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Sonntagspresse

Schluss mit Kultur im Radio? Keine Insekten mehr bei Coop und Gefängnisstrafe für Raserin

SRF muss sparen, das Kulturangebot im Radio könnte massiv abgebaut werden. Nach Migros zieht auch Coop nach und nimmt Insektenprodukte aus dem Sortiment. Eine junge Frau aus dem Kanton Glarus muss für Raserdelikte für vier Jahre ins Gefängnis – die News der Sonntagspresse.
Sparpläne bei SRF, keine Insekten mehr auf dem Teller und vier Jahre Gefängnis für Raserdelikte – Die Schlagzeilen aus der Sonntagspresse.
Bild: Alessandro Della Valle
 / Severin Bigler / Raphael Rohner

Steht SRF 2 Kultur vor dem Kahlschlag?

Die SRG steht vor einem massiven Sparprogramm – und das Kulturradio gerät unter Druck. Radio SRF 2 Kultur hat im ersten Quartal 2026 nach Informationen des SonntagsBlicks 28 Prozent bei den täglichen Nutzungsstunden verloren – so stark wie kein anderer SRF-Sender. Die Entwicklung bringt das Nischenprogramm in eine existenzielle Lage. Nach Informationen des SonntagsBlicks wird intern über ein Aus diskutiert. Als mögliches Szenario gilt eine nationale Kulturwelle, die ähnlich wie Radio Swiss Pop in der ganzen Schweiz ausgestrahlt würde – mit regionalen Zeitfenstern auf Deutsch, Französisch und Italienisch.

Andere Spartensender stehen weniger unter Druck: SRF News gilt als gesetzt und wichtig in Breaking-News-Situationen, Virus ist wichtig für den Zugang zum jungen Publikum – wobei bei Virus die lineare Ausstrahlung zur Diskussion steht. Die SRG bestätigt gegenüber Blick die Probleme: «Es ist eine Tatsache, dass Radio SRF 2 Kultur in den vergangenen Jahren an Publikum verloren hat. Wir arbeiten daran, das Angebot stärker am Nutzungsverhalten auszurichten.» Kulturinhalte würden zunehmend auch digital verbreitet, etwa über die SRF News App oder Play SRF.

Konkrete Entscheide seien jedoch noch nicht gefallen. Ab 2027 sinken die Einnahmen aus der Medienabgabe deutlich. Der Sparkurs hat direkte Folgen für das Personal: Nach Informationen des SonntagsBlicks erhalten bis Ende Juni zig Kaderangestellte die Kündigung. Weitere Entlassungen folgen bis Ende September. Bis 2029 muss die SRG 600 Leute feuern: «Die Mehrheit der geplanten Massnahmen wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2026 umgesetzt.»

BAG-Chefbeamter wirf der Pharma «Abzocke» und «Drohgebärden» vor

«Drohgebärden», «Angstmacherei» und «Abzocke». Diese schweren Vorwürfe hat Jörg Indermitte vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenüber der Pharmabranche an einer Fachtagung Anfang April erhoben. Die Präsentation mit dem offiziellen Logo des Bundesamtes liegt der «NZZ am Sonntag» vor. Darin kritisiert Indermitte auch das «intensive Lobbying» und die «Machtpolitik» der Branche. Zu den Preisvorstellungen bei den Medikamenten fragte er in den Saal mit vielen Pharmavertretern: «Wollt ihr uns für dumm verkaufen?»

Thomas de Courten, SVP-Nationalrat und Präsident von Intergenerika, kritisiert den Auftritt scharf. «Die Bundesverwaltung wäre zu Sachlichkeit und Ausgewogenheit verpflichtet», so der Baselbieter. «Politische Polemik ist völlig deplatziert.» De Courten wirft dem Chefbeamten «ideologische Scheuklappen» vor. Als Kadermann des Bundes könne er nicht so über eine volkswirtschaftlich derart bedeutende Industrie herziehen.

Das BAG «bedauert», dass der Auftritt teilweise als «zu konfrontativ» wahrgenommen worden sei. Der Vorgesetzte habe Indermitte auf das Referat angesprochen und ihn an die Gepflogenheiten einer «sachlichen Informationsvermittlung» erinnert. Während das Amt beschwichtigt, erhält der umstrittene Beamte Applaus von links. «Ich finde, diese Worte beschreiben das Verhalten der Pharma ziemlich genau», sagt die grüne Nationalrätin Manuela Weichelt.

Arbeitgeber attackieren über 50-Jährige, die ihr Pensum reduzieren

«Wenn wir unsere ­Arbeitskräfte im Inland so gut wie ­möglich einsetzen würden, ginge es uns allen besser.» Das sagt Patrick Chuard-Keller, der Chefökonom des Arbeitgeberverbands gegenüber der SonntagsZeitung. «Während viele Unternehmen händeringend nach Fachkräften ­suchen und die politische Debatte über die Steuerung der Zuwanderung die Agenda dominiert, leisten wir uns den Luxus einer inländischen Arbeitskraftreserve», schrieb Chuard-Keller kürzlich in einem Bericht.

Mit diesen Äusserungen zielt er auf eine ganz bestimmte Gruppe: die über 50-Jährigen, die ihre Pensen reduzieren. Der Arbeitgeberverband hat auch ein Label für diese Leute: «Lifestyle-Teilzeiter». Dies, weil Schweizerinnen und Schweizer ab 50 gemäss Zahlen des Bundes zunehmend weniger arbeiten – aber nicht, um sich weiterzubilden oder um Kinder zu ­betreuen, sondern weil sie zusätzliche Freizeit wollen. Dieses «ungenutzte Arbeitskräftepotenzial» entspreche gut 86’000 Vollzeitstellen und einem Lohnvolumen von 8 Milliarden Franken pro Jahr, sagt der Arbeitgeberverband.

Dem Staat und den Sozialversicherungen entgingen dadurch auch 2 bis 3 Milliarden Franken an Steuern und Sozialabgaben.Chefökonom Chuard-Keller mag aber nicht nur kritisieren. Auch er anerkennt, dass es durch­aus gute Gründe für Teilzeit gibt, gerade im Alter von über 50, wenn man davor schon ­jahrelang gearbeitet und daneben noch Kinder grossgezogen habe. Aber mit Blick auf die demografische Entwicklung warnt er: Der Arbeitskräftemangel wird sich verschärfen. Deshalb müssten Fehlanreize be­hoben werden. Etwa, indem sich Mehrarbeit finanziell stärker lohne.

Coop streicht Insekten-Produkte aus Sortiment

Insekten auf dem Speiseplan – in Asien ist das so normal wie Spaghetti oder Rösti hierzulande. Als der Bund 2017 Mehlwürmer, Wanderheuschrecken und Grillen als Nahrungsmittel zuliess, wollten es auch die Schweizer plötzlich wissen. Krabbeltiere als «Superfood der Zukunft», die Überwindung von Ekelgefühlen als Volkssport: ETH- und HSG-Start-ups begannen mit der Zucht, Coop und Migros mit dem Verkauf – und alle glaubten, die Ernährungswende sei zum Greifen nah. Menüs auf sechs Beinen sollten die Ernährung revolutionieren.

Doch die Revolution auf dem Teller blieb aus. Rasch zeigte sich: Für essbare Insekten existierte praktisch keine anhaltende Nachfrage. Die Migros, die in ihrer Klubschule sogar Insekten-Kochkurse angeboten hatte, zog die Produkte bereits 2022 zurück. Der SonntagsBlick schreibt nun, dass nun auch Coop als letzter Detailhändler aus dem Geschäft mit Insekten als Esswaren aussteigt: Der Lagerbestand werde noch verkauft, dann sei Schluss, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage.

Coop hatte zuletzt noch Mehlwurm-Burger, Energieriegel aus Grillenpulver und getrocknete Heuschrecken im Sortiment – hielt lange daran fest: mit dem Verweis auf stabile Nischenverkäufe. Doch die Nachfrage sei zuletzt von einem ohnehin tiefen Niveau weiter gesunken, heisst es nun gegenüber dem SonntagsBlick.

Unterwegs mit 238 km/h: Junge Frau muss vier Jahre hinter Gitter

Eine zur Tatzeit 21-jährige Frau wird zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Das geht aus einem neuen Bundesgerichtsentscheid hervor. Der auf Strassenverkehrsrecht spezialisierte Anwalt Simon Bloch vermutet gegenüber der SonntagsZeitung, dass es das härteste reine Raserurteil ist, das die Schweiz je gesehen hat.

Innert eines halben Jahres fuhr die junge Frau aus dem Kanton Glarus insgesamt acht Mal zu schnell. In einem Fall beschleunigte sie den Sportwagen ihres Vaters auf der Autobahn auf 238 km/h. Die Frau erklärte die Taten vor Gericht mit einer «emotionalen Phase», in welcher sie damals wegen ihres Ex-Freundes steckte. Sie gehörte der Poserszene an, hat sich später aber gemäss eigenen Angaben von dieser losgelöst. Die Frau wurde weder geblitzt noch von der Polizei auf frischer Tat ertappt. Die Behörden kamen ihr auf anderem Weg auf die Spur.

Ausziehen im Gefängnis? EU-Staaten verlangen Klarheit vom EDA

Laut Informationen des SonntagsBlick beklagen mehrere EU-Staaten unzumutbare Sicherheitskontrollen in Schweizer Haftanstalten. Besonders heikel: In einem Fall soll eine Diplomatin aufgefordert worden sein, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, bevor sie zu ihrem Landsmann im Gefängnis vorgelassen wurde. Die Betroffene hielt das für klare Schikane – und erkannte einen Verstoss gegen diplomatische Konventionen. Am 29. April soll es nun zu einem klärenden Gespräch zwischen dem Aussendepartement (EDA) und der Europäischen Gemeinschaft kommen.

Ein EU-Diplomat sagte gegenüber dem SonntagsBlick: «Trotz der hohen Standards, die in der Schweiz vorherrschen, gibt es zwischen engen Partnern und Freunden immer wieder einen Austausch zu Herausforderungen, unter anderem im konsularischen Bereich. Dabei geht es auch darum, genauer zu verstehen, wie in einem föderal organisierten Staat die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen genau verteilt sind und wie die Kommunikation am flüssigsten verläuft.»

Das EDA betont gegenüber dem SonntagsBlick, die Zuständigkeit für Haftanstalten liege bei den Kantonen. Offenbar bemüht sich das EDA zugleich, die Kantone besser über die Rechte der Diplomaten zu informieren – damit die Schweizer Diplomatie nicht an der Gefängnistüre aufhört.

Oberste Lehrerin ärgert sich über Kopftuch-Debatte

Dagmar Rösler stört sich an der neuen Diskussion über das Tragen des Kopftuchs an öffentlichen Schulen. «Aus vielleicht fünf Lehrpersonen mit Kopftuch wird eine grosse Geschichte gemacht. Das finde ich unverhältnismässig», sagt die Präsidentin des Lehrerverbands in einem Interview mit der SonntagsZeitung. In den Schulen sei das Kopftuch kein brisantes Thema.

Der Verband empfiehlt in einem neuen Positionspapier, dass Lehrpersonen aufs Kopftuch verzichten sollten, wie er am Samstag beschlossen hat. «Öffentliche Schulen müssen in Bezug auf die Konfession neutral sein», sagt Rösler.

Allerdings will der Verband nicht intervenieren, wenn Lehrerinnen trotzdem ein Kopftuch tragen. Rösler: «Wir sprechen kein Verbot aus.» Letztlich würden die Kantone bestimmen, was an den Schulen gelte. Schülerinnen und Schüler hingegen sollen aufgrund der Religions- und Gewissensfreiheit nicht auf religiöse Symbole verzichten müssen – solange keine konkrete Gefährdung des Schulfriedens besteht.

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