
Das Projekt Rigi begann schon 2024. Inzwischen waren bereits zwei Dutzend Ingenieure und Mechaniker der Ruag in Forth Worth im US-Bundesstaat Texas. Dort befindet sich das wichtigste Produktionswerk von Lockheed Martin für den Kampfjet F-35A.
Die Ruag hat mit Lockheed Martin eben einen Vertrag zur weiterführenden Zusammenarbeit im Projekt Rigi unterschrieben. Er sieht vor, dass die Ruag in Emmen drei Kampfjets des Typs F-35A endmontiert und testet. Ursprünglich war von vier Kampfjets die Rede. Das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis wies aber auf drei Jets hin, wie es an einem Hintergrundgespräch bei der Ruag hiess.
Die Ingenieure und Mechaniker, die in Texas weilten, geben in Emmen ihr Know-how weiter. Der erste Rumpf eines F‑35 wird im September 2027 in der Schweiz erwartet. Dann dauert es knapp über ein Jahr, bis er endmontiert ist. Das Flugzeug durchläuft dann Bodenprüfungen und Testflüge in Emmen. Auch ein Vertreter von Lockheed Martin hat in Emmen bereits sein Büro eingerichtet. Es folgen zehn bis 20 weitere Spezialisten.
Das getestete Flugzeug fliegt nach Crameri (Italien) und erhält dort die radarabsolvierende Beschichtung der Stealth-Technologie. Danach wird der F-35 dem Militärflugplatz Payerne übergeben. Bis 2030 will die Ruag auch die anderen zwei Kampfjets endmontiert haben.
Das Unternehmen kann so wertvolles Know-how aufbauen. Das ist wichtig, weil der Markt für F-35 in Europa rasant wächst. Heute besitzen neun Länder rund 240 dieser US-Kampfjets. Langfristig planen europäische Staaten die Beschaffung von 600 bis 700 F-35.
Damit wächst der Kreis von Staaten, mit denen die Ruag Drittgeschäfte beim F-35 abschliessen kann. Mit Emmen wird sie zum weltweit vierten Standort, der den F-35 endmontieren darf – neben Crameri (Italien), Forth Worth (USA) und Nagoya (Japan). Das Unternehmen ist im Gespräch mit mehreren Ländern für Drittgeschäfte.
Die wichtige Rolle der F/A-18 für die Ruag
Die Ruag darf aber nur 20 Prozent ihrer Kapazitäten für Drittgeschäfte aufwenden. Zentral soll das Unternehmen die Verfügbarkeit und die Einsatzbereitschaft der F-35-Flotte für die Schweizer Luftwaffe garantieren. In den letzten 80 Jahren montierte die Ruag insgesamt tausend Flugzeuge und Helikopter. Sie gewann damit ein grosses Know-how. Eine zentrale Rolle spielten dabei die 34 F/A-18.
Die Ruag machte hier nicht nur die Endmontage. Sie revidierte die Triebwerke umfassend und spielte bei den einzelnen Komponenten eine zentrale Rolle. Beides verliert sie beim F-35. Der Konzern überlegt sich aber, Kompetenzen für zwei bis drei Nischenkomponenten aufzubauen, die er fürs Drittgeschäft nutzen kann.
Trotz der Endmontage der drei F-35 verliert die Ruag einen gewichtigen Teil der Arbeiten, die sie am F/A-18 erledigen konnte. Drittgeschäfte beim F-35 können diese Verluste kaum kompensieren. Und da in den nächsten Jahren sowohl die F/A-18 wie die F-5 Tiger ausser Dienst gestellt werden, entfällt der Unterhalt der Flugzeuge. Er beschäftigt 400 Personen.
Muss die Ruag in Emmen also Leute entlassen? Nein, heisst es beim Konzern. Abgesehen von der natürlichen Fluktuation – viele Spezialisten gehen wohl mit dem F/A-18 in Pension – sollen keine Entlassungen nötig sein.

