Verteidigung

Pfisters neue Armee: Vom Panzer zur Drohne – und weniger Stabssoffiziere

Bereits per 2028 plant der Verteidigungsminister zudem ein Drohnenbataillon zusammenzustellen.
Neue Töne: Verteidigungsminister Martin Pfister und Kommandant Benedikt Roos erklären die Neuausrichtung.
Bild: ANTHONY ANEX

Das dürfte bei so manchem Brigadier oder Divisionär Stirnrunzeln ausgelöst haben. «Ich möchte 25 Prozent der Funktionen reduzieren, die mit höheren Stabsoffizieren besetzt sind», sagte Verteidigungsminister Martin Pfister am Freitag vor den Medien. Viele befänden sich am Ende ihrer Karriere; mit Entlassungen sei nicht zu rechnen. Noch stehen allerdings konkrete Entscheide aus.

Die Verschlankung der oberen Führungsstrukturen ist ein Puzzleteil davon, wie der Bundesrat die Schweizer Armee stärker auf die Verteidigung des Landes ausrichtet. Im Zentrum stehen die Abwehr hybrider Bedrohungen, Cyberangriffe sowie Angriffe aus grosser Distanz. Mit den am Freitag verabschiedeten «Leitlinien für die Verteidigung» reagiert die Landesregierung auf die verschärfte sicherheitspolitische Lage in Europa.

Flankiert von Armeechef Benedikt Roos erklärte Pfister, dass sich die Truppe in den kommenden Jahren von einer vorwiegend auf Ausbildung ausgerichteten Organisation zu einer einsatzbereiten Verteidigungsarmee entwickeln soll. Dazu sollen künftig sämtliche Einsätze am Boden durch sogenannte Einsatzdivisionen geführt werden, um besser auf Krisenlagen zu reagieren.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau moderner Kampf-Technologien mit Drohnen und Robotik. «Wir planen, bis 2028 ein erstes Drohnenbataillon aufzustellen», sagte Pfister. Es soll den Einsatz unbemannter Systeme vorantreiben. Dafür setzt die Armee auf eine engere Zusammenarbeit mit Hochschulen, Industrie und Start-ups.

58 Milliarden für die Aufrüstung

Parallel dazu wurde die langfristige Rüstungsplanung aktualisiert. Bis 2039 sollen rund 80 Prozent der Investitionen in die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen fliessen. Dazu zählen insbesondere Luftverteidigung, Drohnenabwehr, elektronische Kriegführung sowie der Schutz von Netzwerken, Daten und kritischer Infrastruktur. Die verbleibenden 20 Prozent sind für Fähigkeiten vorgesehen, die im Fall eines umfassenden militärischen Angriffs benötigt würden.

Einen Gang runter schaltete Pfister derweil bei der Beschaffung neuer Panzer. Bei der Artillerie plant er einen Erhalt der Verteidigungsfähigkeit, keinen Ausbau. Unter Vorgängerin Viola Amherd hatte dies noch anders geklungen.

Ein beeindruckendes Preisschild hat die Neuausrichtung dennoch: Bis 2039 will die Armee 58 Milliarden Franken in die Aufrüstung investieren. Dies geht aus der ebenfalls am Freitag veröffentlichten Rüstungsplanung hervor.

Zur Finanzierung schlägt der Bundesrat unter anderem eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie einen verschuldungsfähigen Rüstungsfonds vor. Die gesetzlichen Grundlagen für die neuen Führungsstrukturen sollen bis 2029 geschaffen und dem Parlament unterbreitet werden.

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