Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) stellt sich gegen eine Zuckersteuer, wie sie in mehreren welschen Kantonen zurzeit gefordert wird. «Es greift zu kurz, wenn Süssgetränke besteuert werden», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. So würden die Konsumenten mit einer zusätzlichen Steuer bestraft. «Und dies, obschon ihnen heute die Industrie die nötigen Angaben vorenthält, um den Zuckergehalt auf einfache Weise erkennen zu können.»
Stalder ortet eine weitere Schwäche in der welschen Zuckersteuer. «Salze und Fette werden gar nicht erfasst. Diese sind aber genauso sehr wie Zucker verantwortlich für unausgewogene Ernährung.» Nicht zuletzt erachtet Stalder die Zuckersteuer als politisch chancenlos. «Das Parlament hat gerade das Lebensmittelgesetz neu verabschiedet. Es gab nicht einmal einen Konsens, auf den Nahrungsmitteln eine klare Deklaration des Zuckergehalts anzubringen.» Die SKS hatte erfolglos die verpflichtende Deklaration aller Nährwertangaben durchsetzen wollen.
Nestlé, Rivella und Co. reagieren
Dennoch hat die SKS ein Positionspapier zum Thema Zuckersteuer erarbeitet. Die SKS verlangt zunächst: die Nahrungsmittelindustrie solle ihre Kunden verständlich und vollständig über die Nährwerte informieren, etwa mit einem Ampelsystem. Der Kunde soll für jedes Produkt leicht erkennen können, wie viel Zucker, Fette und Salze drinstecken. Damit wäre die wichtigste Grundlage gelegt, so die SKS. «Erst dann kommt es für die SKS infrage, dass eine Lenkungssteuer oder -abgabe eingeführt wird.»
Konkret könne diese Lenkungssteuer nach dem Vorbild Grossbritanniens aufgesetzt werden. «Dort wird die Steuer durch die Hersteller und die Importeure bezahlt», sagt Stalder. Sie erachtet dies als sinnvoll. «Wer ist denn verantwortlich für den hohen Gehalt an Zucker, Salz und Fett? Das sind die Hersteller und die Importeure.» Die Hersteller würden aus diesen billigen Rohstoffen günstig ihre Produkte herstellen und mit hoher Marge verkaufen.
«So wird die Bevölkerung an süssen oder salzigen Geschmack gewöhnt.» Die Hersteller würden die Zusatzkosten auf die Kunden abzuwälzen versuchen, glaubt Stalder. «Dafür müssen sie jedoch ihre Preise erhöhen, ihre Produkte würden weniger nachgefragt.» Stalder fordert, dass die Einnahmen aus der Lenkungssteuer an die Bevölkerung zurückfliessen. «Es müsste den Steuerzahlern zugutekommen, etwa über eine bessere Prävention oder die Reduktion der Krankenkassenprämien.»
Für die Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) ist das Thema Zucker und Zuckersteuer ebenfalls aktuell, wie Co-Geschäftsführer Urs Furrer bestätigt. Im Fial-Vorstand sind unter anderen die Industriechefs von Migros und Coop vertreten sowie Nestlé-Schweiz-Chef Christophe Cornu und Rivella-Chef Erland Brügger, der auch den Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten präsidiert.
Furrer sagt: «Die Vorstösse für eine Zuckersteuer in den Westschweizer Kantonen sind aus Sicht der Nahrungsmittelindustrie nicht zielführend.» So seien verschiedene Faktoren für Übergewicht massgebend, wie zum Beispiel eine einseitige Ernährung und ein Mangel an körperlicher Bewegung.
Die Industrie engagiere sich zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung mit verschiedenen Programmen zur Ernährungserziehung und zur Bewegungsförderung. Mehrere Unternehmen wie Coop, Emmi, Migros oder Nestlé hätten 2015 die «Mailänder Erklärung» unterschrieben zur freiwilligen und schrittweisen Zuckerreduktion in Frühstücksflocken und Joghurts bis 2018.
«Gefordert sind aber auch Eltern und Lehrkräfte, die den Kindern in Sachen gesunder Ernährung und genügend Bewegung ein Vorbild sein sollten», sagt Furrer. Es gebe keine guten und schlechten Lebensmittel, aber gute und schlechte Ernährungsweisen.