Sonntagspresse

Migrationsbetrug, Alarm wegen Chemikalie und Staualarm

Immer mehr falsche Pässe, Ewigkeitschemikalie aus Klimaanlagen macht unfruchtbar und fast 70'000 Staustunden im letzten Jahr – die News aus der Sonntagspresse.

Gemäss der «NZZ am Sonntag» schlagen die Behörden Alarm wegen zunehmenden Migrationsbetrugs. Der Verband Schweizerischer Einwohnerdienste (VSED) lanciert deshalb ab Herbst landesweit ein Kontroll-Kit mit UV-Lampe, Lupe und digitaler Referenzdatenbank, um gefälschte Ausweise besser zu erkennen. «Die Zahl von Dokumenten mit Fälschungsmerkmalen, die wir bei der täglichen Arbeit sehen, nimmt deutlich zu», sagt der Verbands-Co-Präsident Alexander Ott. «Viele Fälschungen dürften unerkannt bleiben.»

Laut dem Verband stehen gefälschte Pässe oft im Zusammenhang mit Scheinfirmen und fingierten Arbeitsverhältnissen, die dazu dienen, Aufenthaltsrechte, Bewilligungen oder Sozialleistungen in der Schweiz zu erschleichen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) warnt in einer aktuellen Weisung vor Drittstaatsangehörigen, die sich mit gefälschten Dokumenten als EU-Bürger ausgeben.

Laut Migrationsämtern werden oft osteuropäische Ausweise, insbesondere aus Rumänien und Bulgarien, gefälscht. Die FDP-Nationalrätin Jacqueline de Quattro fordert in der «NZZ am Sonntag» schärfere Kontrollen: «Sollten Fälle von gefälschten bulgarischen und rumänischen Pässen zu zahlreich werden, müssten Anträge auf eine Aufenthaltsbewilligung B, bei denen die Namen dieser beiden EU-Länder vorkommen, vom SEM genehmigt werden.»

Daneben beschäftigen die Behörden auch weitere Fälle von Missbrauch bei der Arbeitsmigration. Besonders auffällig ist die Entwicklung gemäss der «NZZ am Sonntag» bei den Selbständigerwerbenden aus dem EU/Efta-Raum: Im vergangenen Jahr registrierten die Arbeitskontrolleure 419 Verdachtsfälle von Scheinselbständigkeit. Das ist ein Rekord – bei fast jeder zehnten kontrollierten Person aus der EU erwies sich die «eigene Firma» als blosse Fassade.

EU schlägt Alarm: Chemikalie aus Klimaanlagen macht unfruchtbar

Die Chemikalienbehörde der EU schlägt Alarm: Sie stuft Trifluoracetat (TFA) neu als «reproduktionstoxisch» ein. Tierversuche zeigen, dass der Stoff die Fruchtbarkeit mindern und Föten schädigen kann. Der Entscheid ist ein böses Erwachen. TFA galt lange als harmlos. Die Hauptquelle sind Gase aus Klimaanlagen, die via Regen in den Wasserkreislauf gelangen. «Es braucht ein Verbot dieser Stoffe bei allen nicht essenziellen Anwendungen», sagt Michael Meier vom Verband der Schweizer Trinkwasserversorger gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Denn TFA ist mittlerweile im Grundwasser flächendeckend verbreitet. Auch im Trinkwasser ist der Stoff nachweisbar. Besonders ungut: TFA lässt sich praktisch nicht herausfiltern und baut sich nie mehr ab. Der Stoff gilt als Ewigkeitschemikalie. «Die heutige Belastung ist irreversibel», betont der ehemalige Schaffhauser Kantonschemiker Kurt Seiler. Ständerätin Tiana Moser fordert eine Strategie für den Ausstieg aus den umstrittenen Stoffen: «Es ist bekannt, dass die Spermienqualität in ganz Westeuropa abnimmt», sagt die studierte Umweltwissenschafterin und GLP-Politikerin.

Nur zwei Mädchen in der Klasse: Jetzt muss das Bundesgericht urteilen

Die zürcherische Gemeinde Hedingen teilte eine Achtjährige zusammen mit einem weiteren Mädchen und elf Buben in die dritte Klasse ein. Für die Eltern verletzt das den Auftrag zur Gleichstellung, sie beschwerten sich. Nachdem der Bezirksrat den Eltern recht gab, stützte das Verwaltungsgericht den Entscheid der Schule. Jetzt kommt der Fall vor das Bundesgericht. Wie die SonntagsZeitung schreibt, könnte der Entscheid aus Lausanne Auswirkungen auf die ganze Schweiz haben.

Schweizer Post nervt ein Dorf in Thüringen

Die Post kaufte 2023 einen 2400 Hektaren grossen Wald in Ostdeutschland. Sie will damit, respektive mit dem CO₂ im Bauholz, ihre Klimabilanz verbessern. Dafür müssen jetzt aber zuerst die vielen vom Borkenkäfer befallenen Bäume weg. Sattelschlepper transportieren diese täglich durch eine Wohnstrasse im nahegelegenen Dorf Zillbach ab. Wie die SonntagsZeitung berichtet, beklagen sich die Anwohner über Lärm und Staub.

Tausende Frauen verloren Schweizer Pass, weil sie einen Ausländer heirateten

Die Schweiz soll sich für ein historisches Unrecht entschuldigen: Dies fordert SP-Nationalrätin Michèle Dünki-Bättig laut SonntagsZeitung in einem neuen Vorstoss. Es geht um die Heiratsregel, die bis 1952 angewandt wurde. Dadurch verloren über 80’000 Schweizerinnen ihr Bürgerrecht, da sie einen Ausländer heirateten.

Die Praxis war mit viel Leid verbunden. Die Betroffenen wurden mit Berufsverboten belegt, ihr Aufenthaltsstatus war unsicher, manche wurden gar des Landes verwiesen und im Ausland gab es keinen diplomatischen Schutz. Als Folge davon wurden Schweizer Jüdinnen von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs umgebracht. «Es braucht eine umfassende historische Aufarbeitung der skandalösen Vorgänge von damals», sagt die Historikerin Silke Margherita Redolfi.

Verkehrsüberlastung nimmt zu: 68’040 Staustunden im letzten Jahr verzeichnet

68’040 Staustunden wurden im letzten Jahr in der Schweiz registriert. Die Zahl, die SonntagsBlick exklusiv vorliegt, belegt: Die Überlastung des Verkehrs nimmt immer weiter zu. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Staustunden damit um 22 Prozent angestiegen. Von einer «deutlichen Zunahme» im Jahr 2025 spricht man auch beim Bundesamt für Strassen (Astra). Sprecher Jérôme Jacky (36) sagt zu SonntagsBlick: «Staus treten häufiger auf, dauern länger und werden weniger zuverlässig planbar.»

Staus treten immer häufiger auf.
Bild: Keystone/Urs Flüeler

Als zentralen Grund nennt das Astra das Verkehrswachstum auf den Autobahnen. Während der Verkehr auf anderen Strassen seit dem Jahr 1990 im Gleichschritt mit der Bevölkerung zugenommen habe – also um rund 30 Prozent –, sei er auf den Nationalstrassen um 140 Prozent gewachsen. Jacky: «Dadurch stösst das Netz mittlerweile immer häufiger an seine Kapazitätsgrenze.»

Dies ist längst nicht mehr nur zu Pendlerzeiten der Fall, sondern vielerorts über weite Teile des Tages. Weil das Netz am Limit laufe, könnten auch kleinere Ereignisse wie Pannen, Unfälle oder abrupte Bremsmanöver zu Staus und stockendem Verkehr führen, so Jacky. Das Astra greift deshalb zu Massnahmen, die den Verkehrsfluss verbessern sollen. Wo das Verkehrsaufkommen dauerhaft hoch ist und weiter zunimmt, will der Bund zudem «punktuelle Ausbauten» vornehmen.

Wo und wie, zeigt die Vorlage «Verkehr ’45», die der Bundesrat am Freitag verabschiedet hat. Verkehrsminister Albert Rösti erntete dafür von allen Seiten Kritik: Während die Grünen kritisieren, dass 9 Milliarden in den Autobahnausbau fliessen sollen, bemängelt Auto Schweiz, die Bahn werde gegenüber der Strasse bevorzugt.

Crans-Montana: Jean-Luc Addor fordert Schiedsgericht statt runden Tisch

Mehr als ein halbes Jahr nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana wächst die Kritik an der Aufarbeitung. SVP-Nationalrat und Opferanwalt Jean-Luc Addor bezeichnet den vom Bundesrat angekündigten runden Tisch als wirkungslos: «Dieses Projekt ist wie ein Ufo – viel Gerede, aber ohne greifbare Resultate.» Das Gremium ist bis heute nicht zusammengetreten; es gab lediglich vorbereitende Gespräche unter Leitung von alt Regierungsrat Laurent Kurth.

Addor fordert stattdessen ein Schiedsgericht, das rasch verbindliche Entscheide und Vorschüsse für Betroffene ermöglichen soll. Er nimmt Bundespräsident Guy Parmelin in die Pflicht, Tempo zu machen. Für die Opfer sei bisher «noch nichts erreicht», kritisiert Addor. Nach wie vor unklar ist, ob der Bund den runden Tisch nur moderiert oder sich an einer Vergleichslösung auch finanziell beteiligen will.

Der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann ist dagegen, dass Bern weitere Gelder bewilligt: «Der Bund soll sich finanziell raushalten. Jetzt sind die Verantwortlichen im Wallis und die Versicherungen gefordert.» Doris Leuthard, Stiftungsratspräsidentin der Stiftung Beloved, zu SonntagsBlick: «Ich verstehe die Ungeduld der Familien sehr gut. Wir mussten zuerst die nötigen Reglemente erarbeiten, eine Geschäftsstelle suchen, eine Website erstellen etc. Wir stehen nun am Ende dieses Prozesses und können aktiv werden.» Es sei wichtig, jetzt die Familien zu informieren, «wie ihre konkreten Anfragen eingereicht und dann von der Stiftung bearbeitet werden können. Das hat in den kommenden Tagen Priorität.»