Kommentar

Die Leselücke verbaut die Zukunft

Die Leistungen der Schweizer Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesen sinken. Besonders alarmierend ist die Leseschwäche - sie hat weitreichende Folgen.

Die gute Nachricht ist: Die Schweizer Schülerinnen und Schüler stehen im internationalen Vergleich gut da. Das zeigt die neue PISA-Studie. Nur: Seien wir ehrlich, ein wohlhabendes Land, dessen wichtigste Ressource die Bildung ist, kann sich darauf wenig einbilden. Relevanter als der Ländervergleich ist die Feststellung, dass das Leistungsniveau in der Schweiz sinkt. Allen voran in der Mathematik und beim Lesen. Fast jeder dritte 15-Jährige erreicht beim Lesen die Mindestkompetenzen nicht.

Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Wer schlecht liest, hat nicht nur im Deutschunterricht ein Problem. Er hat auch mehr Mühe, Mathematikaufgaben zu lösen oder naturwissenschaftliche Texte zu verstehen. Auch das selbstorganisierte Lernen, das gross in Mode ist, bedingt Lesefertigkeiten. Wer schlecht liest, startet mit schlechten Voraussetzungen in den weiteren Bildungsweg.

Vor Wochenfrist sagte ein Bauunternehmer in dieser Zeitung, er büffle manchmal mit seinen Lernenden - etwa Mathematik oder Baustoffkunde. Doch oft bleibe von diesen Nachhilfestunden nicht viel hängen: «Es scheitert nämlich oft beim Textverständnis.»

Sinkende Lesefertigkeiten sind eine internationale Entwicklung. Gut möglich, dass soziale Medien einen Einfluss darauf haben, ebenso die Zuwanderung oder genauer: dass Kinder zu Hause eine andere Sprache reden. Nur darf das keine Entschuldigung sein. Neun Jahre obligatorische Schule müssen reichen, um diese Umstände auszugleichen. Sonst verbauen wir unseren Jugendlichen ihre Zukunft.