Verkehr

Zwischen Genervtheit und Verständnis: So reagieren Leserinnen und Leser auf das Pfingst-Velo-Chaos bei den SBB

Am Pfingstwochenende liess die SBB Passagiere mit Velos auf dem Perron stehen: Das Thema gibt in der Leserschaft von CH Media zu reden.
Verteilkampf im Zug: Velofahrer, Reisende mit Gepäck kommen sich zum Teil in die Quere.
Bild: Keystone

Die überfüllten Züge an den Pfingsttagen und der Frust rund um die Velomitnahme bei den SBB beschäftigen die Leserinnen und Leser von CH Media intensiv. In vielen Kommentaren zeigt sich: Die Meinungen gehen weit auseinander – zwischen Verständnis für die Velofahrer, harscher Kritik an deren Ansprüchen und grundsätzlichen Fragen zur Zukunft des öffentlichen Verkehrs.

Besonders oft fällt ein Satz sinngemäss immer wieder: «Ein Velo ist zum Fahren da.» Viele Kommentierende zeigen wenig Verständnis dafür, dass Velos quer durch die Schweiz transportiert werden. Wer Velotouren plane, solle diese direkt von zu Hause aus starten oder unterwegs übernachten, schreiben mehrere Leserinnen und Leser. Andere finden, wer an verlängerten Wochenenden verreise, müsse schlicht mit überfüllten Zügen rechnen.

Diskussion über Preispolitik

Gleichzeitig gibt es auch zahlreiche Stimmen, die die Kritik an den Velofahrenden zurückweisen. Viele argumentieren, dass Velotouren in anderen Regionen der Schweiz ohne Zug kaum möglich seien. Der Vergleich zu Wanderern fällt dabei häufig: Auch Wanderinnen und Wanderer würden mit dem Zug zu ihren Ausgangspunkten fahren.

Mehrfach kritisieren Leserinnen und Leser zudem die Haltung gegenüber Velos im Zug als unfair. Schliesslich müsse für die Velomitnahme bezahlt werden, während grosse Koffer, Kinderwagen oder anderes Sperrgepäck kostenlos transportiert werde. Einige regen deshalb eine grundsätzliche Diskussion über die Gepäck- und Preispolitik der SBB an.

Braucht es wieder Velowägen?

Ein grosses Thema ist die Infrastruktur. Viele vermissen die früheren Gepäckwagen, in denen Velos problemlos transportiert werden konnten. Heute seien moderne Zugkompositionen zu unflexibel, schreiben mehrere Kommentierende. Andere widersprechen: Zusätzliche Wagen würden längere Haltezeiten verursachen und seien wirtschaftlich kaum sinnvoll, wenn die Nachfrage nur an wenigen Spitzentagen so hoch sei.

Auch die E-Bikes sorgen für Diskussionen. Mehrere Leserinnen und Leser beklagen, dass die Fahrräder immer grösser und schwerer würden – ähnlich wie SUVs auf der Strasse. Teilweise wird sogar die Sicherheit thematisiert: E-Bikes und grosse Velos würden Fluchtwege blockieren oder seien schwierig zu verladen.

Daneben richtet sich die Kritik auch direkt an die SBB. Einige werfen dem Unternehmen vor, seit Jahren zu wenig Veloplätze anzubieten oder Reservierungssysteme ungenügend zu planen. Andere verteidigen die Bahn ausdrücklich und weisen darauf hin, dass die SBB an Feiertagen bereits zahlreiche Extrazüge und zusätzliche Sitzplätze bereitgestellt habe. Mehrere Kommentierende betonen zudem: Kein Bahnsystem der Welt könne für wenige Spitzentage im Jahr beliebig Kapazitäten bereithalten.

Ein Zeichen von «Dichtestress»?

Auffällig ist, wie stark die Diskussion politisiert wird. Zahlreiche Leserinnen und Leser verknüpfen das Velo-Chaos mit der Debatte um Bevölkerungswachstum und die sogenannte 10-Millionen-Schweiz. Während einige darin ein weiteres Zeichen für «Dichtestress» sehen, widersprechen andere entschieden und verweisen darauf, dass überfüllte Züge an Feiertagen kein rein schweizerisches Problem seien.

Trotz aller Kritik gibt es auch pragmatische Stimmen. Manche empfehlen, auf weniger ausgelastete S-Bahnen auszuweichen, Velos zu verschicken oder am Zielort Mietvelos zu nutzen. Andere appellieren schlicht an mehr Gelassenheit: Wer an Pfingsten verreise, müsse eben mit vollen Zügen, Staus und Wartezeiten rechnen – egal ob mit Auto, Zug oder Velo. (sf)

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