Die Swiss Steel Holding AG will sich von der Schweizer Börse (SIX) zurückziehen. Wie der Verwaltungsrat des international tätigen, in Emmenbrücke (LU) beheimateten Stahlkonzerns am Freitag mitteilt, will er bei der SIX die freiwillige Dekotierung seiner Aktien beantragen. Definitiv entscheiden müssen jedoch die Aktionärinnen und Aktionäre. Angesichts des geringen Streubesitzes plant Swiss Steel nach dem Börsen-Aus «eine Möglichkeit für einen ausserbörslichen Handel der Aktien zu schaffen».
In den vergangenen Jahren hat der einstige Luzerner Stahlkocher Schmolz + Bickenbach nicht nur den Namen zu Swiss Steel geändert, sondern auch zahlreiche Restrukturierungs- und Reorganisationsmassnahmen durchgeführt. «Dies hat zu einer Aktionärsstruktur geführt, die von einer kleinen Zahl grosser, langfristig engagierter Investoren geprägt ist», schreibt der Verwaltungsrat von Swiss Steel.
Aktionäre müssen über Börsen-Aus entscheiden
Folglich würden die damit verbundenen, vergleichsweise hohen Kosten und administrativen Anforderungen den Aufwand der Börsenkotierung «nicht mehr rechtfertigen». Sprich: «Diese Entscheidung ist weder durch kurzfristige externe Faktoren noch durch die wirtschaftliche Situation beeinflusst», heisst es in der Mitteilung weiter.
Definitiv entscheiden über die Dekotierung der Swiss-Steel-Aktien werden jedoch die Aktionärinnen und Aktionäre. Dazu hat der Verwaltungsrat für den 17. Februar eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen.
Maroder Stahlkonzern und zahlreiche Rettungsaktionen
Seit geraumer Zeit kämpft Swiss Steel ums wirtschaftliche Überleben. Und so machte der Luzerner Stahlkocher in den vergangenen Monaten und Jahren wiederholt Negativschlagzeilen. Auch wurden Hunderte Arbeitsplätze weltweit abgebaut. Aktuell werden am Schweizer Hauptsitz 130 von 750 Jobs gestrichen. Es kommt zu rund 50 Entlassungen .
Mehrheitsaktionär von Swiss Steel ist Martin Haefner. Der Besitzer der Autoimporteurin Amag schoss zuletzt im vergangenen Frühling 300 Millionen Franken in den Stahlkonzern ein. Zudem hält der russische Oligarch Viktor Vekselberg indirekt eine Minderheit am Unternehmen. Von dem in der vergangenen Wintersession von den Eidgenössischen Räten in aller Eile gezimmerten Rettungsplan für die Schweizer Stahlindustrie will Swiss Steel bislang allerdings nicht profitieren.
Gesuche für Überbrückungshilfen des Bundes im Rahmen der sogenannten «Lex Gerlafingen» müssen allerdings auch erst bis spätestens Ende Mai eingereicht werden. Aus Gewerkschaftskreisen ist verschiedentlich klargemacht worden, dass man kein Verständnis dafür hätte, wenn Swiss Steel die Bundeshilfe nicht beanspruchen würde.
