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Helvetia und Baloise

Paukenschlag in der Versicherungswirtschaft: Die Fusion dürfte zu Stellenabbau führen – auch in der Schweiz

Es ist heuer einer der grössten Zusammenschlüsse im europäischen Finanzsektor: Helvetia und Baloise fusionieren.
Aus zwei mach eins: Baloise und Helvetia schliessen sich zusammen.
Bild: Bilder: Keystone

Die Gerüchteküche brodelte schon lange. Nun schaffen die beiden Versicherer Klarheit: Helvetia und Baloise wollen sich zusammenschliessen, wie sie am Dienstag mitteilten. Dabei handelt es sich um eine der grössten Zusammenschlüsse des Jahres im europäischen Finanzsektor, wie «Bloomberg» festhält. Der Deal, der mittels Aktientausch zustande kommt, hat laut dem Finanzportal einen Wert von 8,4 Milliarden Franken.

Die beiden mittelgrossen Schweizer Versicherungsgruppen wollen mit der Fusion an die Spitze aufschliessen – was ihnen auch gelingt, wie die neusten Marktanteilszahlen der Finanzmarktaufsicht (Finma) zum heimischen Geschäft zeigen.

Die Fusionsfirma spricht selbst gar von einem gemeinsamen Marktanteil von rund 20 Prozent und sieht sich schon als neue Nummer 2 der Schweiz. Sie soll Helvetia Baloise heissen und an der Schweizer Börse SIX kotiert sein. Der Hauptsitz wird in Basel sein. St.Gallen, heute Hauptsitz der Helvetia, wird zum «wichtigen Standort» degradiert. Die Helvetia stellt hingegen mit Fabian Rupprecht den neuen Konzernchef, die Baloise mit Thomas von Planta den Verwaltungsratspräsidenten.

Helvetia schluckt Baloise

Faktisch wird die Baloise in die Helvetia integriert. Die beiden Firmen sprechen lieber von einer «Fusion unter Gleichen», auch wenn die Unterschiede beachtlich sind. Das Geschäftsvolumen der Helvetia ist mit gut 11,5 Milliarden deutlich grösser als jener der Baloise mit 8,6 Milliarden Franken, der Personaletat der Helvetia ist mit 16’000 Mitarbeitenden gar doppelt so hoch.

Von der Fusion erhoffen sich die beiden Versicherungsgruppen Kosteneinsparungen von rund 350 Millionen Franken pro Jahr. Damit sollen die Gewinne und folglich auch Dividendenauszahlungen steigen – Letztere gar um einen Fünftel. Die «Dividendenkapazität» für das Geschäftsjahr 2029 könnte um etwa 20 Prozent steigen, heisst es in der Mitteilung. Doch vorerst verursacht die Fusion vor allem Ausgaben. Die «Integrationskosten» beziffern Helvetia und Baloise auf 500 bis 600 Millionen Franken.

Die Fusion und die damit angestrebten Effizienzgewinne sind wohl keine guten Nachrichten für die Mitarbeitenden. Die Versicherer versprechen zwar, dass ein Stellenabbau, «wann immer möglich, durch natürliche Fluktuation und Frühpensionierungen erreicht» werden sollte. Ein Brancheninsider warnte allerdings vor kurzem gegenüber CH Media: Ein Zusammenschluss der Baloise mit der Helvetia, die ihr Lebengeschäft ebenfalls aus Basel steuert, würde dort zu einem «Blutbad» beim Personal führen.

Die beiden Fusionsfirmen zeigen sich ihrer «sozialen Verantwortung bewusst» und sichern zu, «diesen Prozess mit Fairness und Unterstützung für die Betroffenen durchzuführen». Konkrete Angaben, wo Stellen abgebaut werden sollen und wie viele Mitarbeitende betroffen sein könnten, machen die Unternehmen derzeit nicht.

Cevian hat Druck gemacht

Der Druck auf die Baloise, effizienter zu werden, hat in jüngster Zeit stark zugenommen – spätestens seitdem die schwedische Investmentgesellschaft Cevian als Aktionärin eingestiegen ist und mittlerweile eine Beteiligung von nahezu 10 Prozent aufgebaut hat. Cevian drängt auf eine Rentabilisierung der Investition – zum Beispiel in Form einer höheren Dividendenzahlung oder eines Aktienkursanstiegs, wie er sich vielleicht durch eine Übernahme oder Fusion erzwingen lässt.

Cevian hatte zudem auch Druck gemacht, dass die Baloise die Solothurner Bank (Soba) verkauft. Doch deren Verbleib ist nun in der neuen Firma gesichert, wie Helvetia-Sprecher Jonas Grossniklaus festhält. Das «Insurbanking-Modell», also das bestehende Modell mit Versicherung und Bank, werde von der geplanten Fusion profitieren.

Versicherungsexperte Martin Eling.
Bild: Anna Tina Eberhard

Ökonomisch ergebe die Fusion von Helvetia und Baloise Sinn, sagt Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft an der Universität St.Gallen (HSG). Das Synergiepotenzial sei gross, mögliche Skaleneffekte – zum Beispiel in Verhandlungen gegenüber Rückversicherern – ebenfalls. «Nun kommt es darauf an, ob das Management es schafft, die Menschen mitzunehmen», betont Eling. Da sei es sicher ein Vorteil, dass es sich hier um zwei Schweizer Unternehmen mit ähnlicher Kultur handle.

Einfach wird die Reise nicht: Immerhin ist der Helvetia-Baloise-Zusammenschluss der grösste Deal in der Versicherungswirtschaft seit rund 20 Jahren, wie Eling anfügt. Also seit 2006, als die Credit Suisse ihre Allfinanz-Strategie aufgab und die Winterthur-Versicherung an die Axa verkaufte.

Formell müssen die Aktionäre der beiden Firmen dem Zusammenschluss noch zustimmen, hierfür werden am 23. Mai zwei ausserordentliche Generalversammlungen von Baloise und Helvetia stattfinden – wobei die Patria Genossenschaft, mit einem Paket von 34,1 Prozent die grösste Aktionärin der Helvetia, den Zusammenschluss unterstützt. Der Vollzug der Transaktion ist für das vierte Quartal 2025 geplant – vorausgesetzt freilich, dass die Wettbewerbsbehörden grünes Licht geben.