
Die Rakete sei von einer Rampe an der Westküste Nordkoreas aus gestartet. Zuvor hatten südkoreanische und japanische Regierungsvertreter bestätigt, dass Nordkorea eine Rakete abgefeuert habe.
Scharfe Kritik
Japan äusserte umgehend scharfe Kritik am Vorgehen Nordkoreas. Der Raketenstart sei unerlaubt, sagte Regierungssprecher Osamu Fujimura. Zudem seien bei dem Test im Westen der koreanischen Halbinsel sowie im Osten der Philippinen Trümmer niedergegangen.
Die japanische Regierung hatte im Vorfeld die Armee in Alarmbereitschaft versetzt für den Fall, dass die Rakete oder Trümmerteile japanisches Gebiet bedrohen. Eine Abfangrakete sei jedoch nicht abgefeuert worden.
Südkoreas Präsident Lee Myung Bak berief kurz nach dem Raketenstart im Nachbarland den nationalen Sicherheitsrat ein, wie ein Sprecher in Seoul mitteilte. Auch Japan hielt eine Sitzung des nationale Sicherheitsrat ab.
Kommentar: Rakete zielt auf eigene Reihen
Was für ein Schock: Nach einigen Fehlversuchen ist es Nordkorea gelungen, eine Langstreckenrakete ins All zu feuern. Über ausreichend Plutonium für ein halbes Dutzend Atomsprengköpfe verfügt das Regime bereits. Mit dem geglückten Abschuss kommt es nun dem Ziel einen grossen Schritt näher, auch den USA zu einer atomaren Gefahr zu werden.
Das ist beängstigend. Und doch dürfte es in naher Zukunft nicht zu einem Atomschlag kommen. Denn allen Drohgebärden auch des neuen Machthabers Kim Jong Un zum Trotz: Er hat die Rakete vor allem aus innenpolitischen Gründen abgefeuert. Seit seiner Machtübernahme vor knapp einem Jahr ist der noch nicht einmal 30-Jährige damit beschäftigt, mit den Widersachern in den eigenen Reihen aufzuräumen. Der junge Kim weiss: Um an der Macht zu verbleiben, muss er in dem völlig verarmten Land dringend Reformen zulassen. Dazu muss er sich der zahlreichen Betonköpfe entledigen. Einige Generäle liess Kim III. bereits hinrichten.
Um seine Macht auch in der Öffentlichkeit zu festigen, fehlte ihm bisher ein sichtbarer Erfolg. Gegenüber der Aussenwelt kann der Babydiktator nach dem Raketenerfolg nun einen versöhnlicheren Ton einschlagen. Um weiteren Hungerkatastrophen in seinem Land vorzubeugen, kommt er nicht herum, auch die USA um wirtschaftliche Hilfe zu bitten. Seit gestern ist sein Verhandlungsspielraum grösser geworden. felix.lee@azmedien.ch
"Provokativer Akt"
Die USA verurteilten den Start der Rakete als "hoch provokativen Akt". Die Einsatz der Raketentechnologie durch das kommunistische Land bedrohe die regionale Sicherheit und sei ein direkter Verstoss gegen geltende UNO-Resolutionen.
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich besorgt über mögliche Konsequenzen für Frieden und Stabilität in der Region, wie sein Sprecher sagte. UNO-Resolutionen untersagen Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt.
Am Mittwoch will sich auf Antrag Japans und der USA deshalb der UNO-Sicherheitsrat mit dem Thema befassen. Die EU-Aussenminister hatten einen möglichen Start bereits am Montag als "provokativen Akt" bezeichnet.
Überraschender Test
Das Regime in Pjöngjang Land hatte den Start eines Satelliten angekündigt. Der Abschuss der Rakete kam für viele Beobachter dennoch überraschend, da Nordkorea das Startfenster erst am Montag um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert hatte. Deshalb war über technische Probleme spekuliert worden.
Pjöngjang betont immer wieder den friedlichen Charakter des Raketenprogramms. Japan, die USA und Südkorea werfen Nordkorea jedoch vor, nach Langstreckenraketen zu streben, die Atomsprengköpfe transportieren und die USA treffen können.
Der jüngste Raketenstart war der zweite Versuch eines solchen Tests seit der Amtsübernahme von Kim Jong Un, der nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il vor knapp einem Jahr Präsident wurde. Zuletzt war im April ein ähnlicher Versuch fehlgeschlagen. Das Geschoss brach damals kurz nach dem Start auseinander.