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Kommentar

Eine kleine Zumutung für die Wählerinnen und Wähler im Baselbiet

Isaac Reber tritt überraschend bereits Ende September 2026 anstatt Ende Legislatur Mitte 2027 aus der Baselbieter Regierung zurück. Wahltaktisch bringt eine Ersatzwahl für Rebers Grüne Vorteile, demokratiepolitisch ist das Vorgehen schwierig.
Seit 2011 in der Baselbieter Regierung und damit amtsältestes Mitglied: Isaac Reber.
Bild: Roland Schmid

Der Zeitpunkt des Rücktritts von Isaac Reber kommt im Baselbiet für viele überraschend: Nach der Ersatzwahl für Monica Gschwind (FDP) im November durfte man davon ausgehen, dass der Langzeit-Regierungsrat die noch bis Mitte 2027 dauernde Legislatur zu Ende bringt. Dass Reber nun neun Monate vorher geht und damit eine dritte Regierungswahl innert anderthalb Jahre erzwingt, ist demokratiepolitisch schwierig. Eben erst wurde im Baselbiet die tiefe Beteiligung bei der Wahl für die Gschwind-Nachfolge (28 % im ersten Wahlgang am 26. Oktober) beklagt. Der Rücktritts-Coup des Grünen ist jedenfalls kein Mittel gegen die Verdrossenheit vieler Baselbieterinnen und Baselbieter mit der kantonalen Politik. Ganz im Gegenteil.

Reber gefällt sich in der Rolle des Schachspielers, wie seiner Rücktrittsrede im Landrat zu entnehmen ist. Gleichzeitig stellt er wahltaktische Gründe für seinen vorzeitigen Rücktritt in Abrede. Er sei ins Grübeln gekommen, dass mit Gschwind und Thomas Weber (SVP) zwei Regierungsmitglieder vor ihm zurücktraten, die nach ihm ins Amt kamen, sagt der Sissacher - als wäre genau dies nicht bereits seit der Rücktrittsankündigung Gschwinds im vergangenen Juni offensichtlich. Letztlich bleibt genau dies zurück: Ein taktischer Vorteil für Rebers Grüne, wenn sie in einer Ausmarchung gegen eine einzige bürgerliche Kandidatur anstatt in der unübersichtlichen Gemengelange einer Gesamterneuerungswahl ihren Sitz in der Exekutive verteidigen können. Das ist alles nicht verboten und - leider - gang und gäbe. Eine kleine Zumutung für die Baselbieter Wählenden ist es allemal.