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Nato leistet mehr Ukraine-Hilfe

Die Nato will auf die verheerenden russischen Raketenangriffe gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine mit einem weiteren Ausbau der Unterstützung antworten. Bei einem Treffen in Bukarest verabschiedeten die Aussenminister der 30 Bündnispartner am Dienstag dazu eine gemeinsame Erklärung. Darin heisst es: "Aufbauend auf der bisher zur Verfügung gestellten Unterstützung werden wir nun der Ukraine helfen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken, ihre Bevölkerung zu schützen und den Desinformationskampagnen und Lügen Russlands entgegenzutreten."
Bild: Keystone/AP/Vadim Ghirda

Dabei gehe es auch um Wiederherstellung der Energie-Infrastruktur und Schutz der Bevölkerung vor Raketenangriffen. Die Unterstützung werde geleistet "so lang wie nötig".

Als konkrete Beispiele nannte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei dem Treffen in der rumänischen Hauptstadt Hilfe bei der Reparatur von zerstörten Gas- und Elektrizitätsnetzen sowie die Lieferung von Generatoren und Treibstoff. Seinen Angaben zufolge wird auch darüber gesprochen, ob Nato-Staaten der Ukraine künftig auch Patriot-Flugabwehrsysteme zur Verfügung stellen könnten.

Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba hatte kurz zuvor gesagt: "Patriots und Transformatoren sind das, was die Ukraine am meisten braucht." Er war als Gast zu den Nato-Beratungen in Bukarest eingeladen.

Zu dem Vorschlag Polens, deutsche Patriot-Systeme in der Ukraine zu stationieren, äusserte sich Aussenministerin Annalena Baerbock bei dem Nato-Treffen allerdings skeptisch. Man müsse sicherstellen, dass man auch im Bündnisgebiet noch genügend Material habe, sagte die Grünen-Politikerin.

Nach Angaben von Baerbock wird derzeit unter anderem geprüft, ob für die Notversorgung der Ukraine mit Strom Zugtechnik genutzt werden kann. Man zerbreche sich den Kopf, wie man Generatoren aus Eisenbahnloks ausbauen und dann mit Lastwagen oder Zügen in die Ukraine transportieren könne, sagte die Grünen-Politikerin in der rumänischen Hauptstadt. Das Land brauche grosse Generatoren, um die Leistung der zerbombten Kraftwerke zu ersetzen. Neben Geld sei auch "jegliche Kreativität" gefragt.

Den russischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland beschrieb Baerbock als "Bruch der Zivilisation" - ein Begriff, der oft als Beschreibung für den Holocaust gebraucht wird, die nahezu weltweit gebräuchliche Bezeichnung für den Völkermord an Europas jüdischer Bevölkerung durch die Nationalsozialisten mit etwa sechs Millionen Toten.

Baerbock sagte: "Dass dieser brutale Bruch der Zivilisation so geführt wird - also ich hätte mir das in den letzten Jahren niemals vorstellen können. (...) Wenn gezielt Infrastruktur bombardiert wird, dann nimmt man mutwillig in Kauf, dass Kinder, dass Alte, dass Familien erfrieren, dass sie verdursten, dass sie verhungern." Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sprach Baerbock am Dienstag zudem als derzeitige Vorsitzende der G7-Aussenminister mit 20 Amtskollegen sowie Stoltenberg und Vertretern der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung über weitere Nothilfe für die Ukraine.

Stoltenberg sagte, Russlands Präsident Wladimir Putin versuche, den Winter als Kriegswaffe einzusetzen und die Ukrainer zu zwingen, entweder zu frieren oder zu fliehen. Die Ukraine könne aber weiter auf die Unterstützung der Nato zählen.

Stoltenberg selbst reist nach Abschluss des zweitägigen Nato-Treffens an diesem Mittwoch zu Gesprächen nach Berlin. Dabei wird es auch um weitere deutsche Unterstützung nach mehr als neun Monaten Krieg gehen. (sda/dpa)

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