Kommentar

1.40 Franken für einen Brief? Das ist nicht das Problem

Die Post muss viel Kritik einstecken, weil sie das Porto für den A-Post-Brief gleich um 20 Rappen erhöht. Viel fragwürdiger sind jedoch die neuen Gewichtslimiten.

So unpopulär der Aufschlag der Post beim Porto auch sein mag, so nachvollziehbar ist er. Wer eine flächendeckende Grundversorgung zu unveränderten Preisen verlangt – obwohl die Briefmenge schrumpft –, ruft letztlich nach Subventionen. Das kanns nicht sein.

Man sollte die Sache auch nicht nur ökonomisch betrachten. Einen Brief zu verschicken, das Couvert von Hand zu adressieren, eine Briefmarke aufzukleben: Dieser liebevolle Vorgang bekommt im Zeitalter von KI-generierten E-Mails einen zusätzlichen Wert. Er signalisiert dem Empfänger: Ich habe mir Zeit und Mühe gegeben und, ja, 1.40 Franken investiert. Der bürokratische Begriff des «Postwertzeichens» erhält so auf einmal eine gewisse Schönheit. Er ist wörtlich zu nehmen.

Das waren noch Zeiten: Anfang 2022 schlug die Post auf 1.10 Franken auf, nun auf 1.40 Franken.
Bild: PETER KLAUNZER

Die neuen Gewichtslimiten hingegen sind kaum vermittelbar. Bisher durfte ein Standardbrief bis 100 Gramm wiegen, künftig nur noch 50 Gramm. Schwerere Post muss als teurer «Midibrief» frankiert werden. Soll künftig jeder Haushalt neben Couverts und Briefmarken auch noch eine Briefwaage bereithalten?

Die Post orientiert sich nicht am Kunden, sondern an der Regulierung: Weil das Briefmonopol nur bis 50 Gramm gilt, spart sie so die Mehrwertsteuer. Die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Da ist Steueroptimierung auf dem Buckel der Konsumenten erst recht eine Zumutung. Der Brief wird zum knappen, wertvollen Gut. Gerade deshalb sollte sein Versand so einfach bleiben wie eh und je.