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Humanitäre Hilfe

Rotes Kreuz hat sich professionalisiert

Nach rund zehn Jahren an der Spitze des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) blickt Peter Maurer mit Befriedigung zurück auf seine Ära. Die Tradition allein reiche heute nicht mehr. Die Unterstützung müsse verdient werden.
Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, hat die Organisation für die Wirtschaft sensibilisiert. (Archivbild)
Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI

Maurer hat die Professionalisierung des IKRK während seiner Ära vorangetrieben. Wäre die internationale Organisation in der Kultur einer Nichtregierungsorganisation verharrt, wären die Geldgeber abgesprungen, sagte der gebürtige Thuner, Peter Maurer, in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps".

Zu den von Maurer eingeleiteten Reformen gehörte eine Annäherung des IKRK an die private Wirtschaft. Eine Strategie, die nicht auf ungeteilte Zustimmung gestossen ist. Seine Ernennung zum Stiftungsrat des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Jahr 2014 beispielsweise löste Kritik aus, da einige Kritiker einen Verlust an Glaubwürdigkeit bei Einsätzen des IKRK befürchteten.

Neutralität und Vertraulichkeit

Ihm sei es darum gegangen, das IKRK für Diskussionen zu sensibilisieren, um die Welt besser verstehen zu können, verteidigt sich Maurer. Als Präsident habe er nie auf der operativen Ebene interveniert, auch nicht auf Stufe des Board.

Die Schlüsselkonzepte des IKRK, Neutralität und Vertraulichkeit, prägten das Bild der Organisation in der Öffentlichkeit. Diese Konzepte passten jedoch in einer immer stärker polarisierten Welt, in der immer mehr kommuniziert werde, nicht allen.

Dieses Problem sei jedoch wiederkehrend, sagt Maurer. Das Verständnis von Neutralität hänge stark von der Einschätzung eines Konflikts ab. Und die humanitären Grundsätze der Neutralität und Vertraulichkeit liefen dem Instinkt zuwider.

Ein Krieg dauert 25 Jahre

Maurer zeigt sich zufrieden mit dem, was er erreicht hat . Er bedauert jedoch, dass er den Starrsinn einiger Entscheidungsträger nicht immer habe in die gute Richtung lenken können. Diese Führer glaubten, einen Krieg rasch beenden zu können. Doch ein Krieg daure 25 Jahre. Das habe jedoch die Staatslenker noch nie abgeschreckt.

Maurer scheidet Ende September aus seinem Amt aus. Er wird am 1. Oktober den Vorsitz des Basel Institute on Governance übernehmen. Ferner wählte die Zurich-Versicherung Maurer in den Verwaltungsrat. Auch wird er weiterhin Mandate für das WEF wahrnehmen. (sda)