Wildtier

Parlament beschliesst Wolf-Obergrenze

Wächst die Wolfspopulation in der Schweiz weiterhin, sollen bald automatisch ganze Rudel geschossen werden dürfen. Das Parlament will so das Wachstum bremsen.

Seit Anfang September dürfen Wölfe unter bestimmten Umständen wieder abgeschossen werden. Nun geht das Parlament einen Schritt weiter: Es will die Zahl der Wölfe in der Schweiz begrenzen. Der Bund soll eine Obergrenze festlegen. Wird diese überschritten, sollen einzelne Tiere oder gar ganze Rudel erlegt werden - auch ohne unmittelbare Gefahr oder verursachten Schaden. Nach dem Ständerat hat am Mittwoch auch der Nationalrat eine entsprechende Motion des Tessiner Mitte-Nationalrats Fabio Regazzi angenommen. Auch Alex Farinelli (FDP/TI) hat einen gleichlautenden Vorstoss eingereicht. Nun muss der Bundesrat eine entsprechende Vorlage ausarbeiten.

Im Vorstoss rechnet Regazzi vor, dass die Wolfspopulation seit 2010 «exponentiell gewachsen» sei. Von einem knappen Dutzend Wölfe zu mehr als 300 Tieren, die in über 30 verschiedenen Rudeln unterwegs sind. Die neue Obergrenze soll in Zusammenarbeit mit den Kantonen festgelegt werden, regionalen Besonderheiten wird Rechnung getragen. Zudem sollen regionale Richtwerte festgelegt werden.

Die jetzige proaktive Regulierung erziele nur eine «gewisse Wirkung» und der Bestand nehme «massiv zu», sagte Monika Rüegger (SVP/OW) im Namen der Kommission. Auch seien Herdenschutzmassnahmen nicht überall umsetzbar – etwa in schwer zugänglichem Gelände. Ziel sei nicht «die Ausrottung des Wolfes», so Rüegger, vielmehr gehe es darum, das Nebeneinander von Wolf, Tourismus, Landwirtschaft, der Sicherheit und der Biodiversität «in ein ausgewogenes Verhältnis» zu bringen.

«Faktenfreie Diskussion über den Wolf»

Nicht die Anzahl der Abschüsse von Wölfen gewährleiste den Schutz von Kühen, Schafen und Geissen, führte Hasan Candan (SP/LU) für die Gegner der Obergrenze aus, das passiere durch die Herdenschutz-Massnahmen. Auf Risse könne reaktiv reagiert werden, und bei erwartetem Schaden könnten die Tiere bereits heute proaktiv erlegt werden. Dass die Massnahmen greifen, zeigten die Zahlen. Trotz des gestiegenen Wolfsbestands gebe es mittlerweile weniger Risse. Candan warf der Mehrheit vor, mittlerweile «faktenfrei» über den Wolf zu debattieren.

Der zuständige Bundesrat Albert Rösti war einverstanden mit der neuen Obergrenze. Das diene nicht nur den Nutztieren, sondern auch den Wildtieren und auch der Verbiss nehme ab. Zwar gehen die Schäden zurück, räumte Rösti ein, aber diese müssten noch weiter zurückgehen und die Obergrenze sei ein Mittel dafür.

Rösti sagte auch, dass er die Obergrenze nicht per Verordnung, sondern in einem Gesetz festlegen wolle. Sonst operiert er gerne über den Verordnungsweg. Das hat den Unterschied, dass dagegen kein Referendum ergriffen werden kann. Dementsprechend ist es wahrscheinlich, dass am Ende das Stimmvolk das letzte Wort haben dürfte.

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