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Nestlé

Die illustren Vorgänger von Navratil

Über Jahrzehnte wurde Nestlé von prägenden Persönlichkeiten mit langen Amtszeiten geführt. Zuletzt jedoch hat sich das Bild gewandelt.

Die Geschichte von Nestlé ist auch eine Geschichte seiner Chefs. Figuren wie Helmut Maucher, Peter Brabeck oder Paul Bulcke standen über Jahre, teils Jahrzehnte an der Spitze und formten den Konzern. Diese Kontinuität ist in jüngster Zeit verloren gegangen. Nach der wenig erfolgreichen Amtszeit von Mark Schneider und dem kurzen Intermezzo von Laurent Freixe steht mit Philipp Navratil bereits der dritte CEO innert für Nestlé-Verhältnisse kurzer Zeit an der Spitze.

Helmut Maucher (1981–2000)

Verklärte Führungsfigur: Helmut Maucher.
Bild: Keystone

Unter dem Deutschen Helmut Maucher wird Nestlé zum weltgrössten Nahrungsmittelkonzern. Als Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats verdreifacht er den Umsatz nahezu. Nestlé kauft in dieser Zeit über 250 Unternehmen und Marken und baut seine globale Präsenz aus. 1985 wird Nespresso lanciert. Maucher - er starb 2018 - wurde als Lichtgestalt der Führung geradezu verklärt.

Peter Brabeck-Letmathe (CEO 1997–2008, VRP 2005–2017)

Machte Aktionäre glücklich: Peter Brabeck.
Bild: Getty

Mauchers Ziehsohn Peter Brabeck-Letmathe (heute 81) führt den Konzern in Richtung Gesundheit und Wellness und setzt auf das Wasser-Geschäft. Parallel treibt er grosse Übernahmen voran, etwa im Tierfutterbereich. Auch nach seiner Zeit als CEO bleibt der Österreicher prägend: Von 2005 bis 2017 steht er dem Verwaltungsrat vor. Zuletzt sorgte er in seiner Rolle beim Weltwirtschaftsforum WEF für Wirbel, das er 2025 für kurze Zeit interimistisch führte, nachdem er sich mit Klaus Schwab überworfen hatte.

Paul Bulcke (CEO 2008–2017, VRP bis 2025)

Lange Karriere, abruptes Ende: Paul Bulcke.
Bild: Keystone

Der Belgier Paul Bulcke (71) übernimmt 2008 die operative Führung und später auch das Präsidium des Verwaltungsrats. Unter ihm bleibt Nestlé auf Wachstumskurs, muss sich aber auch mit Kritik auseinandersetzen – etwa wegen Umweltfragen oder Wettbewerbsverstössen. Gleichzeitig werden Portfolios angepasst, etwa durch Verkäufe im Süsswarengeschäft und strategische Partnerschaften wie mit Starbucks.

Mark Schneider (CEO 2017–2024/25)

Externer mit Schwierigkeiten: Mark Schneider.
Bild: Keystone

Mit dem Deutschen Mark Schneider (60) kommt erstmals seit Jahrzehnten ein externer CEO an die Spitze. Er baut das Portfolio um, trennt sich von Randgeschäften und setzt verstärkt auf Kaffee, Tiernahrung und Gesundheitsprodukte. Doch das Wachstum schwächt sich ab, Nestlé verliert Marktanteile. Investoren kritisieren den sinkenden Aktienkurs, zudem werden operative Schwächen und strategische Fehlakzente moniert. Schneider muss nach knapp sieben Jahren vorzeitig abtreten.

Laurent Freixe (CEO 2024–2025)

Liebesaffäre brachte das Aus: Laurent Freixe.
Bild: Keystone

Der Franzose Laurent Freixe (64) bleibt nur kurz im Amt. Bereits ein Jahr später wird er entlassen. Grund ist eine nicht offengelegte romantische Beziehung mit einer direkt unterstellten Mitarbeiterin. Seine Mini-Amtszeit steht exemplarisch für eine Phase erhöhter Instabilität an der Konzernspitze; nun, unter Philipp Navratil, soll der Nestlé-Tanker wieder in ruhigere Gewässer gleiten.