Hitze

Der heisseste Sommer seit Messbeginn – doch ein Rekord blieb unangetastet

Der Sommer 2026 geht am Montag zu Ende und brachte bis zu 58 Hitzetage, eine historische Dürre und Millionen tote Fische. Dennoch fiel ausgerechnet der bekannteste Schweizer Hitzerekord nicht.

Ziemlich sonnig und bis zu 26 Grad im Flachland: Der meteorologische Sommer verabschiedet sich so, wie er am 1. Juni angefangen hat. Ein Schlussfurioso bleibt aus, obwohl es durchaus zu den vergangenen drei Monaten gepasst hätte.

Hinter uns liegt ein Sommer, der etliche – aber nicht alle – Rekorde brach. Der Landwirte in Nöte, Fische ums Leben und am Ende selbst Umweltminister Albert Rösti ins Schwitzen brachte. Und in dem ein Land ein Gerät für sich entdeckte, das es bislang nur aus den Ferien kannte.

Der Jahrhundertsommer gibt die Spitzenposition ab

Bereits vergangene Woche war klar: Der Sommer 2026 wird der heisseste in der 162-jährigen Schweizer Messgeschichte. Mit einer mittleren Tagestemperatur von 17,2 Grad übertrifft er den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2003 um 0,3 Grad.

Das Prädikat «Jahrhundertsommer» dürfte der neue Rekordhalter trotzdem nicht erhalten. Denn er hebt sich weniger stark vom heutigen Klimadurchschnitt ab als sein Vorgänger. (siehe Grafik). Anders gesagt: Wegen der Klimaerwärmung ist ein Sommer wie der diesjährige heute wahrscheinlicher als noch vor 23 Jahren.

Wie rasch sich das Klima wandelt, zeigt eine andere Tatsache: 9 der 10 wärmsten Sommer der Messgeschichte liegen weniger als 12 Jahre zurück.

Insgesamt war der Sommer 3,4 Grad wärmer als der Durchschnitt der Normperiode 1991 bis 2020. Besonders stark war die Hitze in der Nordwest- und Westschweiz sowie vereinzelt auf der Alpensüdseite. Am wenigsten wichen die Temperaturen hoch in den Alpen und in der Südostschweiz von der Norm ab.

Ein Hitzetag jagt den nächsten

Einen deutlichen Rekord gab es bei den Hitzetagen. In Basel-Binningen wurden 58 Tage mit Temperaturen von 30 Grad und mehr gemessen. Das sind 17 Tage oder 42 Prozent mehr als im Jahr 2003. In Aarau gab es 57, in Luzern 48 und in St.Gallen 15 Hitzetage.

In den Städten zeigen sich je nach Quartier grössere Unterschiede. So gab es in Zürich-Fluntern am Hang des Zürichbergs 38 Hitzetage, im Stadtzentrum bei der Kaserne hingegen 59 Hitzetage.

In diesen Zahlen enthalten ist auch die erste Hitzewelle des Jahres, die Ende Mai auftrat – also noch vor dem Sommerbeginn. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es im September weitere Hitzetage gibt. Gegen Ende Woche sind Höchstwerte zwischen 28 und 31 Grad angekündigt.

Viele neue Temperaturrekorde – doch der grösste bleibt bestehen

An zahlreichen Orten stieg das Thermometer in den vergangenen Wochen so hoch wie noch nie. In Basel-Binningen wurden am 30. Juli 39,7 Grad gemessen. Auf der Alpennordseite war es erst einmal so heiss: 2015 in Genf.

Neue Höchstwerte registrierten auch die Messstationen in Aarau (38,6 Grad), Kloten (38,3 Grad) und Aadorf (36,8 Grad). Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol im Unterengadin wurden 35,1 Grad gemessen.

Unerreicht blieb hingegen der Schweizer Temperaturrekord von 41,5 Grad, der 2003 im bündnerischen Grono gemessen wurde. Nach heutigen Messstandards entsprechen die damaligen 41,5 Grad laut Meteo Schweiz 40,5 Grad. Doch auch diese Marke blieb unangetastet. Es war in Grono dieses Jahr nie wärmer als 36,6 Grad.

Grosse Trockenheit hat weitreichende Folgen

Frühling und Sommer waren massiv zu trocken, mit Ausnahme des Wallis, des Südtessins und des Engadins. Zwischen April und Juli fiel landesweit nur gut die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge – so wenig wie noch nie seit 1901.

Besonders ausgeprägt war die Dürre im Jura und im Mittelland. In Basel regnete es von Mitte Juni bis Mitte August nur an vier Tagen wirklich nennenswert, und selbst dann nur wenig. Bis Ende August war einzig im Jahr 1947 noch weniger Regen gefallen.

Die vom Bund als extrem eingestufte Trockenheit hat weitreichende Folgen. Wegen verdorrter Wiesen müssen viele Bauern ihre Wintervorräte vorzeitig anbrechen oder Heu teuer einkaufen, um ihr Vieh durchzubringen – oder müssen es notschlachten lassen. Wegen des tiefen Rheinpegels können Schiffe weniger Güter transportieren, Atom- und Flusskraftwerke mussten ihre Stromproduktion drosseln. Auch im Alltag war die Trockenheit spürbar: Manche Hausbesitzer durften ihren Rasen nicht mehr wässern und Feuerwerkfans am 1. August keine Raketen zünden.

Zu leiden hatten auch die Wildtiere. Der Fischereiverband geht davon aus, dass Millionen von Fischen in ausgetrockneten Bächen oder zu warmen Flüssen gestorben sind. Laut Meteo Schweiz dürfte es Monate dauern, bis sich Gewässer und Grundwasser in der ganzen Schweiz erholt haben.

Das Interesse an Klimaanlagen explodiert

Wenn selbst abendliches Durchlüften keine Abkühlung mehr brachte, dürfte manch einer zum Smartphone gegriffen und nach einer Klimaanlage gesucht haben. Davon zeugen die vollen Auftragsbücher der Installationsfirmen – und die Suchdaten von Google.

Noch nie wurde in der Schweiz so häufig nach Klimaanlagen gegoogelt wie in diesem Sommer. Das Suchinteresse hat sich gegenüber früheren Hitzeperioden mehr als verdoppelt.

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