Junkers Ju 52

Acht Jahre nach dem Unglück mit 20 Toten: Die Bundesanwaltschaft ermittelt immer noch

Im August 2018 stürzte am Piz Segnas eine «Junkers Ju 52» ab. Alle 20 Personen an Bord des historischen Flugzeuges starben. Die Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zeigte schon vor fünf Jahren auf, welche Verfehlungen zum Unglück führten. Bei der Bundesanwaltschaft ist der Fall noch immer pendent.
Das Wrack lag nahe des Piz Segnas im Kanton Graubünden.
Bild: Sust

Vor acht Jahren ereignete sich das grösste Flugunglück der Schweiz seit dem Crossair-Crash 2001 bei Bassersdorf: Am 4. August 2018 stürzte am Piz Segnas (GR) eine «Junkers Ju 52» ab. Das historische Flugzeug mit der Immatrikulation HB-HOT war auf dem Weg von Locarno zurück zum Heimatflughafen Dübendorf. An Bord befanden sich neben den beiden Piloten und einer Flugbegleiterin auch 17 Fluggäste. Niemand überlebte.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat bereits 2021 ihren umfassenden Untersuchungsbericht veröffentlicht. Die Sust kam zum Schluss, dass die «hochriskante Flugführung» der beiden Piloten (63 und 62) direkt zum Unfall geführt hatte. Sie waren zu tief und zu langsam in das enge Tal südwestlich des Piz Segnas eingeflogen, ohne Möglichkeit zur Umkehr. Es kam schliesslich zum Strömungsabriss (Stall) und zum Absturz.

Bild: Sust

Der Sust-Bericht bezweckte nicht, Schuldige zu eruieren, sondern Sicherheitsdefizite. Wie bei solchen Unglücken üblich, ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Unbekannt wegen möglicher Straftaten. Konkret wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Verkehrs und der fahrlässigen Tötung. Die beiden Piloten sind beim Unfall ums Leben gekommen und können nicht mehr belangt werden. Die Sust hatte aber auch eine ganze Reihe von Versäumnissen beim Flugbetriebsunternehmen Ju-Air und beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) aufgedeckt. Die Aufsichtsbehörde habe zahlreiche technische und betriebliche Mängel sowie Risiken bei der Ju-Air nicht erkannt respektive nicht korrigiert, hiess es etwa. Ju-Air beförderte mit ihren historischen Flugzeugen etwa 13'000 Personen pro Jahr, primär in Rund- und Erlebnisreisen.

Wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage mitteilt, ist der Fall auch zum achten Jahrestag der Tragödie weiterhin hängig respektive das Strafverfahren noch im Gange. Weitere Auskünfte werden dazu nicht erteilt, sagt eine Sprecherin.