SVP-Kandidaten

Der Solothurner Rémy Wyssmann will Bundesrat werden – oder Ständerat

Er sitzt seit drei Jahren im Nationalrat, nun möchte Rémy Wyssmann für den Bundesrat kandidieren. Am Donnerstag lässt er sich auch noch für die Ständeratswahlen nominieren. In Solothurn hat er viel erreicht, in Bern weniger.

Wenn sich die Favoriten zurückziehen, gibt es Platz für die Aussenseiter. Am Mittwoch hat der Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann vor den Medien bekanntgegeben, dass er sich für die Bundesratswahl im Dezember zur Verfügung stellen will. Mit ihm hat kaum jemand gerechnet. Der 59-jährige Rechtsanwalt sitzt erst seit 2023 im Nationalrat, sieht sich nun aber zu Höherem berufen. Es muss nicht unbedingt die Landesregierung sein: Am Donnerstag, einen Tag nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur für den Bundesrat, lässt sich Wyssmann von der Solothurner SVP für die Ständeratswahlen nächstes Jahr nominieren.

Dass er sich als Nachfolger des abtretenden Bundesrats Guy Parmelin anbietet, dürfte Freund und Feind überraschen. Bemerkenswert ist der Vergleich mit dem Thurgauer Nationalrat Pascal Schmid: Er ist ebenfalls erst seit 2023 im Bundeshaus aktiv und möchte nächstes Jahr in den Ständerat wechseln. Anders als Wyssmann gehört Schmid als Asylchef der SVP zum inneren Zirkel der Partei und wurde als Favorit für die Bundesratswahlen gehandelt. Trotzdem hat er am Dienstag abgesagt.

Wyssmann hingegen tritt an. Es ist erst die zweite Kandidatur. Bisher hat lediglich die Genferin Céline Amaudruz ihr Interesse angemeldet. Sie ist Vizepräsidentin der SVP und sitzt seit 2011 im Nationalrat.

Grosse Erfolge in der kantonalen Politik

In seiner Heimat ist Rémy Wyssmann wesentlich bekannter als in Bundesbern. Seit 2024 ist er Präsident der Solothurner SVP und konnte in dieser Funktion grosse Erfolge feiern. Unter seiner Führung hat die Partei 2025 zum ersten Mal die FDP auch auf kantonaler Ebene überholt. Und sie eroberte – ebenfalls zum ersten Mal – einen Sitz in der Kantonsregierung. Mit einem konfrontativen Kurs hat die SVP auch Abstimmungserfolge erzielt. Wyssmann scheut sich nicht, auch Entscheide der eigenen Kantonsräte infrage zu stellen und von den Delegierten übersteuern zu lassen, wenn sie ihm zu zahm erscheinen.

Er kämpft aber nicht nur auf dem politischen Parkett, sondern auch auf dem juristischen. Mehrfach ist Wyssmann auf dem Rechtsweg gegen Entscheide der Solothurner Behörden vorgegangen – mit durchzogenem Erfolg. Im Fall eines Liegenschaftskaufs beispielsweise hat er zwar juristisch Recht erhalten, politisch aber trotzdem verloren: Das Volk hat den Kauf entgegen der Parole der SVP abgesegnet.

Offenlegung der Corona-Impfstoff-Verträge

Zu Wyssmanns Spezialdisziplinen gehört zudem der Kampf gegen amtliche Geheimniskrämerei. Hier war er nicht nur auf kantonaler, sondern auch auf eidgenössischer Ebene erfolgreich: Wyssmann hat massgeblich dazu beigetragen, dass der Bund die Kaufverträge für die Corona-Impfstoffe offenlegen musste – wenn auch mit reichlich Schwärzungen.

In seinen drei Jahren in Bern hat Rémy Wyssmann bereits 166 Vorstösse eingereicht. Er sitzt in der Sozial- und Gesundheitskommission.

Wie viel Konkurrenz er im Kampf um den frei werdenden Bundesratssitz noch erhält, wird sich bald zeigen. Die Anmeldefrist für SVP-Kandidaten endet am Freitag um 12 Uhr.

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