv Anderegg freut sich auf den Winter.
Bild: zvg

«So einen Sommer möchte ich nicht mehr erleben. Ich habe die ganze Zeit heiss, schwitze und muss ständig T-Shirts wechseln. Seit Montag gehe ich wieder in die Schule. Im Schulzimmer sind es etwa 35 Grad – zu heiss, um sich zu konzentrieren. Natürlich hätte ich lieber hitzefrei, doch das können wir vergessen. Diese Woche gingen wir immerhin in die Badi statt in die Turnhalle. Wir haben einen kleinen Ventilator im Schulzimmer, doch der bringt nicht viel. Er steht am Eingang und windet dem Lehrer zu. Das ist richtig asozial. Wenn ich hitzefrei hätte, würde ich vor allem zu Hause chillen. Diesen Sommer war ich mehr drinnen als sonst. In der Stadt ist es zu heiss: zu viel Beton, zu wenig Grün. Ich freue mich auf den Winter und den Schnee. Das ist meine liebste Jahreszeit.»

Reto Summermatter, Wildhüter im Vorderen Nikolaital, Wallis

Wilhüter Reto Summermatter sieht die Auswirkungen auf die Wildtiere.
Bild: zvg

«In einem Sommer wie diesem beobachten wir besonders deutlich, wie sich die anhaltende Hitze auf unsere Wildtiere auswirkt. Viele Tiere weichen in höhere Lagen aus oder suchen gezielt kühlere Orte auf: an Schattenhängen, in tieferen Waldlagen oder dort, wo noch Wasser vorhanden ist. Gleichzeitig sind vielerorts die Schneefelder früh verschwunden, die beispielsweise Gämsen und Steinböcken an heissen Tagen willkommene Abkühlung bieten. Hinzu kommt die Trockenheit: Sie wirkt sich auf die Vegetation und damit auch auf die Qualität des verfügbaren Futters aus. Unsere Wildtiere sind an das Leben im Gebirge und wechselnde Bedingungen sehr gut angepasst. Doch wenn Hitze und Trockenheit über längere Zeit anhalten, sehen wir bei unserer täglichen Arbeit draussen, dass auch für sie die Bedingungen zunehmend anspruchsvoller werden.»

Franz Hohler, Schriftsteller

Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler konnte die Hitzeflucht ergreifen.
Bild: Christian Beutler/Keystone

«Wir dachten ja immer, es treffe zuerst die andern, irgendwo in der Öde der weiten Welt, und nun trifft es uns. In unserm schönen Alpenland schreitet die Erwärmung doppelt so schnell voran wie im Weltdurchschnitt, und jetzt ist er da, der Ernstfall, auf den wir schon so lange warten, doch an einer ganz andern Front als vermutet, obwohl das Szenario seit Anfang der 70er Jahre bekannt ist, als der erste Bericht des Club of Rome erschien. Ich selbst konnte mit meiner Frau zweimal die Hitzeflucht ergreifen in unser Ferienhaus in Avers auf 2000 Metern, wo die Nächte kühler sind, aber die letzte Woche der dritten Welle haben wir in Oerlikon erlebt und mit der schwitzenden Mehrheit mitgelitten.»

Stefan Knezevic, Fussballer FC Luzern

FCL-Innenverteidiger Stefan Knezevic machte bei der Hitze der Schweiss unter seiner Maske zu schaffen.
Bild: Martin Meienberger

«Mich stören die hohen Temperaturen nicht. Wenn wir schon mal gutes Wetter haben, beklage ich mich nicht darüber. Ich liebe den Sommer. Trotzdem schlug ich mich zuletzt mit etwas herum, das mit der Wärme zu tun hatte: Die ersten drei Saisonspiele musste ich mit einer Maske absolvieren, weil mein Nasenbein gebrochen war. Aufgrund der Hitze schwitzte ich viel mehr und die Maske verrutschte oft. Obwohl ich den Schutz besser anziehen konnte, war der Schweiss gegen St. Gallen so gross, dass sich die Maske bereits nach wenigen Minuten wieder verschob. Deshalb schätzte ich einen hohen Ball falsch ein. Irgendwann hatte ich genug von diesem Schutz, das zweite Mal legte ich ihn in der zweiten Halbzeit ab und spielte ohne fertig. Zum Glück hat mir der Arzt jetzt gesagt, ich brauche die Maske nicht mehr. Bei aller Liebe für anhaltend schönes Wetter, werde selbst ich froh sein, wenn es irgendwann abkühlt und wir wieder bei 25 Grad spielen können.»

Jill Cathomas, Buvette Volière in Luzern

Jill Cathomas (links) und Co-Chefin Sara Zimmermann haben in der Buvette Volière in Luzern gut zu tun.
Bild: zvg

«Für meinen Geschmack ist es schon etwas zu heiss, vor allem, weil sich unser Kiesboden über den Tag stark aufheizt. Für die Natur sind Hitze und Trockenheit natürlich ein Problem, aber uns hilft das schöne, trockene Wetter - wir sind bis in den späten Abend sehr gut besetzt, was uns sehr freut! Was man auch merkt: Alkoholfreie Drinks laufen super-gut.»

Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH

Reto Knutti erlebt diesen Sommer als beklemmend.
Bild: Nora Nussbaumer

«Willkommen in den Klimaszenarien. Wir hatten Traumwetter zum Bergsteigen, aber nie habe ich so viele apere Gletscher gesehen und so viel Steinschlag erlebt. Wo auf der Karte ein Firnfeld ist, sucht man sich einen Weg im losen Schutt. Die Schweiz schwitzt und trocknet aus, genau wie vorausgesagt. Ein beklemmendes Gefühl, wenn man weiss, dass das nur der Anfang ist. Noch beklemmender ist es, zu sehen, dass zwar alle darüber reden, die politische und gesellschaftliche Bereitschaft zum Handeln aber bedenklich klein ist. Dabei haben wir es in der Hand, gemeinsam eine zukunftsfähige Schweiz zu gestalten. Als Konsumentinnen, als Geschäftsführer, als Politikerinnen. Die Lösungen sind längst da, und es lohnt sich, sie umzusetzen.»

Martin Nellen, Bergführer im Aletschgebiet und Sagenerzähler

Martin Nellen trauert um seinen schmelzenden Freund.
Bild: zvg

«Ich habe das Glück, ganzjährig auf einer Höhe von 1900 Metern über Meer zu leben, auf der Riederalp im Aletschgebiet. Die Temperaturen hier oben sind erträglich. Auf dem Aletschgletscher, eine gute Stunde von meinem Wohnort entfernt, organisiere ich Gletschertouren. Hatte ich in früheren Sommern stets einen festen Zugang zum Gletscher, schmilzt der Eisriese in diesem Jahr derart schnell, dass sich der Zustieg beinahe wöchentlich verändert. Der Schritt vom Felsen auf den Gletscher wird zur Herausforderung. Ende der Siebziger habe ich den Gletscher noch auf einer Höhe von 2000 Metern betreten, heute muss ich zusätzliche 150 Höhenmeter absteigen. Der Grosse Aletsch ist mir zu einem Freund geworden. Er nennt mich einen faulen Hund, nur weil ich mich beklage, dass der Weg für den Ab- und Aufstieg jedes Jahr länger wird.»

Fabio Molinari, Teamleiter Produktion bei Ricola

Fabio Molinari und sein Team stellen pro Tag 130 Tonnen Bonbons her - selbst in der aktuellen Hitzewelle.
Bild: Dimitri Hofer

«Ich arbeite seit 21 Jahren bei Ricola, aber einen solchen Sommer habe ich noch nie erlebt. Wir arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb von 4 bis 22 Uhr, wobei derzeit die Frühschicht wegen der Hitze am Nachmittag beliebter ist. In der Produktion sind gewisse Räume klimatisiert, während dies in anderen aufgrund der besonderen Anforderungen unserer Bonbonherstellung nicht möglich ist. Bei der Herstellung wird die Vorlösung der Bonbons auf 157 Grad erhitzt, um das Wasser zu verdampfen. Dies ist bei den aktuellen Temperaturen sehr schweisstreibend. Um dem entgegenzuwirken, steht allen Mitarbeitenden generell jederzeit genügend Wasser zur Verfügung und wir achten während besonders heissen Tagen auf ausreichend Erholungspausen.»

Rahel Wüthrich vom Glacéhersteller Kalte Lust in Olten

Rahel Wüthrich ist verantwortlich für die Gelaterias und Aussenstellen bei Kalte Lust.
Bild: zvg

«Wir haben diesen Hitzesommer definitiv intensiver erlebt als viele andere. Natürlich freuen wir uns über schönes Wetter, das hat sich dieses Jahr auch in unseren Zahlen gezeigt. Gleichzeitig sind wir mitten im Geschehen: in unseren Gelaterias, an Events oder bei Degustationen im Coop, wo einige unserer Sorten erhältlich sind, und natürlich im Büro, wo Bestellungen, Produktion und Logistik zusammenlaufen. Das macht riesig Spass, bedeutet aber auch viel Arbeit. Spätestens wenn wir am Ende des Tages all die glücklichen Glace-Schleck-Gesichter sehen und wir selbst noch ein Glace schnausen dürfen, wissen wir, warum es sich lohnt. Ich meine was gibt’s Schöneres, als Menschen glücklich zu machen?»

Enrico Maassen, Trainer FC St.Gallen

Enrico Maassen mag den Sommer lieber als den Winter – die Hitze macht im Trainingsbetrieb dennoch zu schaffen.
Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

«Die Hitze wirkt sich schon etwas auf den Trainingsalltag aus. Manch eine Einheit kürzen wir ab. Wir arbeiten vermehrt mit Kühlwesten, isotonische Getränke sind angepasst. Aber letztlich kannst du wenig tun. Eine Option wären Abendtrainings – diese wollten wir aber nicht einführen, weil die Wochenstruktur durcheinander geriete. Und weil die Spiele ja auch oft am Nachmittag stattfinden. Darauf soll das Team vorbereitet sein. Wir starteten mit einigen heissen Super-League-Partien. Das war aber nichts im Vergleich zum Europacup-Spiel in Tiraspol. Dort in Moldawien sahen wir, was es heisst, bei wirklich drückender Hitze zu spielen. Wobei ich persönlich ja lieber an einem heissen Augustnachmittag am Spielfeldrand stehe als an einem kalten Dezemberabend.»

Jeroen Dierssen, ehrenamtlicher Rheinputzer in Basel

Rechts im Bild ist Rheintaucher Jeroen Dierssen, wie er mit einem Vereinskollegen einen geborgenes Anker aus dem Rhein trägt.
Bild: zvg/Rheingeworfen

«Ich merke die Hitze und Trockenheit extrem. Für unsere Arbeit ist sie allerdings vorteilhaft. Wir können viel weiter in den Rhein rausschwimmen, weil es fast keine Strömung hat. Das erleichtert unsere Mission. Deshalb sind wir aktuell viel unterwegs. Wir nutzen jetzt jede Gelegenheit, um möglichst viel Abfall aus dem Rhein zu fischen. Diesen Sommer haben wir so schon Tram- oder Zugschienen, das wissen wir noch nicht genau, aus dem Fluss geholt. Aber es ist schon beeindruckend: Es gibt keine Stelle im Rhein, an der man nicht runtertauchen kann. Das gab es noch nie, soweit ich mich erinnere. Eine unschöne Seite sind die vielen toten Fische, die wir sehen. Und riesige Ansammlungen von Quaggamuscheln.»

Heinz Frank, Hobbypilot

Der Freiburger Heinz Frank kühlte sich in luftigen Höhen ab.
Bild: zvg

«Ich habe diesen Hitzesommer aus der Luft erlebt. Drei Wochen waren wir mit unserer Cessna über Grönland, dem Atlantik und Nordamerika unterwegs. Es war ein riesiges Abenteuer und für mich eine einmalige Reise. Ein Lebenstraum, der in Erfüllung ging. Wenn man eine Eislandschaft, Küstenlinien oder Wetterphänomene von oben betrachtet, wird die Welt zum Kunstwerk. Diese Perspektive fasziniert mich seit jeher. Gleichzeitig haben wir im Cockpit immer wieder über die Hitze und Trockenheit in Europa gesprochen. Die beiden Dinge lassen sich nicht voneinander trennen. Rund 5000 Liter Treibstoff haben wir auf unserer Reise verbraucht. Das ist die andere Seite dieser Leidenschaft. Ich will sie nicht beschönigen, aber auch nicht wegdiskutieren. Für mich bleibt die Aviatik ein Spannungsfeld: zwischen Faszination und Verantwortung, zwischen dem Wunsch, die Welt von oben zu erleben, und dem Wissen, dass dieses Erlebnis seinen Preis hat.»

Muriel Jeanneret, Gemeindepräsidentin La Brévine

Führt das «Sibirien der Schweiz» als Gemeindepräsidentin: Muriel Jeanneret.
Bild: zvg

«Unsere Gemeinde ist bekannt für ihren Kälterekord aus dem Jahr 1987, als minus 41,8 Grad gemessen wurden. Heisse Temperaturen sind wir weniger gewohnt. In den letzten Wochen war es zeitweise über 32 Grad warm. Trotzdem erlebte ich diesen Sommer als angenehm, denn nachts kühlte es stets ab. Das schätzen auch Touristen, die nach La Brévine kommen. Leider ging der Betreiber des einzigen Hotels Ende Juni Konkurs. Er hätte bestimmt einen phänomenalen Sommer verzeichnet. Wegen eines Fehlers im Buchungssystem reisten manche Gäste trotzdem an. Sie kamen bei Anwohnern unter oder wurden in andere Hotels, etwa in Les Ponts-de-Martel, umquartiert. Gefreut haben uns die vielen Velofahrer, die zum Beispiel in der Bäckerei Halt machten. Auf diesen Tourismus zählen wir auch künftig. Auch das Hotel öffnet bald wieder.»

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