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Sommer

«Nummer 54, Chicken Nöggets, Pommes, bitte abholen!» – eine Liebeserklärung an die Badi

Über 600 Badis gibt es in der Schweiz. Jede ist anders, und doch ist immer irgendwie alles überall gleich.
Per Salto ins Glück. Zwei Jugendliche zeigen einen waghalsigen Sprung ab dem Sprungturm.
Bild: Adrian Stähli

«Nummer 42, Hotdog mit Ketschöp, bitte abholen.»

Es duftet nach Frittierfett und Sonnenöl. In der Beiz sitzen zwei sonnengegerbte Rentner, im Becken crawlt eine Schwimmerin stoisch ihre Längen, und rund um den Sandkasten versuchen Eltern erfolglos zu verhindern, dass Baby Nando und seine Freundin Jael die aus Sand geformte Glace auch tatsächlich essen. Auf der Wiese liegen die Sonnenhungrigen neben den Schattenfanatikern, der Badmeister weist ein paar übermütige Jugendliche darauf hin, dass sie nicht vom Seitenrand ins Becken springen dürfen. Sprungturm, Wasserrutschen, Planschpilze. Jede Badi ist anders, und doch ist es irgendwie überall gleich.

«Nummer 54, Chicken Nöggets, Pommes, bitte abholen.»

Es gibt kaum einen besseren Ort als die Badi. Rund 600 Freibäder gibt es in der Schweiz. Und dabei sind nur jene gezählt, die über mindestens eine minimale Ausstattung wie WCs und eine Garderobe verfügen. Jede Gemeinde, die etwas auf sich hält, hat eine Mehrzweckhalle und eine Badi. Manchmal auch kombiniert in der gleichen Anlage.

«Nummer 61, Pizza Speziale, bitte abholen.»

Derzeit sind die Badis etwas negativ in den Schlagzeilen. Entweder sind die Menschen dort zu nackt (Zürich), zu französisch (Jura), oder es sollen schlicht keine Touristen rein (Luzern). Das ist schade. Denn eigentlich ist die Badi ein typischer Platz für alle. Oder besser: ein Platz, bei dem alle ihr Plätzchen finden. Die Sportlichen, die Kampfsünneler, die Familien, die wagemutigen Salto-Buben und die Liegestuhl-Leserinnen. 5 Franken Eintritt. Nach dem Essen eine halbe Stunde nicht ins Wasser. Bitte keine Unterhosen unter den Badehosen tragen.

«Nummer 84, Schnitzelbrot mit Salat, bitte abholen.»

Im fröhlichen Badi-Treiben wirken alle Menschen schön. Egal, ob mit Bierbauch ausgestattet oder von Cellulite heimgesucht. Sonne, ein paar Züge im Wasser und die Aussicht auf eine Glace zaubern eine grosse Zufriedenheit in die Gesichter. Die Ausnahme sind jene, die sich selbst viel zu schön finden und vor lauter Bräunungsöl und Muskelanspannen das Lächeln vergessen. Weil genau dafür gehen wir doch eigentlich in die Badi. Griesgramen können wir dann wieder daheim. Oder im Büro. Aber daran denken wir nicht. Bis uns um 19.54 Uhr der Badmeister endgültig rauswirft.